Welches ist die beste Pensionskassenlösung?

Wer clever vorsorgt, findet das goldene Ei: Eine teilautonome Pensionskasse ist punkto Risikoprämien günstiger und bietet langfristig attraktivere Renditechancen. Foto: iStock

Wir beschäftigen uns mit der Frage, von der Vollversicherung in eine teilautonome Stiftung zu wechseln. Der Grund ist, dass der prognostizierte Umwandlungssatz deutlich höher ist als in der Vollversicherung bei gleichzeitig deutlich geringeren Risikoprämien und Verwaltungskosten. Wie steht es um die Risiken? M.F.

Das grösste Risiko bei einer teilautonomen Lösung im Rahmen der beruflichen Vorsorge Ihrer Firma sehe ich im Anlagerisiko. Sie und die weiteren in der teilautonomen Stiftung versicherten Mitarbeitenden tragen das Anlagerisiko, das sich aus dem Investment der Versicherungsgelder ergibt. Bei der Vollversicherung hingegen ist das Anlagerisiko Sache der Versicherung. Das andere grosse Risiko – Todesfall und Invalidität – verbleibt wie bei der Vollversicherung auch bei einer teilautonomen Lösung bei Ihrer Versicherung.

Die Vollversicherung, wie Sie jetzt eine haben, bringt Ihnen kaum mehr eine vernünftige Rendite auf den versicherten Geldern. Denn die Versicherung ist einerseits mit der Anlage extrem vorsichtig, da sie ja das Anlagerisiko trägt, und lässt sich andererseits die Übernahme dieses Risikos zusätzlich abgelten. Das führt dazu, dass Sie und die übrigen in dieser Lösung versicherten Mitarbeitenden eine mickrige Rendite auf ihren Versicherungsgeldern in Kauf nehmen müssen. Über die vielen Jahre hinweg, während denen die Gelder aus der beruflichen Vorsorge liegen bleiben, wirkt sich das für die Beteiligten negativ aus: Sie haben deutlich weniger Geld angespart, und der Umwandlungssatz bei einer späteren Pensionierung ist tief.

Bei einer teilautonomen Lösung kann die Anlagestrategie durch die Firma als Vertragspartner mitbestimmt werden. Je höher etwa der Aktienanteil ist, desto grösser sind langfristig die Renditechancen. Allerdings kommt es beim Anlegen von Geld naturgemäss zu Kursschwankungen – erst recht, wenn man stärker in Aktien investiert. Ein Börsencrash kann dazu führen, dass man im Rahmen der teilautonomen Lösung plötzlich auf hohen Buchverlusten sitzt. Auf einen langen Anlagehorizont von 10, 20 oder 30 Jahren verlieren die starken Kursschwankungen allerdings einiges von ihrem Schrecken.

Zudem werden bei teilautonomen Lösungen meist Kapitalabsicherungen genutzt, sodass selbst ein Crash nicht voll auf das Kapital durchschlägt. Wenn man die Anlagerisiken zusätzlich begrenzen will, kann man ausserdem eine konservativere Anlagestrategie nutzen, hat dann aber auch weniger Renditechancen.

Auf jeden Fall muss das Altersguthaben im Rahmen des BVG-Obligatoriums mit dem gesetzlichen Mindestzins verzinst werden. Bei einem negativen Anlageerfolg kann im schlimmsten Fall eine Unterdeckung resultieren, und Sanierungsmassnahmen müssten eingeleitet werden. Diesen Aspekt sollten Sie bei der Festlegung der Anlagestrategie im Hinterkopf behalten.

Als Firma kann man sich für eine Vollversicherung entscheiden, wie sie Ihr Unternehmen derzeit unterhält – die allerdings von immer weniger Versicherungen mehr angeboten wird –, oder eine teilautonome Lösung wählen oder aber auch selbst eine Pensionskasse führen, was sich gerade für Kleinunternehmen allerdings nicht lohnt. Eine teilautonome Lösung ist punkto Risikoprämien günstiger und beinhaltet für die Versicherten meines Erachtens langfristig deutlich attraktivere Renditechancen, gleichzeitig aber auch höhere Risiken, weil das Anlagerisiko selbst getragen wird.

4 Kommentare zu «Welches ist die beste Pensionskassenlösung?»

  • Stephan Meier sagt:

    Unsere Vollversicherung wurde von der Axa gekündigt und im Gegenzug wurde uns die teilautonome Stiftung angeboten. Da wir für unsere Mitarbeiter mit eher tiefen Löhnen eine Vollversicherung bevorzugen, hat unser Versicherungsbroker diese am Markt ausgeschrieben. Und siehe da: Wir haben keine einzige Offerte für eine Vollversicherung erhalten. Begründung: Ab Durchschnittsalter 45 und höher, rechnet sich die Vollversicherung mit Wandlungssatz von 6,8% für die Versicherung nicht mehr.
    Liebe Politiker: Ihr könnt nicht eine PK-Pflicht vorschreiben, die nicht eingehalten werden kann. Entweder ihr führt eine Staats-PK ein, die vom Steuerzahler finanziert wird, oder Eure Vorgaben entsprechen dem Markt. Ansonsten tragen die Arbeitnehmer das von Euch aufgezwungene Risiko. Wie bei uns!

    • M. Vetterli sagt:

      Hr. Meier,
      Die Axa hat sich von der Vollversicherungslösung verabschiedet. Der Grund liegt in den offenbar zu tiefen Gewinnen in diesem Bereich im Verhältnis zum Kapitaleinsatz.
      Die Versicherungen tragen bei Vollversicherungen keine Risiken bezüglich hohem UWS. Dieses Risiko wird innerhalb des Versichertenkollektivs getragen. In ihrem Fall werden die überhöhten Risikoprämien zur Finanzierung des zu hohen UWS herbeigezogen. Bei den AN’s subventionieren die ueberobligatorisch Versicherten, bei aufgeteilten (gesplitteten) UWSätzen, durch tieferen Satz den zu hohen gesetzlichen UWS von 6,8%.

      Gehen sie das Risiko einer teilautonomen Lösung bei Axa ein. Sie profitieren von einem Startdeckungsgrad von 111%.
      In ihrem Fall werden die Risikoprämien allerdings vielleicht gar ansteigen.

  • Benjamin Zibble sagt:

    Ich bin immer wenn es um soziale Absicherung der Lebensumstände geht dafür das die Politik Systeme aufbauen soll so das auch der unbedarfteste Arbeiter später eine Existenzsichernde Rente erhält. Alle die hier arbeiten und das jeden Tag für 30-40-50 Jahre und mehr sind in ihrem Leben Spezialisten, tun das Beste und oft auch auch mehr… doch keiner sonst ausser ddr Finanzbranche kann derart unzuverlässig einer Glaskugel gleichkommend allen erzählen was den die besten Anlagestrategien für die Absicherung des Lebens sein könnten. So wird jeder hier ganz dem neoliberalen Zeitgeist entsprechend gezwungen sich mit der Tricks der Finanzbranche auseinander zu setzen und komnt doch nirgends hin…

  • M. Vetterli sagt:

    Bei einer teilautonomen Lösung trägt die PK (das Versichertenkollektiv) das Anlagerisiko.

    Ein Wechsel zu dieser risikoreicheren Lösung ist trotzdem anzuraten. Zu beachten ist auch, dass bis zu 10% der Erträge, welche für die Entschädigung, primär des Anlagerisikos, der Vollversicherung an den Versicherer viel, nun vollumfänglich der PK zu Gute kommt. Dieser Gewinn des Versicherers (Legal Quote) belief sich in den letzten Jahren, ausser 2008, auf über 7%.

    Bei einem Wechsel zur teilautonomen Lösung wird sich die Versicherung freuen. Diese “Freude” könnte sie mit einer Entschädigung honorieren. Bei Axa wurden den PK’s welche zum Wechsel innerhalb der Axa bereit waren mit einer Res. von 11% bedacht
    Eine “Prämie” in ähnliche Höhe sollte auch ihre PK von der Versicherung einfordern können

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