Zurich Insurance besticht mit hoher Dividende

Zurich: Konzernchef Mario Greco will weitere 400 Millionen Dollar einsparen. Foto: Ennio Leanza/Keystone

Vor einem halben Jahr riet ich ­Ihnen, die Aktien von Zurich ­Insurance dosiert zu kaufen. Seitdem haben sie 5 Prozent gewonnen und sich damit besser entwickelt als die Schweizer Indizes. Und jetzt? Am Donnerstag erklärte Konzernchef Mario Greco im Rahmen der Publikation der Jahreszahlen, das Unternehmen habe schon beinahe erreicht, was für den noch bis Ende 2019 dauernden Zeitraum versprochen sei: «Die Kosten sind im Griff, obschon das vierte Quartal wegen der Waldbrände in Kalifornien hohe Schadenzahlungen erforderte.» Für das laufende Jahr erwartet er stabile Einnahmen und im Bereich Schadenversicherung eine Gesamtkostenquote im Zielbereich, und er will weitere 400 Millionen Dollar einsparen. Eine leichte Gewinnverbesserung im Gesamtjahr ist in Sichtweite, im Aktienkurs aber zum grossen Teil enthalten. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis sind die Zurich-Papiere nicht günstig. Mit Blick auf weiter steigende Dividenden – die Rendite beträgt aktuell attraktive 6 Prozent – bleibe ich aber dabei. Wer die ­Titel noch nicht hat, kann sie erwerben. Dosiert kaufen

130 Stellen werden abgebaut

Bleiben wir im Finanzsektor: Die Aktien der Julius Bär haben einen Kurssturz hinter sich und sind günstig bewertet. Zudem erhöht die Privatbank die Dividende und zieht viele Kundengelder an. Dennoch reicht mir das im Moment nicht. Bei der Präsentation des Jahresergebnisses wurde unmissverständlich klar, wie stark die Bank am Tropf der Börse hängt. Schwache Markt- und Währungsentwicklungen reduzierten 2018 die verwalteten Vermögen – und damit die Basis künftiger Erträge. Darunter hat auch die Profitabilität gelitten. So stark, dass Bär ein Kostensenkungsprogramm lanciert hat. Gut 130 Stellen werden abgebaut. Ob das hilft, weiss ich nicht, es sind lediglich vier Prozent der Gesamtkosten. Entspannung – und damit ein Kaufsignal – senden die Valoren für mich erst, wenn sich die Lage an den Kapitalmärkten verbessert und die Börsen steigen. Meiden

Wichtige Marktpositionen werden besetzt

Seit der holprigen Kapitalerhöhung Anfang Dezember verharren die Aktien des Online-Apothekenbetreibers Zur Rose unter 100 Franken, wobei der Trend eher nach unten weist. Ausgegeben worden waren sie im Sommer 2017 zu 140 Franken, danach stieg der Börsenkurs am ersten Handelstag auf fast 160 Franken. Doch die Anfangseuphorie ist verpufft, besonders seit Herbst generell E-Commerce-Aktien an der Börse unter die Räder gekommen sind. Dabei hat sich für Zur Rose besonders die Lage in Deutschland verbessert. Ein Verbot des Onlinehandels mit Medikamenten ist vom Tisch. Zudem wird die Einführung des elektronischen Rezepts Mitte Jahr für Schub sorgen. In der Schweiz könnte 2020 der Onlinehandel mit rezeptfreien Medikamenten zugelassen werden. Das Unternehmen wird auch 2019 und 2020 Verlust schreiben, weil es ausserordentlich viel investiert, um Marktanteile zu gewinnen. Aber so besetzt das Unternehmen wichtige Marktpositionen im Apotheken-Online­handel, was sich mittelfristig auszahlen sollte. Kaufen

Gedrückte Stimmung

Auf den ersten Blick ist es paradox: Leonteq präsentierte am Donnerstag ein Rekordergebnis für 2018, und der Aktienkurs gab zeitweise über 4 Prozent nach. Das lag nicht an dem Ergebnis des letzten Jahres, sondern am schwachen Start 2019. Die Nachfrage nach strukturierten Produkten hat nachgegeben, Leonteq-Chef Lukas Ruflin gibt sich sehr zurückhaltend, was den Ausblick für die nächsten Monate angeht. Ob der Derivatspezia­list das Rekordjahr übertreffen kann, ist zumindest für 2019 fraglich. Dabei liegt es nicht an Leonteq selbst, es ist die gedrückte Marktstimmung. Der Derivatspezialist ist nach selbstverschul­deten, turbulenten Zeiten und einem hoffnungsvollen Turnaround-Jahr 2017 gut unterwegs. Die Aktien, die der Markt mittlerweile in der Kategorie der Schweizer Vermögensverwalter einschätzt, sind günstig bewertet. Investoren brauchen allerdings einen längeren Atem. Erst für 2021 könnte es eine Dividende geben. Dann wird sich auch zeigen, ob interne Projekte zur Eigenkapitalschonung greifen und Leonteq beim Wachstum wieder vollen Schub geben kann. Kaufen

Es braucht neue Kunden

Anleger brauchen gute Nerven bei den Papieren des Chipherstellers AMS: Um 15 Prozent ging es in der Spitze nach Vorlage der Quartalszahlen vergangenen Dienstag nach unten. Das Wachstum der österreichischen Gesellschaft, deren Aktien an der Schweizer Börse kotiert sind, hat sich im vierten Quartal verlangsamt und geht im laufenden Quartal weiter zurück. Schuld trägt die Abhängigkeit von Grosskunde Apple, dessen Geräte sich langsamer verkaufen als gedacht, was bei Zulieferern wie AMS auf die Kosten drückt. Es gab auch positive Nachrichten: So bessert sich die Finanzlage. Die Qualität der Bilanz wird in diesem Jahr im Fokus stehen, teilte das Management mit. Das und die Aussicht, dass wohl endlich auch einige Android-Hersteller auf AMS-Sensoren einschwenken, stimmt einige optimistisch. Im Verlauf der Woche haben die Titel von AMS nun wieder mehr gewonnen als zu Wochenanfang verloren. Ist das Glas nun halb leer oder halb voll? 2019 wird entscheidend für AMS: Wenn es dem Management nicht gelingt, sich von Apple zu emanzipieren und neue Kunden zu gewinnen, wird es wegen der Kosten der zu wenig ausgelasteten Fertigung in Singapur eng. Dazu kommt, dass sich Rivalen wie Sony, ST Micro­electronics und Infineon warm­laufen und ähnliche Sensoren anbieten. AMS-Papiere sind aktuell nur etwas für Spieler. Meiden

2 Kommentare zu «Zurich Insurance besticht mit hoher Dividende»

  • Claude Fontana sagt:

    Nett. Hohe Dividenden kommen bei der Versteuerung gut davon. Warum gibt man den Betrag nicht mit Zahlen bekannt, wenn man schon in der Öffentlichkeit angeben will??

  • Boris sagt:

    Ok man muss die Dividende versteuern, aber gibt man sie an beim Einkommen, kriegt man einen Teil davon netto ja wieder zurück. Vergleichen wir mit Papieren die keine oder kaum Dividenden abwerfen, sehen wir, dass damit kein höheres Gewinnpotential vorhanden ist. Facebook, Apple, Alphabet, oder wie sie alle heissen, in den letzten 12 Monaten hat man damit überhaupt nichts verdienen können. Auch nicht mit Meyer Burger beispielsweise.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.