Wie Sie auf ausbleibende Katastrophen wetten

Katastrophen-Anleihen sind etwas für Spieler: Als Anleger wettet man darauf, dass Katastrophen, die an die Anleihe gekoppelt sind, im festgelegten Zeitraum nicht eintreffen. Foto: iStock

Jemand hat mir gesagt, dass Cat-Bonds die ideale Ergänzung zu einem Aktien-Portfolio sind. Mir sind aber die Hintergründe der Cat-Bonds zu wenig vertraut, um den Nutzen dieser Diversifikationsstrategie abzuschätzen. Nun wüsste ich erstens gerne, was Sie davon halten, zweitens: Wie komme ich zu Cat-Bonds, und drittens: Wie unterscheide ich die Spreu vom Weizen? U.W.

Cat-Bonds stehen für Katastrophen-Anleihen, die meist von grossen Rückversicherungsunternehmen herausgegeben werden. Zum Geschäft von Rückversicherern gehört es, Erstversicherungen und die Risiken von verschiedenen Naturkatastrophen wie Wirbelstürme oder Erdbeben zu versichern. Dabei tragen die Rückversicherer wie die Swiss Re, Munich Re oder die Hannover Rück diese Risiken entweder selbst oder geben diese an die Finanzmärkte weiter.

Eine Form dafür bieten die Katastrophen-Anleihen. Als Anleger wettet man darauf, dass eine oder mehrere Katastrophen, die an die Anleihe gekoppelt sind, im festgelegten Zeitraum nicht eintreffen. Dafür erhält man eine überdurchschnittlich hohe Rendite, die selbst im momentanen Tiefzinsumfeld durchaus fünf bis sechs Prozent ausmachen kann.

Der grosse Pluspunkt von diesen Cat-Bonds ist neben der ansprechenden Rendite die geringe Korrelation zu den Aktienmärkten und den meisten übrigen Anlageklassen. Auch wenn es an den Aktienbörsen zu einem Crash kommt, hat dies auf Katastrophen-Anleihen keinen direkten Einfluss. Auch gegenüber den Zinsschwankungen und Zinsänderungen an den Kapitalmärkten oder konjunkturellen Einflüssen sind Cat-Bonds immun. Aus diesem Blickwinkel sind Katastrophen-Anleihen ein gutes Instrument, um ein Portfolio zu diversifizieren.

Leider hat die Sache einen Haken: Die Risiken, die Sie mit Cat-Bonds eingehen, sind sehr hoch. Je nach Ausgestaltung der einzelnen Anleihe müssen Sie damit rechnen, dass Sie Ihr investiertes Geld zum grossen Teil oder sogar ganz verlieren. Denn Sie spekulieren darauf, dass eine bestimmte Katastrophe nicht passiert. Wenn diese aber während der Laufzeit der Anleihe doch eintrifft, wird das Geld für die Schadendeckung benötigt und Sie fahren einen Verlust ein.

Als Inhaber einer Katastrophen-Anleihe wird man faktisch zu einem Versicherer von Katastrophen-Risiken, denn man übernimmt vom Rückversicherer einen Teil seiner Risiken und wird damit gut entschädigt.

In eine einzelne Katastrophen-Anleihe zu investieren, halte ich nicht für sinnvoll, da man damit ein enormes Klumpenrisiko eingeht. Wenn man die erhältlichen Cat-Bonds analysiert, stellt man rasch fest, dass man sogar ein doppeltes Klumpenrisiko trägt: Einerseits mit dem einzelnen Produkt, das man wählt, und anderseits durch die Tatsache, dass viele dieser Cat-Bonds an das Risiko von Wirbelstürmen in den USA gekoppelt sind. Als Einzelinvestment sind Cat-Bonds hochspekulativ und für Privatanleger nicht geeignet, obwohl sie als Anlageklasse eine positive Diversifikation für ein Portfolio bringen.

Immerhin gibt es aber Anlagefonds, die international in eine Vielzahl von unterschiedlichen Cat-Bonds investieren. Entsprechende Anlagefonds in Schweizer Franken, US-Dollar oder Euro führen beispielsweise die Credit Suisse und die LGT. Mit diesen Vehikeln haben Sie die Möglichkeit, bei Cat-Bonds die Spreu vom Weizen zu trennen.

Doch selbst wenn Sie Anteile an solchen Fonds erwerben, rate ich Ihnen, nur einen kleinen Teil Ihres Geldes in diese Instrumente zu investieren und diese lediglich als Abrundung eines breit diversifizierten Depots zu nutzen.

Statt in Katastrophen-Fonds zu investieren, können Sie meines Erachtens auch direkt Aktien des Rückversicherers Swiss Re kaufen. Diese bieten Ihnen eine hohe Dividendenrendite von fünf Prozent und ein breites Portfolio an unterschiedlichen Risikoversicherungen, zu dem auch Katastrophengefahren gehören.

Anders als Cat-Bonds sind die Aktien einer Swiss Re aber an die Entwicklung der Finanzmärkte gekoppelt, womit der gewünschte Absicherungseffekt für das übrige Portfolio wegfällt.

5 Kommentare zu «Wie Sie auf ausbleibende Katastrophen wetten»

  • Auer Michael sagt:

    Lieber Herr Spieler

    Es gibt einen weiteren Haken, den Sie entweder nicht wissen oder bewusst ausblenden. Die Anleger in diese Katastrophen-Fonds sind stark interessiert, dass eine bestimmte Katastrophe nicht eintrifft. Grundsätzlich ja ein schöner Gedanke. Doch dieser Gedanke ist nur aus Selbstinteresse, um eine möglichst hohe Rendite zu ziehen und einen monetären Verlust zu vermeiden (Psychologie des Vermeidens). Somit sind sie auch empfänglich für die künstliche Wetterbeeinflussung. In beeinflussten Gebieten mag die Beeinflussung zwar einen positiven Einfluss zeigen – doch dafür entladen sich die natürliche Energien an anderen, nicht beeinflussten Orten um so heftiger. Vielfach trifft dies auf Regionen zu, in welchen Menschen eh schon nicht viel haben.

  • Michael Auer sagt:

    Fortsetzung von meinem ersten Kommentar:
    Die Reichen sichern sich somit gutes Wetter, verdienen dabei und haben noch das Gefühl etwas gutes zu tun (ich helfe ja mit, Katastrophen zu vermeiden)….

    Bewusst wird es Ihnen erst, wenn sie selber oder Familienmitglieder durch eine Katastrophe betroffen sind – vielleicht weil eine Wetterbeeinflussung misslang….
    Der Mensch ist leider das einzige Lebewesen, dass auf dem besten Weg ist, sich selber zu vernichten.

    In diesem Sinne, Gratulation Herr Spieler zu diesem Beitrag. Ich denke, Sie werden sicherlich der erste sein, der in Katastrophen-Gebieten reist, um den betroffenen Menschen zu helfen.

    beste Grüsse
    M. Auer

  • Rolf Rothacher sagt:

    Also ehrlich: Wenn Rückversicherer ihr Risiko über CAT-Bonds an Anleger weitergeben, dann tun sie das aus gutem Grund. Denn sie bezahlen den hohen Zins doch nur, weil sie davon ausgehen, dass sie mehr als die 5 oder 6 Prozent an Schadensereignissen bezahlen müssen.
    Wer CAT-Bonds kauft, ist ein Idiot, denn „die Spielbank“ stellt selber keine Regeln auf, bei der sie Geld der Wahrscheinlichkeit nach verliert. Und da hilft dann auch kein Fonds voller CAT-Bonds.

    • Leo Schmidli sagt:

      Ihre Aussage zu den „Idioten“ ist mindestens gewagt. Thema Glashaus.
      Haben Sie einmal etwas ersteigert bei Ebay, Ricardo oder sonstwo? Googlen Sie einmal „Winner’s Curse“. Wer ist jetzt der Idiot?
      Ihre „Argumentation“ müssten Sie konsequenterweise auf JEDE Anleihe anwenden. Und ja, wenn mir ein Unternehmen 3% Zins verspricht, dann kann das Unternehmen wahrscheinlich (hoffentlich) mehr als 3% auf dem eingenommenen Fremdkapital erwirtschaften. Ein Nachteil für mich? Oder vielleicht auch doch eine Win-Win-Situation. Ist schon toll, was Märkte alles ermöglichen…

  • Hans-Günter Titze sagt:

    Ich weiss nicht, woher das „Wissen“ der Beiden Kommentatoren vor mir stammt, aber sicherlich nicht aus der Praxis. CAT Bonds sind keine Spielbank, sondern nichts Anderes als gebündelte und verbriefte Versprechen der Rückversicherer an seine Versicherungsnehmer. Da dies nicht ein oder zwei Schadensereignisse sind, sondern Hundert und die verteilt auf die gesamte Erde, ist die Wahrscheinlichkeit äusserst gering, hier massive Verluste einzufahren. Eher ist dadurch das Gegenteil der Fall. Daher ist ein einzelner Bonds äusserst komplex und für einen Laien praktisch nicht zu durchschauen, als Fonds ist er aber nicht mehr und nicht weniger transparent als andere Vehikel.

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