Bringt Heirat finanziell mehr Sicherheit?

Vor- und Nachteile: Heirat lohnt sich im Hinblick auf Todesfall und Erbrecht. Bei den Steuern fahren Sie aber schlechter. Foto: iStock

Ich bin Anfang 40 und mein langjähriger Lebenspartner hat mir überraschend vorgeschlagen zu heiraten. Obwohl ich ihn liebe, bin ich nicht sicher. Er sagt, wir seien finanziell sicherer. Stimmt das? Wir sind beide berufstätig. A.B.

Ehe und Konkubinat haben finanziell Vor- und Nachteile.

Eine höhere finanzielle Sicherheit hätten Sie als Verheiratete im Vergleich zum Konkubinat ganz sicher im Todesfall. Nur wenn Sie verheiratet sind, haben Sie gegenseitig von Gesetzes wegen einen Anspruch auf den Nachlass des verstorbenen Partners.

Im Konkubinat können Sie zwar per Testament Ihren Partner respektive er Sie begünstigen. In erster Linie kommen aber die gesetzlichen Pflichtteile zum Zug. Als Konkubinatspartner ist man schlechter gestellt als beispielsweise Kinder des Verstorbenen, selbst wenn man viele Jahre mit ihm zusammengelebt hat.

Dazu kommt, dass man in vielen Kantonen als Konkubinatspartner beträchtliche Erbschaftssteuern auf dem vom verstorbenen Lebenspartner geerbten Nachlass zahlt. Auch bei der AHV und Pensionskasse sind Sie als Verheiratete im Todesfall des Gatten in der Regel besser gestellt.

Im Konkubinat zu leben, hat allerdings auch einige finanzielle Pluspunkte, die Sie wahrscheinlich kennen: Sie zahlen weniger Steuern, da Sie als Alleinstehende eingestuft und getrennt besteuert werden. Wenn Sie verheiratet wären, würde Ihr Einkommen zusammengezählt.

Obwohl Sie dann mehr Abzüge geltend machen dürfen, müssen Sie als verheiratete Berufstätige unter dem Strich meist mehr dem Fiskus abliefern.

Auch bei der AHV bekommen Sie im Rentenalter mit zwei separaten Einzelrenten mehr, als wenn Sie verheiratet sind.

Brutal ins Geld gehen kann es auch, falls Sie heiraten und sich später doch wieder scheiden lassen. Als Konkubinatspartner können Sie Ihre Beziehung unkompliziert und – falls keine gemeinsamen Kinder da sind – ohne weitergehende Verpflichtungen auflösen.

Bei Verheirateten gibt es für die Aufhebung der Heirat rechtliche Regeln, die zu erfüllen sind und auch finanzielle Folgen haben. Über Gerichtskosten und allenfalls hohe Anwaltskosten hinaus sind je nach Konstellation Unterhaltszahlungen fällig.

Heirat bringt in Hinblick auf Todesfall und Erbrecht durchaus mehr finanzielle Sicherheit. Bei den Steuern fahren Sie aber schlechter und gehen – wenn Sie das Scheidungsrisiko mitberücksichtigen – ein zusätzliches finanzielles Risiko ein.

Allerdings sollte man den Entscheid, ob man heiratet, nicht primär von finanziellen Aspekten abhängig machen.

17 Kommentare zu «Bringt Heirat finanziell mehr Sicherheit?»

  • fredi burger sagt:

    Zu diesem Thema wäre noch zu erwähnen, dass für gleichgeschlechtliche Paare nicht alle Vorzüge der Eheschliessung gelten.

  • Marianne Greber sagt:

    Gerne würde ich in den Medien über die Plafonierte AHV Rente lesen. Das ist ein Ärgernis, habe ich und mein Ehemann immer einbezahlt und bekommen nur eine 1 1/2 Rente zusammen. Wenn die Frauen bis 65 Jahren arbeiten müsste dies auch angepasst werden. In anderen Ländern ist dies so

    • Paula Menti sagt:

      Es bekommen aber auch Ehepaare die anderthalbfache Rente, wenn z. Bsp. die Ehefrau nie etwas gearbeitet und einbezahlt hat. Daher individuelle Renten für alle!

      • Carmen Siegrist sagt:

        Frau Menti: Sie schreiben, dass die Ehefrau nie etwas gearbeitet hat. Ob jemand erwerbstätig und berufstätig und damit Geld mit nach Hause bringt darf nicht gegen Arbeiten zu Hause ausgespielt werden. Die Hausfrau und Mutter leistet auch Arbeit, oft pflegen die Hausfrauen die betagten Angehörigen und leisten Freiwilligenarbeit. Auch Kinderbetreuung ist geleistete Arbeit. Aus diesem Grunde verwende ich den Begriff Erwerbstätigkeit. Das diskriminiert die grosse Familienarbeit nicht.

    • Wenger sagt:

      Frage doch dazu deine Ausgleichskasse!

  • Michael12 sagt:

    Wie sieht es mit den Steuern aus, wenn ein Gutverdiener einen Wenigverdiener heiratet? Nach meinen Berechnungen sinken die Steuern beträchtlich. Wieso spricht man trotzdem nur von steuerlicher Heiratsstrafe?

    • Juhu sagt:

      Weil weniger Steuern zu zahlen nicht zum Thema passen. Auch nicht, dass die Miete einer Familienwohnung geteilt durch zwei oftmals günstiger ist als die Wohnung Alleinwohnender.

    • Hans Hödli sagt:

      Weil ständig Mumpitz verzapft wird. Ehepaar mit 2 Kindern und steuerbarem Einkommen von 50’000 zahlt NULL Bundessteuer. Und in den Kantonen ist die Heiratsstrafe schon lange kein Thema mehr.
      Die Heiratsstrafe betrifft nur Doppelverdiener die voll arbeiten und keine Kinder haben sowie hohe Vermögenserträge. Typisches Beispiel das Professorenehepaar ohne Kinder mit 800K Einkommen.
      Das nennt sich CVP Familienpolitik. Diese Partei kann man voll rauchen.

  • Kerstin Moser sagt:

    Warum gehen Sie nicht auf die Altersvorsorge mit den 3 Säulen ein? Diese Fakten sind sicher weniger bekannt als die von Ihnen beschriebenen.

  • Roger Gruber sagt:

    Ob eine Heirat finanzielle Sicherheit bringt, hängt davon ab, ob man ein Mann oder eine Frau ist.

    • Miriam Bischler sagt:

      Nein, es hängt davon ab, ob beide Partner v.a. auswärts arbeiten oder ob einer mehr zu Hause arbeitet bzw. gemeinsame Kinder erzieht. Hat im Grunde genommen wenig mit dem Geschlecht zu tun…

      • Aschwanden sagt:

        Frau Bischler: kennen Sie Fälle, in denen die Frau dem Mann Alimente bezahlt? Sie glauben vielleicht an den Storch.

  • Hans Hödli sagt:

    Heirat und Kinder sind unter der Rechtslage in der CH ein gewaltiges Risiko. Die Scheidungsraten sind hoch und die finanziellen Konsequenzen sind meistens ein Supergau wenn dann plötzlich Alimente und 2 Wohnungen bezahlt werden müssen. Mit Kindern musste meistens ein Elternteil beruflich zurückstecken, hat praktisch kein BVG, und der andere Teil kann bei Scheidung die hälfte der PK abliefern.
    Berücksichtigt man noch die desaströse Entwicklung bei den Renten steuert die CH auf eine gigantische Altersarmut zu.

  • Keller sagt:

    Das Risiko einer Heirat ist enorm: Vor allem unterwirft man sich einem Recht, dessen Inhalt man nicht kennt, wenn man heiratet. Es ändert sich laufend. Vor allem ist die Ehe massiv fremdbestimmt. Letztlich entscheiden alles die Gerichte. Der Mensch ist quasi mit Eheschluss entmündigt. Die Richter sind die KESB der Verheirateten und im Alter kommt die KESP ohnehin bei allen dazu.

    • Gerhard Engler sagt:

      Ich bin seit 20 Jahren verheiratet. In dieser Zeit hat sich der Staat noch nie in meine Ehe eingemischt (ausser bei der Steuererklärung). Von Fremdbestimmung kann keine Rede sein.

  • Urs Engler sagt:

    Der überlebende Ehegatte hat nur dann Anspruch auf den ganzen Nachlass des verstorbenen Ehegatten, wenn dieser nicht Kindern aus einer frühern Verbindung teilen muss. Bei fehlenden Nachkommen würde noch lebenden Eltern des Verstorbenen ein Pflichtteilsanspruch zustehen.

  • Alexander Wetter sagt:

    zum einen preist die Politik die Familie, aber die Politik tut gar nichts, um die Familie und Elternschaft zu unterstützen : in der Steuerpolitik schon gar nicht. Da sollte sich niemand wundern, dass wir CH eine niederige Geburtenrate haben (und mit der Migration aus fremden Kultur dies „auszugleichen“)

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