Auszahlungsplan ist attraktiver als Leibrente

Das Langlebigkeitsrisiko absichern: Eine Leibrente lohnt sich nur, wenn Sie sehr alt werden – sonst ist es ein schlechtes Geschäft. Foto: iStock

Ich bin 60 und erhalte im Pensionsalter voraussichtlich inklusive AHV eine monatliche Rente von 5000 Franken. Zusätzlich habe ich 250’000 Franken auf der Seite. Soll ich jedes Jahr noch rund 40’000 Franken in die Pensionskasse einzahlen, damit sich meine Rente erhöht, oder wäre eine Leibrente eine gute Idee? Z.C.

Eine Leibrente hat den Vorteil, dass Sie zusätzlich zu Ihrer Rente aus der AHV und der Pensionskasse jeden Monat einen finanziellen Zustupf bekommen. Sie können also Ihre Rente aufbessern und zwar lebenslänglich. Denn die Leibrente garantiert Ihnen eine monatliche Zahlung bis an Ihr Lebensende. Sie erhöhen damit Ihre finanzielle Sicherheit im Alter, da der Umfang der Rente lebenslänglich garantiert ist.

Nicht garantiert sind allerdings Überschüsse. Eine Leibrente können Sie mit oder ohne Rückgewähr abschliessen. Falls Sie eine Variante mit Rückgewähr nutzen, wird das nicht aufgebrauchte Geld bei Ihrem Tod an Ihre Erben vergütet. Bei der Variante ohne Rückgewähr geht das restliche Geld bei Ihrem Tod an die Versicherung. Dafür bekommen Sie bei dieser Variante eine höhere Rente.

Damit wird offensichtlich: Eine Leibrente lohnt sich für Sie primär dann, wenn Sie sehr alt werden. Falls Sie aber früh nach der Pensionierung sterben und eine Variante ohne Rückgewähr gewählt haben, war für Sie die Leibrente ein schlechtes Geschäft. Mit einer Leibrente sichern Sie sich gegen das Langlebigkeitsrisiko ab.

Da Sie mir schreiben, dass Sie eher nicht davon ausgehen, sehr alt zu werden, erachte ich eine Leibrente für Sie als wenig sinnvoll. Denn auch renditemässig sind solche Produkte derzeit völlig uninteressant. Einen weiteren Nachteil sehe ich auch bei den Steuern: Leibrenten sind zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern. Dazu kommt, dass Sie das Geld, das Sie in die Leibrente investieren, schon einmal versteuert haben.

Steuermässig attraktiver, und aus meiner Sicht sinnvoller, wäre eine von Ihnen ebenfalls in Erwägung gezogene freiwillige und gestaffelte Einzahlung in Ihre Pensionskasse. Damit sparen Sie in den nächsten Jahren kräftig Steuern. Auch da bekommen Sie durch die zusätzliche Einzahlung bis ans Lebensende eine höhere Rente und erhöhen damit Ihre Sicherheit im Alter.

Was mich bei dieser Variante in Ihrem Falle aber stört, ist Ihr Hinweis, dass Ihre Pensionskasse einen tiefen Umwandlungssatz von 4,8 Prozent hat. Auch wäre vor einer Einzahlung zu prüfen, wie robust die Kasse finanziell dasteht. Bei einem Rentenbezug wäre das Kapital im Fall eines frühen Todes kurz nach der Pensionierung ebenfalls weg. Dafür aber sichern Sie sich mit der freiwilligen Einzahlung auch hier gegen das Langlebigkeitsrisiko ab, da Sie bis ans Lebensende mit einer höheren Rente rechnen dürfen. Und Sie haben das Kapital sicher parkiert.

Als dritte Variante könnten Sie einen Auszahlungsplan für sich in Erwägung ziehen. Wenn Sie zum Beispiel davon ausgehen, dass Sie maximal 85 Jahre alt werden, könnten Sie sich von Ihrer Bank von Ihren 250’000 Franken jährlich 12’500 Franken oder monatlich 1041 Franken auszahlen lassen.

Wenn Sie das Geld oder zumindest einen Teil davon noch anlegen, was ich empfehle, und dabei eine Rendite erzielen, würde die Rente noch höher ausfallen. Der Nachteil: Sie tragen das Langlebigkeits- und mögliche Anlagerisiko selbst. Angesichts der Tatsache, dass das Geld bei der angenommenen Zusatzrente von 1041 Franken ohne eine Rendite monatlich bis 85 reicht, können Sie dieses Risiko durchaus tragen.

Der grosse Pluspunkt dieser Variante liegt bei den Steuern: Anders als die Renten aus der Pensionskasse, der AHV und einer Leibrente müssen Sie die monatliche Auszahlung aus Ihrem Vermögen nicht als Einkommen versteuern. Hier fällt lediglich die deutlich geringere Vermögenssteuer auf dem jeweils verbleibenden Restkapital an.

Unter dem Strich haben Sie nach Steuern mehr Rente – erst recht, wenn Sie das Kapital auch noch sinnvoll investieren. Sollten Sie früher sterben, ist das Geld nicht einfach weg, sondern geht an Ihre Erben.

6 Kommentare zu «Auszahlungsplan ist attraktiver als Leibrente»

  • Tom Sivers sagt:

    Versicherte sollten keine Einkäufe im Zeitraum von drei Jahren vor der Pensionierung tätigen. Sonst dürfte das Steueramt darauf pochen, dass die dank dem Einkauf gesparten Steuern bei einem allfällig kurzfristig entschiedenen Kapitalbezug aus der Pensionskasse wieder zurückgezahlt werden müssen. Die dreijährige Sperrfrist für Kapitalbezüge aus der Pensionskasse gilt indessen nicht für Einkäufe, die eine wegen einer Scheidung entstandene «Vorsorgelücke» auffüllen sollen.

  • Sebastian Korealis sagt:

    Wie wärs denn, mit den 250’000 ein kleines Wohneigentum zu erstehen? Der resultierende Eigenmietwert wäre in Wirklichkeit eine lebenslange, indexierte Ergänzung zu Rente und Pension. Zudem ginge das Geld nicht verloren, sondern nach Ableben an die Erben.

  • christoph steiger sagt:

    Haha: „Langlebigkeitsrisiko“. Die gefahr lauert heute überall…

  • Josef Marti sagt:

    Wieso soll das für mich bei frühem Tod ein schlechtes Geschäft sein, ich hatte dann ja eine höhere Leibrente bei der Variante ohne Rückgewähr als mit Rückgewähr. Das Gegenteil ist also der Fall.

    • Martin Leu sagt:

      Eine Leibrente ist grundsätzlich ein schlechtes Geschäft, es kassieren der Versicherer und das Steueramt. Für den Rentner bleibt da nicht mehr viel übrig.

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