Warum die Aussichten an der Börse düster bleiben

Steigende Zinsen in den USA: Selbst konservative Obligationen sind durch heftige Schwankungen aufgefallen. Zinsänderungen wirken sich rasch auf die Kurse der Anleihen aus. Foto: Getty Images

Bei der St. Galler Kantonalbank wurde mir der Swisscanto (LU) Bond Invest Global Absolute Return H CHF A Fund (Valor Nr. 22255232) empfohlen. Leider ist der Fonds aktuell deutlich im Minus, obwohl dieser mit einem tiefen Risiko eingestuft wurde. Ich bin mir nun nicht sicher, ob ich den Fonds abstossen soll, um einen noch grösseren Verlust zu verhindern, oder ob es sich lohnt, den Fonds zu behalten und auf eine Trendwende zu hoffen. Was soll ich tun? H.V.

Eigentlich wäre der Fonds für schwierige Zeiten an den Finanzmärkten gedacht, wie wir sie momentan gerade erleben. Der Swisscanto (LU) Bond Invest Global Absolute Return H CHF hat sich die «Erwirtschaftung einer regelmässig absolut positiven Rendite in jeglicher Marktsituation bei gleichzeitiger Risikodiversifikation» zum Ziel gesetzt, wie es im Anlageprospekt heisst.

Der Fonds investiert weltweit diversifiziert in Anleihen von Ländern und Unternehmen. Dabei werden allerdings nicht nur erstklassige Staatsanleihen mit bester Bonität genutzt, sondern auch Papiere von Schuldnern sehr unterschiedlicher Bonitätsstufen. Das erhöht zwar die Risiken, macht es aber möglich, dass man überhaupt eine anständige Rendite erzielt. Denn mit sehr sicheren Staatsanleihen wie etwa der Eidgenossenschaft verdient man kein Geld. Mit den Schweizer Bundesobligationen verliert man derzeit sogar Geld, da die Rendite negativ ist.

Auch bei den Laufzeiten und Währungen ist der Fonds breit diversifiziert. Die Fremdwährungsrisiken werden zum Teil abgesichert.

Das wären eigentlich alles positive Voraussetzungen für einen Anlageerfolg. Zu Recht fragen sich viele Anleger, warum solche Finanzvehikel, wie Ihr Fonds, trotzdem eine Negativperformance aufweisen.

Im Anlagejahr 2018 erlebten wir eine seltene Konstellation, dass praktisch alle Anlageklassen eine negative Entwicklung aufwiesen. Die Diversifikation nach Anlageklassen hat sich ausnahmsweise nicht wirklich ausbezahlt. Selbst die vergleichsweise konservativen Obligationen sind durch recht heftige Kursschwankungen aufgefallen. Das hat in erster Linie mit den steigenden Zinsen in den USA zu tun. Wenn die Zinsen ändern, wirkt sich das auf die Kurse der Anleihen aus.

Zusätzlich hat die Schuldenkrise in Italien die Anleihen belastet. Auch die übrigen Unsicherheitsfaktoren wie der Brexit oder der Handelsstreit zwischen den USA und China haben das Klima an den Finanzmärkten gedrückt.

Bei Ihrem Fonds hat sich die breite internationale Diversifikation sogar negativ ausgewirkt. Der Fonds legt das Geld zwar zu 25 Prozent in Westeuropa und zu 20 Prozent in den USA und Kanada an. 19 Prozent aber entfallen auf Lateinamerika, 13,5 Prozent auf Asien und der Rest auf weitere Weltregionen. Gerade in den Emerging Markets in Lateinamerika und Asien kam es ebenfalls zu starken Turbulenzen, was sich zusätzlich negativ auf Ihren Fonds ausgewirkt hat.

Eine rasche Beruhigung erwarte ich in den nächsten Monaten offen gesagt weder an den Finanzmärkten noch bei Ihrem Fonds, zumal der Brexit für weitere Unruhe sorgen wird. Für mich stellt sich die Frage Ihres Anlagehorizontes und Ihrer Risikofähigkeit: Wenn Letztere gegeben ist und Sie das in den Fonds investierte Geld in den nächsten zwei Jahren sicher nicht brauchen, würde ich den Fonds wohl eher behalten und auf eine Erholung hoffen.

Anders als bei den Aktien rechne ich 2019 bei den Anleihen eher mit einer Beruhigung der Lage. Dies würde Ihrem Fonds zumindest zu einer teilweisen Erholung verhelfen. Eine Garantie dafür haben Sie allerdings nicht.