So werden Sie im Alter zum Lebenskünstler

Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum: Wer sich im Alter bewusst einschränken kann, dem stehen nach der (Früh-)Pensionierung die Türen zur Welt offen. Foto: Getty Images

Es geht auch anders mit der Altersvorsorge: Man kann sich einschränken. Als Kader in einer grossen Firma verdiente ich 150’000 Franken. Dann habe ich mit 56 von der Arbeit Abschied genommen und bin mit meiner Frau während sieben Jahren um die halbe Welt gesegelt. Ohne Einkommen. Habe mir die Pensionskasse auszahlen lassen und vom Kapital gezehrt. Heute, mit über 65, haben wir zusätzlich die fast volle AHV. Das reicht. Wir haben tolle Enkel, viel Lebensfreude und die halbe Welt gesehen: Was wollen wir mehr? H.S.

Ich musste über Ihre Geschichte schmunzeln. Ja, klar, das ist auch ein Weg, den man in Hinblick auf sein Alter gehen kann. Und ganz sicher nicht der schlechteste. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies für Sie gut gepasst hat und dass Sie mit Ihrer Frau auf der mehrjährigen Segeltour viel erlebt haben. Davon kann man noch lange zehren.

Heute und schon damals auf der Reise hatten Sie sich laut Ihrer Schilderung materiell stark eingeschränkt. Wenn jemand wirklich die Disziplin hat, eher einfach zu leben, funktioniert das durchaus. Ich gebe Ihnen recht, dass man zum Glücklichsein gar nicht so viel Geld braucht. Wenn man sich genau überlegt, was man wirklich braucht, werden die Bedürfnisse in der Regel schon wesentlich geringer.

Die Schwierigkeit besteht wohl eher darin, dass die meisten Menschen Mühe haben, sich freiwillig einzuschränken und bewusst mit einem kleinen Budget zu leben. Es ist etwas anderes, wenn Sie sich freiwillig entscheiden, einen deutlich einfacheren Lebensstil im Alter zu wählen und dafür, so wie Sie, mehr Freiheit zu geniessen und sogar früher mit der Arbeit aufzuhören, als wenn jemand unfreiwillig den Gürtel enger schnallen muss oder sogar mit nur wenig leben muss.

Wenn die Wahl des einfacheren Lebensstils ein eigener Entscheid ist, empfindet man diesen nicht als negativ. Wenn indes jemand mit 56 arbeitslos wird und dann nur eine minimale Altersvorsorge hat, kann eine solche Situation für den Betroffenen sehr belastend sein. Auf jeden Fall finde ich die Schilderung Ihres Weges einen interessanten Impuls für die Debatte über die Altersvorsorge. Denn es gibt durchaus verschiedene Wege. Man kann sich freiwillig dazu entscheiden, den Lebensstandard zurückzufahren oder aber, wenn man dies nicht will, sollte man frühzeitig über die Pensionskasse und die AHV hinaus freiwillig fürs Alter sparen.

Problematisch sind allerdings jene, welche sich die Pensionskasse auszahlen lassen, das Leben geniessen, alles Geld aufbrauchen und sich dann vom Sozialamt aushalten lassen. Dies ist bei Ihnen nicht der Fall, da Sie, wie Sie mir schreiben, einen Teil des PK-Geldes in ein kleines Häuschen investiert haben und ihren Lebensstandard bewusst gesenkt haben. Ihr Weg ist durchaus eine Alternative, eignet sich aber kaum für eine Mehrheit der Leute, da man sich bei Ihrer Variante bewusst von einigen materiellen Dingen lösen muss, was den meisten in der Regel schwerfällt.

Verzicht macht nur Freude, wenn er freiwillig erfolgt. Unabhängig davon, ob man Ihre Variante wählt und seinen Lebensstandard im Alter bewusst senkt oder ob man genügend vorsorgen will, damit man auch nach der Pensionierung seinen Lebensstandard nicht zu stark einschränken muss, ist es wichtig, dass man sich frühzeitig mit seiner Altersvorsorge auseinandersetzt und sich Gedanken macht, wie man nach der Pensionierung leben will und finanziell die entsprechenden Weichen stellt.

Wer sich indes zu spät mit der Altersvorsorge beschäftigt, hat in der Regel deutlich weniger Handlungsspielraum und oft nicht mehr die Freiheit, wirklich selber entscheiden zu können.

34 Kommentare zu «So werden Sie im Alter zum Lebenskünstler»

  • Josef Marti sagt:

    Das ist ja wohl ein Witz. Auch ordentlich pensionierte werden künftig infolge massiv sinkender Renten ihren Lebensstandard nicht annähernd halten können, dies wird höchsten 10% der Bevölkerung gelingen. Auf die jetzige golden Generation von Luxusrentnern folgt eine riesige Altersarmut.

    • ¨graf beat sagt:

      Ja, Herr Marti, stimmt. Ich habe mich knapp ein Jahr früher pensionieren lassen. Mein Bruttoeinkommen sinkt somit von rund 120000.– auf Fr. 72000. (AHV und PK).

      • M. Vetterli sagt:

        Gratuliere Hr. Graf,
        Obwohl sie sich ein Jahr früher pensionieren liessen, erhalten Sie heute 60% des letzten Bruttosalärs. Wobei die Rentenleistungen Nettozahlungen entsprechen. Somit entsprechen diese Leistungen mind. 70% des letzten Nettolohns. Wahrscheinlich haben/hatten Sie noch Säule 3a Gelder auf der hohen Kante.
        Der verfassungsmässige Auftrag ist bei Ihnen somit wohl übertroffen worden. Dies bei vorzeitigem Renteneintritt mit Alter 64.

        “Die berufliche Vorsorge ermöglicht zusammen mit der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise”

        Hr. Marti hat übrigens die Rentner der Zukunft angesprochen, welche unter die Räder kommen könnten. Sie gehören nach seiner Darstellung wohl zu den Luxusrentnern.

    • Paula Rizutto sagt:

      Jammern auf hohem Niveau, bereits heute geniesst die Mehrheit den äusserst grosszügigen Sozialstaat, sei dies in Form von Prämenverbilligungen der Krankenkasse, Ergänzungsleistungen etc.
      100% schuften bis 65 oder länger lohnt sich definitiv nicht mehr, auch ich werde nur noch Teilzeit einer Beschäftigung nachgehen.

  • Timo sagt:

    Einfach zu leben hilft gleich doppelt. Man benötigt weniger Geld um den Unterhalt zu finanzieren und kann mehr Geld auf die Seite legen.

    • F. Peter sagt:

      Ja lieber Timo; das schreibt sich so leicht.
      Nicht alle Menschen – auch hier in der reichen Schweiz – haben/hatten das Glück etwas auf die Seite legen zu können. Es gibt unzählige Familien/Alleinstehende, da ist Ende Geld noch einiges an Monat übrig.
      Da muss man gezwungenermassen zum Lebenskünstler – was auch immer das heissen mag – werden.

    • F. Peter sagt:

      Hinzu kommen noch die unumgänglichen
      Auslagen für Krankenkassen/Miete und Steuern, die im seltenen Fällen sinken – obwohl die Löhne längst nicht im gleichen Umfang steigen, Sparkapital nicht mehr verzinst wird – also ?

    • V. Gerzner sagt:

      Ja, wie recht Sie haben. Dazu kommt, dass man in diesem Beispiel von total gesunden Leuten aus geht. Die, so wie es scheint, damit rechnen, bis ans Lebensende gesund zu bleiben. Doch das kann sich sehr schnell ändern – und in die Kosten gehen! Dann sieht die Lage plötzlich anders aus…

  • Bruce sagt:

    So einfach aufhören zu arbeiten geht nicht: AHV muss weiterhin bezahlt werden, und zwar auf allfällige Einkommen und auch aufs Vermögen.
    Dies kann bei Liegenschaftenbesitz schnell mal ins Geld gehen.

  • F. Peter sagt:

    So werden Sie im Alter zum Lebenskünstler
    nicht nur durch eine freiwillig ausgewählte Frühpensionierung wird man/frau gezwungenermassen zum Lebenskünstler.
    Was meinen was all die Menschen tun, die ihre Stelle verloren haben/keine mehr gefunden und am Ende ausgesteuert werden, tun? Die müssen, gezwungenermassen, zum (ÜBER)-Lebenskünstler werden – oder sie verlieren den letzten Lebensmut!

  • Peter Gamma sagt:

    Die Beiträge von Hr. Spieler sind unnötiges „Bla-Bla“. Wer verdient schon 150’000.-? Dann hat vielleicht seine Ehefrau auch noch annähernd soviel „verdient“? — Dann wird noch „ein Teil der PK in ein kleines Häuschen investiert“?? Momoll, da muss Kohle vorhanden sein!

    • Kellenberger Paul sagt:

      @Peter Gamma. Ihr Kommentar ist „Bla-Bla“….
      Ist gibt in der Schweiz durchaus eine beträchtliche Anzahl Leute mit Einkommen > 150‘000 Franken.

  • Wolfgang sagt:

    Wenn ich diesen Satz lese „seinen Lebensstandard im Alter bewusst senkt“ dann kann ich nur noch den Kopf schütteln. Bei diesem Beitrag geht es nur um das Geld aber nicht um den Lebensstandart. Statt eines Porsche`s fahre ich jetzt GA 1. Klasse, mein Haus hat nur noch 85 qm statt 250 qm Wohnfläche.. Von der Freizeit wollen wir erst gar nicht reden aber beim Konsumverhalten hat sich einiges geändert, statt besten Restaurants koche ich jetzt selber und für den Bruchteil bekomme ich ein erstklassisches Menue, was viele nicht bieten können.
    Wenn ich alles durchrechne, dann ist bei mir der Lebensstandart gewaltig gestiegen und mein Porsche vermisse ich auch nicht mehr.

  • Wenger sagt:

    Dieser Beticht kommt mir wieder wie eine theoretisch gestellte Frage von und für Herrn Spiler also sich selber vor. Ein echter Kunde in dieser finanziellen Lage ist ein ganz seltener Fall und ist auf die vagen Angaben von Herrn Spieler nicht angewiesen, der Kunde kann das selber lösen.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    fakt ist dass die lebenshaltungskosten in der schweiz für „normalverdiener“ horrend sind. ich persönlich lebe nun alles andere als auf grossem fuss. solange man einen job hat-, o.k. – aber was, wenn man unseren neo-liberalen… tendenzen hier zum opfer fällt und mit ü50 ausgesteuert wird? dann ist die ganze schöne planung fürs alter am a****. und dann wird man – ja – gezwungenermassen zum „lebenskünstler.“

  • Martin sagt:

    Offensichtlich verschwendet ein Grossteil der Bevölkerung einen grossen Teil ihres Einkommens für unnötigen Luxus, um Leute, die sie gar nicht mögen, mit Autos, Uhren, Schmuck, Kleidung, exotischen Reisen, Auswärtsessen etc. zu beeindrucken. Den Rest frisst dann noch eine schlechte Lebensplanung mit Scheidungen und Unterhaltszahlungen weg. Im Alter muss dann dieser Lebenstandard „gesenkt“ werden. Ich habe während meines ganzen Lebens durch Konsumeinschränkung mein halbes Einkommen angespart, u.A. auch durch den Verzicht auf zusätzlich die Umwelt belastende, klimaschädigende Kinder und kann so mit genügend Reserven problemlos im Alter genau wie bisher glücklich weiterleben und meinen Hoobies nachgehen, nötigenfalls auch ohne AHV.

    • F. Peter sagt:

      Oh Martin:
      Ich habe während meines ganzen Lebens durch Konsumeinschränkung mein halbes Einkommen angespart
      klimaschädigende Kinder? Habe ich richtig gelesen?
      wirklich ein beneidenswertes Leben das sie führen und ihre Einstellung, einfach nur top!
      Wenn ich das so lesen, ja dann bin ich einfach nur glücklich zu den erzwungenen (Über)Lebenskünstlern zu gehören

  • Franziska Wachter sagt:

    Frühpensioniert bei einem Jahreseinkommen von 150 000 CHF (das Einkommen der Ehefrau nicht mitgerechnet). Bei dem angesparten Geld 7 Jahre die Weltmeere zu besegeln , kein Problem trotz Einschränkungen? Marinebasen sind weltweit teuer, Reparaturen am Schiff auch. Nur möglich für „reiche“ Leute! Ein kleines Häuschen in der CH an Stelle einer Luxusvilla…
    Dieser Artikel ist für „Normalverdiender“ ein Witz und ein Schlag ins Gesicht für Menschen, die wegen Arbeitsverlust ausgesteuert werden. waf

    • Karl Knapp sagt:

      Lesen Sie den Schluss genau. Und vergessen Sie das Geld, das ist hier ganz offensichtlich gar nicht das Problem. Die beiden brauchen auch nicht Hr.Spieler, sondern einen sensibleren Therapeuten.

    • Christoph Bögli sagt:

      Bei dem Einkommen bildet man natürlich einige Rücklagen, dazu kommt das ausgezahlte Pensionskassenkapital, das summiert sich gesamthaft natürlich mindestens auf einen hohen sechsstelligen Betrag. Und damit kommt man auf einem einfachen Boot sicher gut etliche Jahre zurecht.
      Ausserdem dürfte es in der Schweiz wesentlich mehr Leute geben, die >150’000.- verdienen, als solche, die ausgesteuert werden. Das machts für letztere nicht besser, aber genau so wenig wird bei Ihrer Kritik klar, wieso man einen Geld-Blog (!) an dieser winzigen Minderheit ausrichten sollte. Der Schweizer „Normalverdiener“ ist mittlerweile durchaus näher am Fragesteller als am Sozialhilfefall..

    • Marlies Rogentin sagt:

      Genau! Ein Schlag ins Gesicht für „Normalverdiener“…was „NV“ immer auch heisst! eine Frage der Definition. Gibt’s überhaupt noch Normalverdiener? Ich denke nicht. Eher immer mehr CH Bürger am unteren Limit.
      mr

  • Max Huber sagt:

    Zusätzlich zur AHV gibt es sicherlich Ergänzungsleistungen und Krankenkassenverbilligungen und Steuern werden auch kaum bezahlt und dies alles dürfen wir Steuerzahler finanzieren.

    • Kimi Berisha sagt:

      Genau, darum arbeite ich auch nur noch 60% somit erhalte auch ich Krankenkassenverbilligungen wie Hunderttausende auch und Steuern bezahle ich auch praktisch keine, bin doch nicht blöd und schufte 100% bis 65 oder 70, falls es im Alter nicht reichen sollte gibt es noch Ergänzungsleistungen oben drauf.
      Als Pflegefall, Pflegegeld und Hilflosenentschädigung, was will ich mehr?

    • F. Peter sagt:

      . . . . . und dies alles dürfen wir Steuerzahler finanzieren
      es ist immer wieder erstaunlich wie offen sich gewisse Menschen selbst als liebenswerte Mitmenschen deklarieren

      • Lana Fischer sagt:

        @ F. Peter: Dann sind Sie sicherlich die grosse Ausnahme, welcher gerne das süsse nichts tun gewisser Mitmenschen mitfinanziert… oder Sie profitieren selbst davon?

    • I. Bissig sagt:

      Der übliche Sozialneid unwissender Versager. Ergänzungsleistungen und KK-Verbilligungen hängen auch vom Vermögen ab. Schon ein kleines Häuschen ist in der Schweiz so wertvoll, dass beides nicht in Frage kommt.

      • Carmen Haag sagt:

        @ Bissig: Blödsinn, wer neben seinem Wohneigentum kein Vermögen besitzt und mit seiner Rente das Existenzminimum nicht erreicht, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Ergänzungsleistungen.

      • Mustafa Raki sagt:

        I.Bissig: Versager finden viele Gründe für Ihre schlechte Situation. Einen vergessen sie immer: sich selbst.

      • Carmen Haag sagt:

        @ Bissig: Blödsinn: Wer neben seinem Wohneigentum kein Vermögen besitzt und mit seiner Rente das Existenzminimum nicht erreicht, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Ergänzungsleistungen.

      • Svetlana Pedrova sagt:

        @ I.Bissig: Apropos unwissender „Versager“,
        ein Eigenheim schliesst Ergänzungsleistungen zur AHV oder IV nicht aus.
        Die Ergänzungsleistungen beachten zwar ebenfalls das Vermögen, jedoch wird für ein selber bewohntes Haus ein Freibetrag von 112’500 Franken berücksichtigt, und für das übrige Vermögen beträgt die Freigrenze 37’500 Franken.

      • Pjotr Müller sagt:

        Bissig; Es stimmt bedenklich, daß sich ausgerechnet die Unberufensten dazu berufen fühlen, am lautesten zu rufen!

  • Eric sagt:

    Von materiellen Dingen lösen……nur noch ein kleines Haus behalten….. bei solch einer Aussage wird mir als Normalverdiener übel

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