Ohne Risiko gibt es nichts zu gewinnen

«No risk, no fun»: Anlagemöglichkeiten gibt es viele. Wer damit aber tatsächlich Geld verdienen will, muss gute Nerven haben und etwas riskieren. Foto: Getty Images

Wir sind beide Anfang siebzig, haben kürzlich unser Einfamilienhaus verkauft, und nun fragen wir uns, ob und wie wir das Kapital von circa 450’000 Franken für zwei Jahre mit geringem Risiko, mindestens mit Kapitalerhalt, anlegen sollen. Das bisherige Vermögen gliedert sich in zwei Eigentumswohnungen, Cash und Wertschriften. Was raten Sie uns? R.M.

Eine Patentlösung habe ich Ihnen nicht. Ich kann Ihnen lediglich ein paar Varianten aufzeigen. Da Sie das Kapital in zwei Jahren brauchen, ist Ihr Anlagehorizont nur kurz und Ihr Handlungsspielraum entsprechend gering.

Schöne Renditen versprechen würden eigentlich Dividendenperlen, doch entnehme ich Ihrem Schreiben, dass Sie in Ihrem Wertschriftendepot bereits einen hohen Anteil an Aktien mit guter Dividendenrendite halten. Zudem eignen sich diese aufgrund der starken Kursschwankungen nicht für einen kurzen Anlagehorizont von nur zwei Jahren. Ansonsten kann es passieren, dass Sie die Titel zu einem schlechten Zeitpunkt verkaufen müssten.

Eine Variante mit deutlich weniger Kursschwankungen bieten Anleihen. Doch diese werfen in Schweizer Franken fast keinen Zins ab. Nach Abzug aller Gebühren erreicht man mit sehr sicheren Frankenanleihen momentan oft nicht mal den Kapitalerhalt, sondern verliert sogar Geld. Einzelne Anleihen würde ich vor diesem Hintergrund für Ihren Zweck nicht nutzen.

Eine Möglichkeit, um dieses Dilemma zu lösen, sehe ich in Obligationenfonds, welche einerseits nicht nur auf sehr sichere Anleihen setzen, sondern auch auf Anleihen mit einem etwas schlechteren Rating, dafür aber mehr Zins zahlen können. Aufgrund der breiten Diversifikation sind die Risiken solcher Fonds dennoch nicht hoch.

Mehr Ertrag erreichen Sie auch mit Fonds, welche Fremdwährungsanleihen nutzen. Auch diese bringen es auf mehr Zins. Bei dieser Variante würde ich einen Fremdwährungsanleihenfonds wählen, welcher das Fremdwährungsrisiko zum Franken absichert. Damit können Sie die Risiken für sich im Griff behalten.

Eine weitere Alternative wären strukturierte Produkte, welche Ihnen für die Laufzeit zum Beispiel eines Jahres oder zwei einen erhöhten Zins bieten, allerdings an die Entwicklung von festgelegten Wertschriften gekoppelt sind. Bei dieser Variante haben Sie aber das Risiko, dass Sie die Wertschriften übernehmen müssen, falls eine im Produkt definierte Schwelle unterschritten wird.

Angesichts der starken Marktturbulenzen rate ich Ihnen von einer solchen Variante, welche derzeit von vielen Banken empfohlen wird, eher ab. Selbst wenn Sie die Obligationenfonds nutzen, gehen Sie ein Risiko ein. Im laufenden Jahr haben wir selbst bei vermeintlich sicheren Anleihen stärkere Kursausschläge gesehen. Auch bei Immobilienfonds oder Immobilienaktien mit attraktiven Erträgen müssen Sie Kursschwankungen in Kauf nehmen.

Wenn Sie gar keine Risiken eingehen möchten, können Sie einen Teil des Geldes auf dem Konto einer sicheren Bank liegen lassen, wobei ich nicht mehr als 100’000 Franken bei einer einzigen Bank als liquide Mittel halten würde, da sie sonst dem Konkursrisiko ausgesetzt sind.

4 Kommentare zu «Ohne Risiko gibt es nichts zu gewinnen»

  • M. Vetterli sagt:

    “…für zwei Jahre mit geringem Risiko, mindestens mit Kapitalerhalt,”

    Keine Geldeinlage bei Banken (eigentlich Kredit an Bank) von Beträgen über 100’000.- (nichtprivilegiert) ohne Verlustrisiko.
    Dies ist so… oder sollte so sein. Leider kennen wir in der Schweiz nach wie vor etliche Banken, bei welchen die Steuerpflichtigen sämtliche Einlagen der Kunden garantieren. Es sind dies sämtliche Kantonalbanken ausser diejenigen von BE,GE,VD. Bei allen anderen haftet die Allgemeinheit. Dies ist in hohem Masse wettbewerbsverzerrend und sollte, noch vor Druckausübung der EU, nun endlich abgeschafft werden.
    Heute kann ein Steuerpflichtiger aus BE seine Spargelder z.B. durch die zürcher Steuerpflichtigen absichern. Er selbst muss in seinem Wohnkanton keine derartigen Risiken eingehen.

  • Claude Fontana sagt:

    Wer für sein Geld Arbeitet, bekommt aber trotzdem welches, auch ohne Zinsen. Die Frage ist nur noch: welche Einlageform kostet am wenigsten. mein Tipp? in die Matratze damit, aber vorsicht, auf Münzen schläft man weniger gut als auf Papiergeld. (dieser Post enthält spuren von Sarkasmus)

  • greg sagt:

    Ist doch logisch!
    Wenn 90% d Geldes aus dem Nichts geschöpft wird & letztlich zu einem inneren „Wert 0“ strebt, wird der faule Mensch alles daran setzten, anderen etwas von ihrem „fiktiven Zahlenwerten“ etwas abzujagen od durch „leere Wetten“ weitere Forderungen für „Wachs(d)um(m)“ zu schaffen,
    damit die Finanzwirtschaft wacker daran verdienen kann.
    Die SNB, bzw. CH verdient? durch Knopfdruck an 800 000 000 000 Fr., die sie in „Aktien+“ angelegt hat.
    Das Schneballsystem muss ja gefüttert werden, ansonsten glauben die „looser“ nicht mehr.
    Die Verlierer sind die Natur & die real arbeitenden Menschen(= 99%). Die 1% glaubt in „Reservaten“ überleben zu können.
    Evtl müsste man die politische Immunität dieser Branche kippen, um ein Umlenken überhaupt möglich zu machen.

  • Anh Toàn sagt:

    „Bei dieser Variante [Fremdwährungsoblis] würde ich einen Fremdwährungsanleihenfonds wählen, welcher das Fremdwährungsrisiko zum Franken absichert. “

    Als man kann von den hohen Zinsen z,B, in der türkischen Lira profitieren, und das Währungsrisiko absichern und dann bleibt mehr Zins als in CHF? Das wäre dann ja Gewinn ohne Risiko?

    Die Währungsabsicherung kostet den Zinsvorteil. Oder eben den Zinsvorteil (Gewinn) gibt es nicht ohne das Risiko (Währung)

Kommentar

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