Skandalöse Leistung vieler Pensionskassen

Pensionskasse als Glücksache? – Laut Swisscanto liegt die Streubreite der Performance der Pensionskassen für 2017 zwischen 0,5 Prozent und 15,8 Prozent. Foto: iStock

In der SonntagsZeitung hatten Sie kürzlich die Leistungen der Pensionskassen angesprochen. Welche Kennzahlen sollte man als Versicherter vergleichen, um zu sehen, ob man mit seiner Kasse gut fährt? K.E.

Vergleichen können Sie die Umwandlungssätze, welche die verschiedenen Kassen zur Anwendung bringen.

Die sind in den letzten Jahren stark gesunken, obwohl für den obligatorischen Teil nach wie vor der gesetzliche Umwandlungssatz von 6,8 Prozent gilt.

Im überobligatorischen Teil sind die Kassen bei der Festsetzung des Umwandlungssatzes aber frei. Dies führt dazu, dass der effektive Umwandlungssatz über das gesamtes Vorsorgegeld in der zweiten Säule hinweg oft nur noch rund 5 Prozent beträgt.

Mithilfe des Umwandlungssatzes wird die Höhe der jährlichen Rente aus Ihrem angesparten Vorsorgekapital festgelegt. Bei 200’000 Franken Vorsorgeguthaben erhalten Sie bei einem Umwandlungssatz von 6 Prozent eine Jahresrente von 12’000 Franken – bei 5 Prozent aber nur eine Rente von 10’000 Franken jährlich.

Fragen Sie bei Ihrer Kassen nach dem Umwandlungssatz: Die meisten haben diesen bereits gesenkt oder planen dies in nächster Zeit.

Vergleichen sollten Sie auch den Deckungsgrad. Dieser drückt das Verhältnis des vorhandenen Vorsorgevermögens zu den Verpflichtungen aus. Das Gesetz verlangt von den Kassen, dass sie Gewähr bieten, dass sie die eingegangenen Verpflichtungen decken. Ein Deckungsgrad von 100 Prozent und mehr ist in Ordnung.

Aus Sicht der Versicherten wichtige Kennzahlen sind einerseits die Kosten, welche die Kassen verursachen, und anderseits die Performance, welche die Vorsorgeeinrichtung auf dem Kapital erzielt. Hier gibt es beträchtliche Unterschiede.

Laut der neusten Pensionskassenumfrage von Swisscanto liegt die Streubreite der Performance für das Jahr 2017 zwischen mickrigen 0,5 Prozent und hohen 15,8 Prozent. Wenn Sie das Pech haben, bei der Kasse mit schlechtesten Performance versichert zu sein, kann dies auf mehrere Jahr hinweg einen gewaltigen Unterschied für Sie ausmachen: Sie kriegen dann nämlich weniger Rente oder Kapital.

Immerhin zeigt die Swisscanto-Pensionskassenumfrage, dass im letzten Jahr 47 Prozent der Kassen – also rund die Hälfte – eine gute Rendite von 7,5 Prozent bis 9,99 Prozent erreichten. Natürlich kann es je nach Aufstellung einer Kasse in einzelnen Jahren zu Ausschlägen nach oben oder unten kommen.

Die Tatsache, dass die Performanceunterschiede mit einer Spannweite von 0,5 bis 15,8 Prozent so breit ist, stellt meines Erachtens ein Skandal dar, zumal man als Arbeitnehmer seine Kasse nicht frei wählen darf.

Eigentlich sollte die Aufsicht nicht nur auf die Sicherheit der Vorsorgeeinrichtungen achten, sondern auch die enormen Performanceunterschiede genauer untersuchen.

Wenn eine Kasse über Jahre hinweg eine miserable Performance für die Versicherten erzielt, nimmt sie ihre Verantwortung gegenüber diesen aus meiner Sicht zu wenig wahr.

Darum ist es umso wichtiger, dass man bei einem Stellenwechsel nicht nur den Job, das Arbeitsumfeld und den Lohn genau anschaut, sondern sich auch über die Leistungen und die Performance der Pensionskasse konkret aufklären lässt.

Wer durch einen Jobwechsel von einer guten zu einer schlechten Pensionskasse kommt, verliert auf die Jahre hinweg sehr viel Geld, was oft nicht mal durch mehr Lohn kompensiert wird.