Wie komme ich zu integren Börsennews?

Zuverlässige Informationen sind ein Muss: In welcher Tiefe Sie diese beschaffen können, hängt einerseits von Ihrem Vorwissen und Interesse ab, anderseits von Ihrer Zeit. Foto: iStock

Ich habe beschlossen, mein Vermögen künftig selbst anzulegen, und habe nach meiner Frühpensionierung auch genügend Zeit dafür. Was sind aus Ihrer Sicht gute Informationsquellen, um mir eine Meinung zu bilden? M.M.

Wenn Sie selbst in Einzeltitel von Unternehmen investieren, ist es eine Grundvoraussetzung, dass Sie die Firmen genau auf dem Radar haben und sich abzeichnende Veränderungen möglichst frühzeitig in Ihre Anlageentscheide einbeziehen können. Dazu zählt, nicht nur die laufenden Nachrichten über das Unternehmen zu verfolgen, sondern auch die veröffentlichten Firmen- und Branchenzahlen zu analysieren und Meinungen von Banken und anderen Marktteilnehmern zu lesen.

In welcher Tiefe Sie dies alles tun können, hängt von Ihrem Vorwissen und Interesse sowie von Ihrer verfügbaren Zeit ab. Letztere ist bei Ihnen aufgrund Ihrer Frühpensionierung gegeben.

Dennoch müssen Sie sich auf bestimmte Unternehmen fokussieren – sinnvollerweise auf jene Unternehmen aus der Schweiz oder dem nahen Ausland, in welche Sie investieren. Andere Märkte würde ich über Fonds oder kostengünstige Indexprodukte abdecken, da Sie schlicht nicht in der Lage sind, zu viele Unternehmen und Märkte auch nur annähernd seriös zu verfolgen, und ansonsten auch meist die Diversifikation zu wenig breit ist.

Bei Schweizer Börsenfirmen hingegen kommen Sie auch als Privatanleger einfach zu verlässlichen Informationen. Empfehlenswerte Informationsquellen sind die Wirtschaftsseiten der grossen Tageszeitungen wie «Tages-Anzeiger» oder NZZ und deren Sonntagszeitungen – sowohl gedruckt als auch digital – sowie die Wirtschaftsmedien wie «Finanz und Wirtschaft» und «Handelszeitung».

Eine gute Abrundung und Impulsgeber sind auch spezialisierte TV-Sendungen über das Börsen- und Finanzgeschehen, wie ich sie auch selbst auf mehreren Sendern wie TeleZüri, Tele M1, Tele Ostschweiz oder Tele 1 seit Jahren moderiere.

Ein taugliches Hilfsmittel, um Informationen und Meinungen zu gewichten, bietet aus meiner Sicht auch die neue App der «Finanz und Wirtschaft». Unter der Bezeichnung «FUW jetzt» hat die Wirtschaftszeitung eine App entwickelt, die den Usern einen Überblick über das tägliche Finanzgeschehen ermöglicht, aber auch Gewichtungen vornimmt und Meinungen und Analysen liefert.

Elemente der App sind unter anderem ein Morgenreport mit Vorbörsennews und Wissenswertem zum bevorstehenden Börsentag, Berichte, Eilmeldungen, Analysen, Meinungen, Charts und Videos über den Tag verteilt und eine Zusammenfassung des Tagesgeschehens am Abend.

Über die eigentlichen Informationen hinaus halte ich vor allem die Analysen und Meinungen für wertvoll. Solche können Sie sich auch über weitere Quellen beschaffen – sei es über einen Geldblog wie diesen, hinter dem eine verlässliche Institution steht, oder auch die zahlreichen Researchberichte und Analysen der Banken über Märkte und Unternehmen sowie die Seiten der Investor-Relations-Abteilungen der Börsenfirmen selbst. Zusätzlich zu den Firmennews sind auch wichtige Termine, Dividendeninformationen und andere Angaben enthalten.

Die Problematik im Internet sehe ich allerdings nicht nur darin, dass Sie eine eigentliche Flut von Informationen bekommen, die Sie selbst gar nicht bewältigen können, sondern auch, dass längst nicht alle Informationsquellen verlässlich sind. Ich stelle immer wieder fest, dass Leute mittels wilden und nicht selten absurden Börsengerüchten versuchen, Geld zu machen.

Darum würde ich immer auch genau darauf achten, wer der Absender der Information ist oder wer hinter einem Blog oder einer Website tatsächlich steht. Wenn darüber Unklarheit besteht oder der Absender nicht verlässlich ist, rate ich zur Vorsicht.

6 Kommentare zu «Wie komme ich zu integren Börsennews?»

  • Rolf Rothacher sagt:

    Keine sinnvollen Empfehlungen. Wer sein Geld selber anlegen will, der MUSS Bilanzen lesen können, MUSS Jahresberichte verstehen lernen! Denn das, was Zeitungen und andere Medien berichten, ist in der Regel einfach das, was die Konzernchefs erzählen, was die Firmen in Medien-Mappen aufbereiten. Wer regelmässig den „Praktikus“ in der Finanz und Wirtschaft liest, der kann Lieder darüber singen, was für Stuss, Halbwahrheiten und Lügen die CEOs dieser Welt den Anlegern erzählen (und was Medien für sie portieren).
    Nur solide Bilanzen, geringe Schulden, niedriger Goodwill, hoher CashFlow bewahren einen Privatanleger vor bösen Verlusten. Und wer ein Produkt nicht versteht, sollte es nie kaufen. Wer dagegen den Versprechungen in den Medien vertraut, baut immer wieder auf Sand.

    • Christoph Bögli sagt:

      Das ist zwar schön, aber erstens illusorisch, da selbst professionelle Analysten das gerade bei grösseren Unternehmen kaum vollständig überblicken können, und zweitens wie eine Autofahrt, bei der man nur in den Rückspiegel blickt. Was eben auch schnell mal in einem Crash endet. Denn bei einer Anlage geht es letztlich immer um die Zukunft, was sich auch in den Kursen widerspiegelt. Ginge es nur um Bilanzen dann könnte sich jeder Experte ein perfektes Wissen aneignen und es gäbe wesentlich weniger Preisvolatilität.
      Dass ein Unternehmen im Jetzt gut aufgestellt ist, kann (!) ein guter Indiktator sein, ist aber kein hinreichender für ein Investment. Wenn ein Unternehmen nur auf Cash-Reserven sitzt, gibt das zwar schöne Bilanzen, aber längerfristig schnell mal ein Desaster..

  • Martin Leu sagt:

    Das Auf- und Ab der Börsen verläuft grossenteils irrational, beeinflusst von der Gier und Angst der Anleger und manipuliert von Grossinvestoren. Kurse machen die News, nicht umgekehrt. Im Nachhinein wird für alle Börsenbewegungen, egal ob bullish oder bearisch, eine wunderbare Begründung konstruiert. Bilanzen werden zurechtgebogen und können die Zukunft nicht vorhersagen. Analystenmeinungen sind auf dem Niveau von Kaffeesatzlesen und können allenfalls als Kontraindikator verwendet werden i.S. von „die Mehrheit liegt immer falsch“.
    Längerfristig werden die besten Resultate mit einer regelbasierten Anlagestrategie erreicht, die emotionale Entscheide ausschliesst. Eine solche kann entweder selbst entwickelt und backgetestet oder nachgebildet werden (z.B. mit Captimizer oder Traderfox).

  • Alain Surlemur sagt:

    Die UNzuverläsigste Quelle sind Banken, Anlageberater und Analysten. Deren Ziel ist es nicht dass der Anleger Geld verdient sondern die Bank…
    Da wird schonmal ein IPO-Kandidat über allen Klee gelobt auch wenn jedermann klar sein sollte das die Firma S….e ist, schliesslich ist BigBank ja im Emissionskonsortium…

  • Benjamin Zibble sagt:

    ..das war einst am Ring, dort wo sich die Händler trafen und sehen und höhren konntrn, irgendwie einfacher.
    Da war es nicht nötig alleine zu Hause quasi losgelöst vom unmittelbaren Geschehen Entscheidungen über Kauf und Verkauf zu treffen. Die Stimmung, das Gefühl für den Markt konnte man in diesem Umfeld ziemlich präzise erfassen und mitmachen mit der Herde… und je näher man halt an Insidern dran ist, desto genauer die Informationen, den die wissen ja in der Regel gut wie es um ein Unternehmen aussieht.
    Dies ist zwar nicht legal, aber eben doch der erste Schritt für alles was an Gerüchten und Infos nach draussen gelangt.

  • Hansli sagt:

    Unternehmernews sind sicher wichtig für die langfristige Sicherheit bezüglich Dividenden. Kursrelevanter ist jedoch nur ob Geld in die Märket gepumpt wird. Dazu kommt die gerade aktuelle psychologische Lage, heisst ob gerade Kaufrausch oder Panik regiert. Wenn alle ihre ETF verkaufen, dann trifft es alle Titel.

Kommentar

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