Warum die Hypozinsen bald ansteigen werden

Nur noch eine Frage der Zeit: Die Hypozinsen werden zwar noch bis Ende Jahr tief bleiben, dann aber vermutlich ansteigen. Markant sinken werden die Hypozinsen sicher nicht mehr. Foto: iStock

Ich habe eine Hypothek in zwei Tranchen. Die erste mit Ablauf Dezember 2019 und die zweite mit Ablauf 2020. Die Bank bietet mir eine Festhypothek mit fünf Jahren Laufzeit oder zehn Jahren. Gibt es eine Tendenz für Zinserhöhungen, oder soll ich mit einem Abschluss abwarten? P.H.

Tendenziell zeigen die Zinsen nach oben. Allerdings haben wir eine unterschiedliche Entwicklung in den USA und in Europa. In den USA hat die Notenbank die Leitzinsen bereits mehrmals angehoben und dürfte diese noch weiter anheben. Der Grund: Die US-Wirtschaft läuft auf Hochtouren, und die Inflation hat angezogen. Deshalb muss die Notenbank eine Überhitzung der Wirtschaft verhindern.

In Europa hingegen hat die Europäische Zentralbank signalisiert, dass die Leitzinsen noch sicher bis im Sommer dieses Jahres tief bleiben. Auch in Europa entwickelt sich die Konjunktur recht gut, aber lange nicht so stark wie in den USA. Die Teuerung hat ebenfalls etwas angezogen. Der Inflationsdruck ist in Europa aber ebenfalls geringer als in Amerika.

Vor allem aber hängen über der europäischen Wirtschaft zwei Unsicherheitsfaktoren: erstens der Austritt von Grossbritannien aus der EU Ende März dieses Jahres. Und zweitens die Schuldenberge und das Haushaltsdefizit in Italien. Die EU und Italien liegen sich deswegen schon länger in den Haaren. Einige Politiker in Italien drohen sogar regelmässig mit einem EU- und Euroaustritt Italiens. Auch wenn das kaum passieren dürfte, verunsichert es die Anleger.

Vor diesem Hintergrund dürften die Zinsen in Europa noch länger tief bleiben. Damit ist auch für die Zinsen in der Schweiz schon viel gesagt: Denn die Schweizerische Nationalbank ist stark von den Entscheiden der Europäischen Zentralbank abhängig.

Würde die Schweizerische Nationalbank die Zinsen vor der EZB anheben, käme es zu einer stärkeren Fluchtbewegung in den Franken und der Euro würde sich wieder abschwächen. Genau dies will die SNB aber unbedingt verhindern, da der hiesige Export und der Tourismus Nachteile hätten. Die Leitzinsen bleiben somit auch in der Schweiz weiter tief, zumal wir ja weiterhin Negativzinsen haben.

So weit die Grosswetterlage. Bereits angezogen haben allerdings die Kapitalmarktzinsen. Die Rendite der US-Bundesanleihen ist zeitweise auf über 3,2 Prozent geklettert, und auch die Rendite der Schweizerischen Bundesanleihen ist phasenweise wieder auf null oder leicht darüber gestiegen, notiert jetzt aber wieder im Minus. Hier gibt es eine Tendenz für leicht steigende Zinsen.

Bezogen auf die Hypozinsen, gehe ich davon aus, dass diese noch bis Ende Jahr tief bleiben. Es ist aber nur noch eine Frage der Zeit, dass sie ansteigen. Markant sinken werden die Hypozinsen sicher nicht mehr.

Wenn Sie Sicherheit und finanzielle Planbarkeit suchen, würde ich die tiefen Zinsen anbinden. Hypotheken mit Laufzeit von fünf und zehn Jahren sind derzeit gesucht und je nach persönlichen Verhältnissen und Ihren Lebensumständen, die ich nicht kenne, sinnvoll.

Falls Sie also die tiefen Zinsen auf zehn Jahre anbinden möchten, rate ich Ihnen, im Jahr 2020, wenn die zweite Tranche fällig wird, die Laufzeit auf die erste Tranche abzustimmen. Ein Wechsel zu einer Konkurrenzbank Ihrer heutigen Hypothekarbank ist faktisch nur möglich, wenn die Laufzeiten auf einander abgestimmt sind.

Mit der Festhypothek profitieren Sie lange von den tiefen Zinsen, sind damit aber auch für die gewählte Laufzeit an den Vertrag gebunden.