Tesla-Zulieferer Bossard wird sich erholen

Wichtigster Kunde: In den Tesla-Fahrzeugen steckt Befestigungstechnologie von Bossard im Wert von gut 600 Franken. Foto: Getty Images

Die Aktien der Schraubenfirma Bossard sind in der Kursentwicklung negativ unterwegs, obwohl die Berichtsdaten als gut bewertet wurden. Wie sehen Sie die Entwicklung der Aktien von Bossard für die nahe Zukunft? H. F.

Ob die Kursentwicklung einer Aktie positiv oder negativ beurteilt wird, ist oft nur eine Frage der Perspektive: Im Fall von Bossard muss man mit Respekt feststellen, dass die Papiere in den letzten zwanzig Jahren von gut 20 Franken auf einen Höchststand von 252 Franken noch Anfang Jahr geklettert sind. Man hat seinen Einsatz somit verzehnfacht.

Seit dem Höchststand haben die Papiere aber deutlich nachgegeben und notieren seit dem Jahresanfang rund 30 Prozent im Minus, was zeigt, dass auch Börsenstars kräftig fallen können.

Zu schaffen machen Bossard einerseits der internationale Handelsstreit und die Zurückhaltung der Investoren gegenüber der Industrie und anderseits die Unsicherheiten rund um den Grosskunden Tesla. Bossard liefert dem US-Elektroautohersteller rund ein Viertel der Teile, die in einem neuen Tesla verbaut werden.

Laut Unternehmensangaben steckt in den Tesla-Fahrzeugen Befestigungstechnologie von Bossard im Wert von gut 600 Franken. Angesichts der Bedeutung des Kunden Tesla für Bossard erstaunt es nicht, dass die Bossard-Titel unter den Turbulenzen bei Tesla gelitten haben.

Einer der wichtigsten Kunden des Zuger Unternehmens neben Tesla ist der amerikanische Landwirtschafts- und Nutzfahrzeughersteller John Deere. Deshalb hat sich der internationale Handelsstreit zwischen den USA und China auch negativ auf die Bossard-Aktien ausgewirkt. Der US-Produzent von Landwirtschafts- und Nutzfahrzeugen John Deere hat durch den Handelsstreit und die Strafzölle Nachteile im Export und dürfte auch in den USA weniger verkaufen, wenn die US-Landwirte aufgrund von Zöllen auf Soja und Fleisch weniger einnehmen.

Während die Umsatzzahlen von Bossard für das dritte Quartal in Ordnung waren, hat die überraschende Senkung der Umsatzprognose für einige Verunsicherung gesorgt. Die Senkung kam überraschend und wurde an der Börse entsprechend negativ aufgenommen.

Zur Erinnerung: Der Hersteller von Schrauben und Befestigungssystemen hatte gerade erst im August für das laufende Jahr einen Umsatz von rund 880 Millionen Franken in Aussicht gestellt und seine Ziele erhöht. Nun wurde dieser Ausblick wieder gesenkt, und es wird nur noch ein Umsatz von 865 Millionen Franken erwartet.

Meines Erachtens hat sich Bossard da ungeschickt verhalten: Wenn ein Unternehmen noch im August die Umsatzprognose anhebt und dann im Oktober schon wieder senkt, wirkt dies für die Anleger irritierend und wenig vertrauensbildend.

Dennoch bleibe ich für Bossard grundsätzlich positiv, da ich den neusten Taucher doch etwas übertrieben finde, erwarte aber auch künftig starke Kursschwankungen. Vorausgesetzt, dass sich der aktuelle Ausblick dann wirklich erfüllt, sehe ich bei den Bossard-Aktien Erholungspotenzial.

Kurzfristig müssen Sie aufgrund des weiter ungelösten Handelsstreites zwischen den USA und China aber mit stärkeren Kurskapriolen rechnen, was Nerven braucht. Der Handelsstreit und der Grosskunde Tesla dürften immer wieder mal für Unsicherheiten sorgen.

Operativ ist Bossard aber gut unterwegs, was letztlich die Basis für die künftige Kursentwicklung bildet.

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