So werden Sie in der Vorsorge selber aktiv

Die Altersvorsorge in der eigenen Hand: Zusätzlich zur AHV und Pensionskasse kann man im Rahmen der 3. Säule freiwillig für die eigene Altersvorsorge sparen. Foto: iStock

Ich ärgere mich über die sinkenden Umwandlungssätze. Ich bin 53 und frage mich, was ich tun kann. Wenn das so weiter geht, habe ich im Alter zu wenig Geld und muss länger arbeiten, obwohl ich jetzt ganz anständig verdiene. Was soll ich tun? B.O.

Obwohl der gesetzliche Umwandlungssatz weiterhin bei 6,8 Prozent liegt, sind die Pensionskassenrenten schon heute rückläufig. Der Grund: Der gesetzliche Satz von 6,8 Prozent gilt nur für den obligatorischen Teil des in der zweiten Säule angesparten Vorsorgekapitals.

Die meisten Leute haben aber zusätzlich beträchtliche Gelder im überobligatorischen Teil. Hier sind die Kassen nicht gesetzlich gebunden und dürfen den Umwandlungssatz senken, was sie im grossen Stil gemacht haben. Unter dem Strich resultiert eine Mischrechnung mit der Konsequenz, dass die Renten tiefer ausfallen.

Was das konkret bedeutet, hat kürzlich Swisscanto im Rahmen der Pensionskassenumfrage aufgezeigt: Die Leistungen aus der AHV und der Pensionskasse bei einem Mitarbeiter mit einem Salär von 80’000 Franken sind in den letzten Jahren stark gesunken. 2013 lag das Leistungsziel bei 80, 2017 nur noch bei 71, wobei die AHV stabil blieb. Die Leistungen der Pensionskassen nehmen somit deutlich ab. Beim Fallbeispiel des Mitarbeiters mit 80’0000 Lohn macht dies monatlich rund 600 Franken aus, die er weniger Rente bekommt.

Ich gehe davon aus, dass bei Ihnen die Rechnung ähnlich aussieht. Da versteht man gut, dass Sie sich ärgern. Nur bringt das nichts. Sie sollten rasch handeln und zusätzlich zur AHV und Pensionskasse im Rahmen der 3. Säule freiwillig für die eigene Altersvorsorge sparen. Konkret rate ich Ihnen, jeweils anfangs Jahr den Maximalbetrag von 6768 Franken in die steuerbegünstigte Säule 3a einzuzahlen und das Geld gleich in Vorsorgefonds anzulegen.

Als heute 53-Jähriger können Sie so zusätzliche 81’216 Franken bis zur ordentlichen Pensionierung ansparen. Wenn Sie dieses Geld klug investieren und wenigstens eine jährliche Rendite von drei Prozent erreichen, was mittels Vorsorgefonds mit einem höheren Aktienanteil nicht unrealistisch ist, kommen so bis zur Pensionierung dank Zins und Zinseszins fast 110’000 Franken zusammen.

Dieses Geld ergäbe im Rentenalter während 20 Jahren einen monatlichen Zustupf zu Ihrer Rente von immerhin 458 Franken, was wenigstens einen Teil der gesunkenen Rente aus der Pensionskasse kompensiert.

Allerdings müssen Sie das 3.-Säule-Geld beim Bezug versteuern, aber nur zu einem reduzierten Satz und separat vom übrigen Einkommen. Dafür profitieren Sie schon heute von tieferen Steuern, weil Sie die Einzahlungen in die Säule 3a in der Steuererklärung in Abzug bringen dürfen. Diese Steuerersparnis könnten Sie zusätzlich auf die Seite legen.

Wichtig ist, dass Sie beim gewählten Vorsorgefonds einen Blick auf die Gebühren werfen, sonst wird Ihre Rendite durch hohe Gebühren aufgefressen. Punkto Gebühren attraktiv sind passiv verwaltete Fonds. Angesichts des langen Anlagehorizontes von immerhin zwölf Jahren würde ich einen erhöhten Aktienanteil wählen, was allerdings stärkere Kursschwankungen mit sich bringt.

Um die Steuer bei der Auszahlung abzufedern, können Sie zudem zwei bis drei verschiedene 3. Säule-Konten äufnen, welche Sie dann in unterschiedlichen Jahren beziehen und so in den meisten Kantonen weniger Steuern bezahlen.

5 Kommentare zu «So werden Sie in der Vorsorge selber aktiv»

  • Thomas sagt:

    Es ist grundsätzlich Falsch, in der zweiten und dritten Säule riesige Geldhaufen zu produzieren, die rentieren müssen und damit weltweite Schäden anrichten. Ausserdem wird der obligatorisch Versicherte unfreiwillig zum Schmarotzer von der Arbeit anderer und wird zudem selber ausgebeutet (z. B. Mietzinsen).
    Die Lösung sehe ich in der Stärkung des Umlageverfahrens (AHV), wobei eine deutliche leistungsabhängige Komponente für Besserverdiener eingebaut werden müsste.
    Wir sollten erkennen, dass das BVG eine Fehlkonstruktion ist, an der sich zudem zu viele Versicherungsgesellschaften und Vermögensverwalter bedienen.

  • Heinz Lerch sagt:

    Die Empfehlungen von Herrn Spieler sind absolut richtig. Ich habe Säule 3a Sparen über Jahre gepflegt und konnte so die PK-Ausfälle (und die sind happig, wenn ich so auf die früheren Rentenversprechungen blicke) einigermassen ausgleichen. Frühzeitig haben wir auch eine Immobilie gekauft, in der wir nun für kleines Geld leben. So weit so gut. Nun war ich in der glücklichen Lage, überdurchschnittlich zu verdienen. Und da wir keine Kinder haben, konnten wir uns diese Rücklagen alle leisten. Viele Personen aber sind finanziell gar nicht in der Lage, entsprechende Rücklagen zu machen.

    @ Thomas: Sie kommentieren am Thema vorbei. Das Problem des Fragestellers ist nicht, was man mit AHV und BVG zukünftig machen sollte, sondern wie er auf ein vernünftiges Renteneeinkommen kommen kann.

    • Thomas sagt:

      Herr Lerch
      Der Kern der Sache gehört zwingend zum Thema – ihre Haltung ist zwar schön und beschreibt näherungsweise auch meine Situation, ist aber oberflächlich und geht der Problematik zu wenig auf den Grund.

      • Heinz Lerch sagt:

        Sie haben schon recht, alles oberflächlich. Deshalb habe ich mich auf die Fragestellung konzentriert. Mit 800 Zeichen bleibt man an der Oberfläche oder schreibt am Thema vorbei. Der Kern ist zweifellos ein überholtes Finanzierungssystem sowohl bei der AHV als auch beim BVG. Lösungsansätze gibt es viele, entsprechend auch Meinungen. Können wir beide wohl nicht lösen.

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