Wie Trump deutsche Aktien schwächt

Der Druck auf Bundeskanzlerin Merkel steigt: Strafzölle von US-Präsident Trump auf Importe aus Europa sind mehr als nur politisches Säbelrasseln. Foto: Getty Images

Ich habe viele deutsche Aktien – die meisten sind DAX-Titel. Ist das eine gute Strategie? Nachdem mehrere deutsche Aktien in den letzten Wochen stark gelitten haben, bin ich etwas unsicher geworden. K.W.

Die deutschen Aktien leiden derzeit gleich in doppelter Hinsicht: Einerseits wirkt sich der Handelsstreit zwischen den USA, Europa und China besonders für die deutsche Autoindustrie und ihre vielen Zulieferer negativ aus.

Anderseits sorgt der Streit zwischen den Top-Exponenten der Regierungsparteien CDU und CSU und der politische Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel für zusätzliche Verunsicherung bei den Investoren.

Für heikler als die innerdeutsche Politik halte ich die negativen Konsequenzen des internationalen Handelskonfliktes. Hier haben die Gewinnwarnungen von Daimler und Osram brutal vor Augen geführt, dass die Strafzölle von US-Präsident Trump auf Importe aus Europa und China nicht mehr nur politisches Säbelrasseln sind. Sie sind in den Niederungen der Realwirtschaft angekommen.

Negativ ist auch die Krise bei der Deutschen Bank, deren Aktien zeitweise auf ein Rekordtief gesunken sind.

Ich gehe davon aus, dass die deutschen Aktien noch einige Zeit unter Druck stehen werden, vor allem die Papiere von Unternehmen, welche einen Grossteil ihres Umsatzes mit der Automobilbranche machen.

Der von Ihnen erwähnte Deutsche Aktien-Index (DAX) enthält allerdings weit mehr als nur Autoaktien. Gerade Anfang Juli ist der DAX 30 Jahre alt geworden und hat sich in dieser Zeit von 1000 auf heute über 12’000 Punkte gesteigert. Noch Anfang Jahr, am 23. Januar 2018, bewegte sich der DAX mit 13’596 Punkten allerdings auf einem Rekordstand und musste seither kräftig Federn lassen.

In diesem auch für Schweizer Anleger wichtigen Index sind die Titel der 30 grössten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse enthalten, wobei sich das Gewicht einer Aktie nach dem Anteil an der gesamten Kapitalisierung der im Index enthaltenen Werte bemisst.

Seit zwölf Jahren dürfen einzelne im DAX enthaltene Titel nur noch ein maximales Gewicht von zehn Prozent haben, um zu vermeiden, dass ein einzelnes Papier den Index zu stark dominiert, wie wir dies aus der Schweiz mit Nestlé, Novartis und Roche kennen.

Für Investoren aus der Schweiz, welche in den deutschen Aktienmarkt investieren möchten, halte ich den DAX weiterhin für einen guten Referenzindex.

Sie schreiben, dass Sie vor allem auf DAX-Aktien setzen. In diesem Fall würde ich nicht Einzelaktien halten, sondern einen Exchange Traded Fund, der an den DAX gekoppelt ist oder generell einen Anlagefonds.

Als Privatinvestor kann man in der Regel nicht alle 30 im DAX aufgeführten Aktien besitzen, sondern fokussiert sich auf einzelne Werte. Indem Sie stattdessen einen Indexfonds auf den DAX nutzen, erreichen Sie eine bessere Diversifikation, weil Sie wirklich den gesamten Index abdecken können, und sparen im Vergleich zu Einzelengagements noch Gebühren.

Exchange Traded Funds oder auch generell Anlagefonds geben Ihnen zudem die Möglichkeit, dass sie bezogen auf das Gesamtdepot selbst mit wenig Kapital auch eine bessere Diversifikation nach verschiedenen Ländern und Sektoren erreichen.

Dazu rate ich Ihnen unbedingt.

Wenn Sie nur auf einige wenige Märkte setzen, gehen Sie ein beträchtliches Klumpenrisiko ein, das es aus Risiko- und Renditegründen zu vermeiden gilt.

5 Kommentare zu «Wie Trump deutsche Aktien schwächt»

  • Stefan Meier sagt:

    Was heisst das nun für K.W.? Soll er seine DAX Aktien verkaufen und statt dessen in DAX indexierte ETFs investieren?

  • Frank Zuffnik sagt:

    Da koennen wir ja nur hoffen, dass die PKs da nicht zu heftig involviert sind, denn sonst liegt ja schon wieder der Duft einer baldigen Umwandlungssatzsenkung in der Luft., mit den entsprechenden Folgen. Und die haben ja dann sogar einen Namen.

  • Albert Fiechter sagt:

    Es verwundert, dass die Daimler-Benz-Aktie (DAI) nach der Dividendenzahlung im April nochmals gesunken ist. Kann man den Zahlen trauen, bewegt sich das KGV nun um die 6. Da muesste es doch einen Run auf die Aktie geben.

    • Svetlana sagt:

      Deutsche- und auch Europäische Autobauer zu kaufen erachte ich als nicht sinnvoll.
      Zuviele Investitionen stehen bei denen an, um mit den Chinesischen Autobauern mithalten zu können.
      Der Automarkt wird aus meiner Sicht in Zukunft in China entschieden.
      Das KGV und die Dividendenrendite von Daimler sind zwar sehr attraktiv, jedoch seit einiger Zeit sinkt der Freie Cashflow kontinuierlich.
      Das einzige was einigermassen gut ist, ist die eher niedrige Ausschüttungsquote von 40%.

  • Peter Schneider sagt:

    Ich würde einen MDAX – ETF hernehmen, das Autoklumpenrisiko im Dax ist mir einfach zu hoch.
    https://de.wikipedia.org/wiki/MDAX

Kommentar

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