Postfinance: So umgehen Sie die neuen Gebühren

Sorgt für viel Ärger: Die neuen Kontoführungsgebühren von 60 Franken pro Jahr kann man sich sparen, indem man ein Anlagevermögen von mindestens 25’000 Franken bei der Postfinance hält. Foto: Urs Jaudas

Zur Vermeidung der bei Postfinance seit 2019 auch für über 7500 Franken Kontovermögen neu anfallenden Kontoführungsgebühren hätte ich die Möglichkeit, mit mindestens 25’000 Franken meines Säule-3a-Vorsorgekonto-Guthabens Vorsorgefonds-Anteile zu kaufen. Da diese vor allem für die ausgebende UBS einträglich sind und sich die Anleger seit Lancierung mit einer Performance unter dem Benchmark zufriedengeben müssen, habe ich bis jetzt darauf verzichtet. Da mir der Kursverlust auf den Obligationen im Fall steigender Zinsen als wahrscheinlich erscheint, käme für mich ohnehin nur der Postfinance-Vorsorgefonds 75 infrage. Dennoch frage ich mich, ob sich das für mich wirklich lohnt? C.R.

Die neuen Kontoführungsgebühren bei der Postfinance sorgen für viel Ärger bei den Kunden. Einige kündigten Konten, andere versuchen, so wie Sie, die höheren Gebühren zu verhindern, indem Sie in Fonds investieren. Denn wie Sie richtig feststellen, kann man sich die Gebühren von 60 Franken pro Jahr sparen, indem man ein Anlagevermögen von mindestens 25’000 Franken bei der Postfinance hält oder eine Lebensversicherung oder Hypothek.

Immerhin wird diese Kontoführungsgebühr pro Kundenbeziehung verrechnet. Kunden mit mehreren Einzelkonten wie Sie zahlen monatlich somit nur eine Kontoführungsgebühr. Es bleibt also bei den 60 Franken pro Jahr.

Tatsächlich sind die Fonds der Postfinance nicht gerade günstig. Der von Ihnen erwähnte Vorsorgefonds Postfinance Pension 75 weist eine Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio (TER) von 0,98 Prozent aus. Das wirkt auf den ersten Blick nicht sehr hoch. Angesichts der Tatsache, dass dieser Fonds nicht aktiv, sondern passiv verwaltet wird, ist auch dieser Fonds nicht wirklich günstig.

Der Fonds bildet lediglich einen Vergleichsindex nach und investiert global in Geldmarktanlagen, Obligationen, Aktien, Rohstoffe und Immobilien in der Schweiz. Grösste Positionen sind denn auch wenig überraschend Nestle, Novartis, Roche, UBS Group, Zurich, Richemont, ABB, CS, Swiss Re und Lonza. Der Aktienanteil bewegt sich auf 75 Prozent, jener der Immobilien und Rohstoffe auf je vier Prozent, was den Vorteil hat, dass der Obligationenanteil, wie von Ihnen gewünscht, gering ist.

Der Nachteil ist allerdings, dass Sie bei diesem Fonds mit beträchtlichen Kursschwankungen rechnen müssen, zumal auch die Fremdwährungsquote bei über 25 Prozent liegt.

Nun schreiben Sie mir aber, dass Sie bis zu Ihrer Pensionierung noch wenigstens zehn Jahre haben. Bei einem Anlagehorizont von zehn Jahren und entsprechender Risikobereitschaft macht dieser Fonds für die langfristige Anlage von Vorsorgegeld im Rahmen der steuerbegünstigten Säule 3a durchaus Sinn.

Nur um die Kontoführungsgebühren von jährlich 60 Franken zu sparen, würde ich den Fonds aber nicht kaufen. Denn Sie könnten bei einer anderen Bank ein günstigeres passives Anlageprodukt erwerben, das sich möglicherweise sogar auch besser entwickelt.

Ihren Angaben entnehme ich aber, dass das Geld derzeit ohnehin einfach auf dem Säule3a-Konto der Postfinance parkiert ist. Auf diesem Geld bekommen Sie fast keinen Zins und schlagen nicht einmal die Teuerung. So gesehen wäre es ohnehin ratsam, wenn Sie das Geld, das blockiert ist, in Fonds investieren, die eine deutlich höhere Rendite versprechen.

In dieser Konstellation halte ich es für einen guten Schachzug, wenn Sie wenigstens 25’000 Franken in dem erwähnten Vorsorgefonds anlegen und sich so in den nächsten zehn Jahren Gebühren von immerhin 600 Franken sparen.

Der Preis dafür ist aber ein erhöhtes Risiko, das Sie mit dem Fonds tragen: Sie müssen sich gut überlegen, ob Sie dieses erhöhte Risiko wirklich in Kauf nehmen wollen und können.

9 Kommentare zu «Postfinance: So umgehen Sie die neuen Gebühren»

  • Georg Wuitschik sagt:

    Man hätte vielleicht auch dazu raten können die Bank zu wechseln. Nur wenn Preiserhöhungen zu Kundenabflüssen führen, kann der Markt spielen. Gilt auch für Säule 3a (Viac!), und Konsumgüter…

  • Benno Weber sagt:

    Ein Konkurenzprodukt kostet 0.5% weniger, da spart der besorgte Herr auf 25’000 Franken über 10 Jahre nochmals doppelt so viel. Dass die Aktien in den nächsten zehn Jahren positive Renditen generieren, ist möglich, aber nicht sicher. Mitte 50 würde ich mir darum noch andere Fragen stellen als Renditeerwartungen in der 3. Säule: Wie sicher ist mein Job in einem Abschwung? Habe ich neben dem Fonds schon Aktien- und Immobilienrisiken? Wie steht’s mit der Tragbarkeit meiner Hypothek wenn ich in Frühpension geschoben werde? Je nach Antwort ist eine hohe Aktienquote keine tolle Idee. Die 60 Franken Kontogebühr sind auf jeden Fall im grossen Bild der falsche Fokus.

  • Reto Zumboden sagt:

    Nicht zu vergessen sind die Gebühren beim Freizügigkeitskonto bei der Postfinance von Fr. 3.- pro Monat, die dieses Jahr wegen den Negativzinsen dazukommen.

  • Pius Tschirky sagt:

    Weiss nicht, warum man nun wegen einem Betrag von Fr. 60.– rummeckern muss? Sonst hat man ja auch für alles Geld und ich mag es der Postfinance gönnen, dass Sie nicht alles gratis machen muss.

    • Metzler Adrian sagt:

      Meine Meinung… Rine Tasse Guten Kaffee im Monat für eine gute Dienstleistung? Ich finds ok…

    • J. Wigger sagt:

      In der Tat ist die Postfinance für den typischen Benützer immer noch am günstigsten. Die Debitkarte ist gratis (bei den meisten andern Banken 40.- / Jahr) und erlaubt gebührenfreie Bargeldbezüge an allen Fremdbank- Geldautomaten und an jeder Migros- Kasse. Selbst der Bezug im Ausland ist gratis – weltweit.

  • Walter Vettiger sagt:

    Bei der Raiffeisen zahle ich gar nichts. Der Zahlungsverkehr läuft einwandfrei. Was mit aufregt sind Leute, die aus Unwissenheit Geld am Schalter einzahlen.

  • Jonas R sagt:

    Wäre ich Postfinance-Kunde, würde ich lieber die Fr. 60.- fürs Konto bei Postfinance zahlen und z. B. mit Viac oder VZ für die Säule 3a sparen (oder Fonds im Depot bei einer Bank mit guten Konditionen halten) als die teuren Fonds der Postfinance zu kaufen. Es gibt genügend Fonds, die viel günstiger sind als ein TER von 0.98. Es bringt nichts, die Kontoführungsgebühren einzusparen, wenn man dann mehr als das Eingesparte wegen hoher Fond-Verwaltungskosten wieder draufzahlt.

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