Hohe Gebühren auf Guthaben – was tun?

Gebühren als abschreckendes Mittel: Die Postfinance versucht ihre Kunden dazu zu bringen, weniger liquide Mittel auf dem Konto zu bunkern. Foto: Raisa Durandi

Die Postfinance verlangt neu Guthabengebühren. Haben Sie einen guten Rat, was man jetzt tun sollte? Wie deponiert man sein Geld jetzt am besten? M. Z.

Die Guthabengebühren bei der Postfinance sind nicht neu: Per 1. Oktober 2018 senkt die Post-Tochter aber die Schwelle für solche Gebühren von bisher einer Million auf neu 500’000 Franken. Die Gebühr gilt also längst nicht für alle Kunden, sondern nur für jene Privat- und Geschäftskunden, die beim gelben Riesen liquide Mittel im Umfang von mindestens einer halben Millionen Franken auf dem Konto parkiert haben. Die Guthabengebühr beträgt immerhin 1 Prozent des den Schwellenwert übersteigenden Kontoguthabens.

Die Post nutzt diese Gebühren faktisch als abschreckendes Mittel. Da sie selbst der Nationalbank Negativzinsen zahlen muss und die riesigen liquiden Mittel, die bei ihr lagern, anders als die Banken nicht für das Kreditgeschäft nutzen darf, versucht sie die Kunden dazu zu bringen, dass diese weniger liquide Mittel auf dem Konto bunkern und stattdessen mehr Geld in Wertschriften, etwa in Anlagefonds, investieren.

Damit ist bereits eine Alternative erwähnt, wie man einfach die Guthabengebühr verhindern kann: Indem Sie weniger als 500’000 Franken auf dem Konto lassen und einen Teil Ihres Geldes in Wertschriften anlegen, was ich sinnvoll finde, zahlen Sie nicht nur weniger Gebühren, sondern haben auch höhere Renditechancen. Je nach Art der Fonds, die Sie wählen, tragen Sie allerdings ein mehr oder weniger erhöhtes Anlagerisiko. Einige Leute, die viel Geld auf dem Postkonto halten, wollen dieses aber gerade nicht übernehmen.

Eine andere einfache Methode, um die Guthabengebühr zu vermeiden, bietet eine Diversifikation der Bankbeziehungen. Teilen Sie die hohen liquiden Mittel auf mehrere Banken auf. So werden die Beträge pro Institut geringer und Sie liegen mit Ihren liquiden Mitteln unter dem Schwellenwert. Nicht nur die Postfinance, auch die meisten Banken verlangen bei sehr hohen liquiden Mitteln auf dem Konto Gebühren, wobei die Schwellenwerte variieren.

Für eine Diversifikation der Bankbeziehungen spricht auch ein anderer Aspekt, den ich nicht unterschätzen würde: Sie sollten auch unabhängig von einer Guthabengebühr meines Erachtens möglichst nie mehr als 100’000 Franken an liquiden Mitteln auf einem Konto liegen lassen. Weder bei der Postfinance noch sonst bei einer Bank. Abgesehen davon, dass Sie Renditechancen verpassen, gehen Sie ein erhöhtes Risiko ein: Denn sollte die Bank Konkurs gehen, sind im Rahmen des gesetzlichen Einlagenschutzes nur maximal 100’000 Franken pro Kunde geschützt. Einzig Kantonalbanken mit Staatsgarantie bieten einen höheren Schutz für die Einlagen.

Keine überzeugende Alternative ist der Kauf von sehr sicheren Bundesobligationen. Die Rendite der Eidgenossen mit zehnjähriger Laufzeit liegt wieder rund 0,25 Prozent im Minus. Damit verlieren Sie also Geld und zahlen zusätzlich Depotgebühren.

Mit einem breit diversifizierten Depot und einer konservativen Anlagestrategie ist es aber dennoch möglich, dass Sie auch nach Abzug aller Gebühren eine positive Rendite erzielen, womit sie doppelt gewinnen: Erstens sparen Sie sich eine Guthabengebühr, und zweitens tun Sie etwas gegen die Geldentwertung, indem Sie mehr Rendite erreichen, als wenn die zugegebenermassen noch immer tiefe Teuerung am Geld nagt.