Geld zu horten, lohnt sich nicht

Die sicherste Methode der Geldhortung: Im Bankschliessfach ist Ihr Geld im Prinzip gut aufgehoben. Nur verliert es dort laufend an Kaufkraft. Foto: iStock

Es wird ja immer wieder geraten, Geld, welches ohnehin nur auf dem Sparkonto liegt, zu investieren. Dies mit der Begründung, dass es auf dem Bankkonto mehr Wert verliere, als es Zinsen einbringe. Angenommen ich würde für zehn Jahre 10’000 Franken in ein Bankschliessfach legen. Mit dem Bankschliessfach hätte ich die sicherste Methode der Geldhortung gewählt. Wie viel würde mich diese Sicherheit in Form von Wertverlusten kosten? M.V.

Wie viel Sie bei dieser Form von Geldhortung tatsächlich verlieren, hängt von der Teuerungsentwicklung ab. Das Bundesamt für Statistik und das Staatssekretariat für Wirtschaft gehen von einer Teuerung in diesem Jahr von fast einem Prozent aus.

Wenn Ihre 10’000 Franken in diesem Jahr im Schliessfach liegen, würden Sie darauf somit 100 Franken verlieren. Ihr Geld hätte Ende Jahr nur noch eine Kaufkraft von 9900 Franken. Auf zehn Jahre bezogen würden Sie bei gleich bleibender Teuerung 1000 Franken an Kaufkraft verlieren.

Allerdings wissen wir alle nicht, wie sich die Teuerung künftig entwickelt. In früheren Jahren war sie sogar negativ. Sie haben lange Zeit aufgrund des starken Frankens sogar an Kaufkraft gewonnen. Im momentanen konjunkturellen Umfeld würde ich aber davon ausgehen, dass die Teuerung weiter im positiven Bereich bleibt und sogar eher anzieht.

Erst recht ansteigen würde sie, wenn nicht mehr nur in den USA, sondern später auch bei uns die Zinsen anziehen. So weit ist es hierzulande noch nicht. Möglich ist auch, dass die Teuerung künftig wieder deutlich stärker als die aktuellen eins Prozent in die Höhe klettert. Dann würden Sie auf Ihrem im Schliessfach gehorteten Geld noch mehr verlieren.

Angesichts der immensen weltweiten Schuldenberge würde es mich nicht erstaunen, wenn die Staaten ein Interesse an einer steigenden Inflation haben. Denn auf eine andere Weise können sie ihre riesigen Schulden nie mehr zurückzahlen. Mit einer schleichenden Entwertung des Geldes nehmen die Schulden ab. Leider haben viele Leute vergessen, dass die Inflation Gift für das Ersparte ist: Bei einer Teuerung nimmt die Kaufkraft des Ersparten laufend ab.

Wenn Sie Geld ins Schliessfach legen, müssen Sie allerdings noch weiter Kosten dazurechnen: Erstens müssen Sie der Bank eine Schliessfachgebühr bezahlen. Die Kontoführungsgebühren kommen dazu, da Sie für die Eröffnung eines Bankschliessfaches bei einer Bank ein Konto benötigen.

Zweitens entgeht Ihnen eine Rendite auf dem Geld. Selbst wenn Sie nur einen geringen Jahreszins von 0,2 Prozent auf zehn Jahre einsetzen, hätten Sie auf den 10’000 Franken immerhin total knapp 202 Franken Zins. Bei angenommenen durchschnittlichen fünf Prozent Rendite mit Wertschriften würden aus den 10’000 Franken dank Zinseszins gar 16’289 Franken. Die angenommene Rendite, die Ihnen entgeht, dürfen Sie nicht ausklammern, wobei Sie bei dieser Variante ein erhöhtes Anlagerisiko tragen, was die Rendite natürlich wieder relativiert.

Und drittens müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie auch bei der Hortung von Bargeld im Bankfach ein Restrisiko tragen: Wenn es in der Bank brennt und Ihre im Bankfach gehorteten Noten verbrennen oder durch Hochwasser zerstört werden, sind diese nicht versichert. Ich gebe Ihnen recht, das ist ein geringes Risiko, dennoch bleibt ein Restrisiko.

Um der schleichenden Geldentwertung durch die Teuerung zu entgehen, würde ich das Geld weder in einem Bankfach noch einfach auf dem Konto brachliegen lassen, sondern zumindest einen Teil davon investieren.

22 Kommentare zu «Geld zu horten, lohnt sich nicht»

  • Nina Mayer sagt:

    Das mit der Kaufkraft ist eine theoretische Sache. Eine 1000er Note bleibt nach x Jahren immer noch eine. Die Preise verändern sich ja auch. Hypotheken sind heute günstiger, auch die Mieten sind eher konstant geblieben, Essen ist auch nicht viel teurer. Ferien sind billiger. Aktienmärkte steigen und fallen, dort kommt es darauf an wann gekauft wird. Je nach dem muss man eine lange Zeit aussitzen.

    • Franz Kaufmann sagt:

      Die Mieten sind nur/eher konstant geblieben, wenn Sie die Wohnung nicht wechseln. Neue Wohnungen sind teuer.

      • Clara Mayer sagt:

        Blödsinn, infolge Überangebot sind die Angebotsmieten um 1,5 Prozent gesunken.

      • Carmen Haag sagt:

        Ob die Mieten sinken oder steigen, ist in erster Linie vom Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage abhängig. Stehen viele Wohnungen leer, sinken die Mieten. In vielen Regionen, welche etwas weiter von den Stadtzentren entfernt sind, haben Mieter momentan die Qual der Wahl und profitieren von günstigeren Mietpreisen.

  • peter sagt:

    Der Kaufkraftverlust ist ein kalkulierbares und sehr kleines Risiko. Gegenüber „todsichereren“ Anlagen welche von Banken nur verkauft werden damit sie die horrenden Gebühren kassieren können und man am Schluss vielleicht noch die Hälfte heraus bekommt, sieht das Schliessfach dann doch wieder attraktiv aus.

  • Anh Toàn sagt:

    Wenn Herr Spieler erwartet, dass die Zinsen (und Inflation) steigen, dann müsste er doch raten, zu warten, bis es eben mehr Zinsen gibt: 3 Jahre keinen Zins statt 0.2% und dafür danach 7 Jahre 1.5% Zins gibt mehr Ertrag.

    „Leider haben viele Leute vergessen, dass die Inflation Gift für das Ersparte ist: Bei einer Teuerung nimmt die Kaufkraft des Ersparten laufend ab.“

    Die Teuerung frisst aber auch an der Rendite, auf diese noch die Steuern, auch wenn netto ein Kaufkraftverlust entsteht: Der Teuerung kann man nur entgehen, indem man zum eigenen Geld ein vielfaches von fremden Geld (Kredite) investiert: Auch am fremden Geld frisst die Teuerung, ist dies mehr als das eigene, wird die Teuerung zu Bringer:

    Nicht mit Sparen und Investieren gibts Ertrag, Ertrag kommt aus Schulden.

    • Anh Toàn sagt:

      „Geld horten lohnt sich nicht“, ja, Schwund ist immer!

      Idealerweise ist der Schwunds in erster Linie auf fremden Geld, so entsteht Rendite im Kapitalismus.

      • Anh Toàn sagt:

        Also: Nehmen Sie ein Hypo von 20’000 auf und kaufen einen Autoabstellplatz für 30’000.00: Auf die Hypo zahlen Sie 1.25%, also CHF 250.00 pro Jahr, dazu Unterhaltskosten von etwa 450.00 gibt Total Aufwand von etwa 700.00, vermieten lässt sich der Platz für mindestens CHF 100.00, also 500 Gewinn pro Jahr: So erhalten Sie 5% auf Ihr Kapital: Und gibt es Inflation, steigt der Wert des Einstellhallenplatz, zum laufenden Ertrag aus Vermietung erhalten Sie auch eine Wertsteigerung: behalten Sie den Platz weitere 10 Jahre, bekommen Sie nominell mehr Miete und können sich damit dann gleichviel kaufen.

        5% auf 10 Jahre ohne Fremdkapitaleinsatz ist utopisch, unsere PK’s müssen 1% gutschreiben, manche geben sogar 1.5%: Sind dies jetzt Volltrottel oder Betrüger Herr Spieler?

      • Anna Kamber sagt:

        Blödsinn, auf ein Autoeinstellplatz kann keine Hypothek aufgenommen werden, höchstens eine bestehende aufgestockt.

      • Fredy Kuster sagt:

        Anh Toan hat ja super geile Investmentvorschläge. Parkplätze auf Pump kaufen und vermieten.
        Jedoch auch die Parkplätze müssen irgend wann einmal wieder verkauft werden.
        Wenn künftig Autos selbständig fahren, wird die Nachfrage nach Parkplätzen massiv schwinden und damit auch die Preis. Somit dürfte aus dem Investment auf längere Sicht ein erheblicher Verlust resultieren.

    • Timo sagt:

      Teurungsbereinigte Rendite des SMI über die letzten

      20 Jahre: 3.3% pro Jahr
      15 Jahre: 5.6% pro Jahr
      10 Jahre: 8.7% pro Jahr

      SMIM:
      20 Jahre: 7% pro Jahr
      15 Jahre: 9.1% pro Jahr
      10 Jahre: 12.16% pro Jahr

      SP500 in CHF, teurungsbereinigt:
      20 Jahre: 3.6%
      15 Jahre: 6%
      10 Jahre: 12.3%

      Eine Rendite von 5% ist über einen längeren Anlagehorizont sehr wohl möglich.

  • Paul Kellenberger sagt:

    @Anh Toan: Bei dieser Fragestellung hatte ich schon befürchtet, dass es wieder etliche Kommentare der minderen Sorte gibt. Aber nein, es kam anders: 3 Kommentare von Anh Toan, welche a) immer spannend zu lesen sind mit einer anderen Blickweise aber stets sehr fundiert und b) mit dem heutigen Kommentar ablosut einleuchtend den besseren Ratschlag gibt als Herr Spieler in seinem Blogbeitrag. 👏

  • Ehn Walter sagt:

    Richtig, aber aus einem anderen Grund.
    Wenn ich ins Pfegeheim muss, was leider vorkommen kann, kostet es unverständlicher Weise über 8000Dr. Warum das so ist, weiss niemand.
    Wird voll vom Vermögen abgezogen.
    Bin 74 Jahre alt 4 Schlaganfälle.
    email stimmt, kann überprüft werden

    • Igor Piroschko sagt:

      Darum Vermögen bei guter Gesundheit verbrauchen, danach Ergänzungsleistungen und Prämienverbilligungen der Krankenkasse beziehen, wie Hunderttausende auch.

    • Gaudenz Thaler sagt:

      @ Walter Ehn: Als alleinstehnder dürfen Sie ein Vermögen von 37’500.- (Verheiratete 60’000.-)
      haben, um in den Genuss von Ergänzungsleistungen zu kommen. Ihre Ausgaben müssen einfach Ihre Einnahmen ( AHV-Rente, PK-Rente, KK, Miete etc.)
      übersteigen. Alles Gute !

  • urs brand sagt:

    Einen weiteren wichtigen Geldvernichtungsfaktor hat Hr. Spieler völlig vergessen. Das Safefack bei der Bank ist nicht gratis. Da kommen locker pro Jahr noch Schrankfachgebühren von Fr. 150,– hinzu.

  • Kurt Seiler sagt:

    Es ist alles schlussendlich nur eine Wette auf die eigene Restlebenszeit.
    Ich kann jeden verstehen der die Variante mit dem Schliessfach wählt.
    … den anderen wünsch ich eine gute Gesundheit.

  • Sander sagt:

    Und wo bekomme ich heute nur schon 0,2% Zins ohne Risiko?

  • Urs Schumacher sagt:

    Gold und Silber im Tresor bleibt immer gleich schwer und erhaelt in Krisenzeiten eigentlich den Wert. Rendite macht es halt nicht, das ist das einzig Negative an dem Metall.

Kommentar

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