Schulden bleiben bei der Scheidung bestehen

Zerbrochenes Eheglück und der Streit ums Geld: Eine überhälftige Teilung der Vorsorge zur Abgeltung von Alimentenschulden ist nicht möglich. Foto: Getty Images

Mein Ex-Mann hat sein Freizügigkeitsvermögen aus der Pensionskasse bei der Axa. Er hatte mir trotz Anweisungen der Gerichte keine Kinder-Alimente bezahlt und schuldet mir viel Geld. Wie kann ich sicherstellen, dass mir mehr als der hälftige Anteil an seinem Freizügigkeitsvermögen zugestanden wird, da mir der Ex-Mann hohe Geldsummen schuldet? E.M.

Ein wichtiger Teil im Rahmen einer Scheidung betrifft den von Ihnen angesprochenen Vorsorgeausgleich. Dieser ist insbesondere für Frauen, welche nach der Geburt von Kindern nur noch teilweise erwerbstätig waren, von grosser Bedeutung.

Im Zuge der Scheidung werden die während einer Ehe angesparten Pensionskassenguthaben geteilt. Vorgängig wird für jeden Ehegatten die Austrittsleistung zum Zeitpunkt der Heirat und der Einreichung der Scheidungsklage festgelegt und zum Guthaben bei Heirat werden noch Zinsen addiert.

Die Differenz zwischen den beiden Austrittsleistungen macht dann das während der Ehe angesparte Vorsorgeguthaben jedes Ehegatten aus. Im Rahmen der Scheidung hat jeder Ehegatte Anspruch auf die Hälfte des während der Ehe gemeinsam angesparten Vorsorgeguthabens.

Da Ihnen Ihr Ex-Mann offenbar viel Geld schuldet, wünschen Sie, dass Ihnen mehr als der hälftige Anteil an seinem Freizügigkeitsvermögen zugestanden wird.

Laut Michaela Leuenberger, Mediensprecherin der Axa, ist dies allerdings schwer durchführbar: «Eine überhälftige Teilung der Vorsorge zur Abgeltung von Alimentenschulden ist nach unserer Auffassung im Rahmen des schweizerischen Vorsorgeausgleichs nicht möglich, da der Vorsorgeausgleich rechtlich mit Alimentenschulden nichts zu tun hat.»

Allerdings weist sie darauf hin, dass nicht die Vorsorgeinstitution, sondern ausschliesslich das zuständige Gericht über den Ausgleich der während der Ehe bis zum Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens erworbenen Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge entscheidet.

Höhe und Verwendung der zu übertragenden Freizügigkeitsleistung richten sich nach dem rechtskräftigen Scheidungsurteil. «Die Voraussetzung ist, dass genügend Freizügigkeitsleistung vorhanden ist und ein rechtskräftiges Scheidungsurteil vorgelegt wird, welches eine überhälftige Teilung des Vorsorgeguthabens anordnet», erklärt Leuenberger.

Und: «Ob die scheidungsrechtlichen Voraussetzungen des Zivilgesetzbuches für eine überhälftige Teilung gegeben sind, wird durch den Richter geprüft und nicht durch die Vorsorgeeinrichtung.»

Für Sie besteht nur insofern etwas Hoffnung auf eine mehr als hälftige Teilung des Vorsorgeguthabens, falls die versicherte Person über ausreichend Freizügigkeitsleistung verfügt und das Gericht ein entsprechendes Urteil fällt.

«Überhälftige Teilungen kommen vor, wenn der anspruchsberechtigte Ehegatte beispielsweise wegen familiärer Betreuungspflichten gegenüber gemeinsamen Kindern noch längere Zeit keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann», erläutert die Axa-Mediensprecherin.