Wer sein Geld liegen lässt, macht bloss Verlust

Brachliegendes Geld bringt nur Kosten: Auch als konservativer Anleger sollte man das Ziel haben, auf dem Kapital wenigstens eine kleine Rendite zu erzielen – auf keinen Fall aber Geld zu verlieren. Foto: Keystone

Ich bin 60 und habe rund 250’000 Franken auf mehreren Bankkonten. Ich bin eher ein konservativer Anleger, habe aber einen Anlagehorizont von zehn Jahren. Vorläufig möchte ich 30’000 investieren. Die Migros-Bank und die Berner Kantonalbank rieten mir zu Strategiefonds. Ein guter Freund aber riet mir, 20’000 Franken in Aktien iShares Core MSCI World UCITS ETF USD und 10’000 Franken in den Immobilienfonds Immo Helvetic zu investieren. Was ist Ihre Meinung? C.Z.

Strategiefonds, wie sie Ihnen Ihre beiden Banken empfehlen, haben den Vorteil, dass sie das Geld breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen investieren. Auch mit kleineren Beträgen kann man so von einer professionellen Vermögensverwaltung profitieren, wie sie sonst nur mit viel Kapital möglich wäre. Je nach Ihrer persönlichen Risikofähigkeit können Sie eine Strategie wählen, die mehr oder weniger Schwankungen und Risiken beinhaltet.

Der Nachteil solcher Strategiefonds liegt einerseits in den meist beträchtlichen Gebühren, die in der Regel über einem Prozent liegen, und anderseits im in den Fonds enthaltenen mehr oder weniger grossen Obligationenanteil, der im momentanen Tiefzinsumfeld zwar Gebühren verursacht, aber nur mickrige Renditen abwirft.

Mit der von Ihrem Freund vorgeschlagenen Anlagestrategie mit einem Exchange Traded Fund ETF, der an den Weltaktienindex MSCI World gekoppelt ist, haben Sie deutlich höhere Gewinnchancen als mit einem traditionellen Strategiefonds. Dafür gehen Sie auch deutlich höhere Risiken ein.

Auf lange Sicht versprechen Aktien klar mehr Rendite. Sie können aber das Pech haben, dass es an den Aktienmärkten ausgerechnet in den nächsten Jahren zu einem länger anhaltenden Abschwung kommt. Da der Weltaktienindex alle relevanten Aktienmärkte umfasst und damit breit diversifiziert ist, wird dieses Risiko leicht abgefedert. Dennoch setzen Sie sich mit diesem Instrument naturgemäss deutlich erhöhten Risiken und Schwankungen aus.

Nun schreiben Sie mir, dass Sie das Geld in den nächsten zehn Jahren sicher nicht brauchen. Auch damit relativiert sich Ihr Risiko nochmals deutlich. Dazu kommt, dass Sie mit dem Immobilienfonds einen Teil Ihres Geldes in die konservativere Anlageklasse Immobilien investieren.

Ganz risikolos ist aber auch dieser Immobilienfonds nicht. Anlagen in Immobilien waren in den letzten Jahren sehr gefragt. Nicht nur die Liegenschaftenpreise, auch die Anteile an Immobilienfonds sind deutlich in die Höhe geklettert. Falls die Zinsen irgendwann dann auch bei uns steigen, müssen Sie mit einer Korrektur beim Immobilienfonds rechnen. Doch auch da federt der lange Anlagehorizont Ihr Risiko etwas ab.

Da der grosse Teil Ihres Geldes stockkonservativ auf Ihrem Konto brachliegt, können Sie meines Erachtens den Vorschlag Ihres Freundes durchaus umsetzen – wohl wissend allerdings, dass Sie vor allem beim an Aktien gekoppelten Exchange Traded Fund mit starken Schwankungen rechnen müssen. Gebührenmassig fahren Sie damit deutlich günstiger als mit den von der Bank empfohlenen Strategiefonds.

Davon unabhängig rate ich Ihnen, auch den übrigen Teil Ihres Geldes, das jetzt auf dem Bankkonto brachliegt, wenigstens zu einem grossen Teil in Wertschriften zu investieren. Auf dem Konto bekommen Sie kaum Zins. Nach Berücksichtigung der Teuerung und Gebühren verlieren Sie hier faktisch Jahr für Jahr Geld.

Auch als konservativer Anleger sollten Sie das Ziel haben, auf Ihrem Kapital wenigstens eine kleine Rendite zu erzielen – auf keinen Fall aber Geld zu verlieren.