Ueli Maurer warnt zu Recht vor Inflation

Unvorstellbar hohe Summe: Die SNB-Bilanz ist auf 780 Milliarden Franken gewachsen – mehr als das gesamte Bruttoinlandprodukt der Schweiz. Foto: Keystone

Bundesrat Ueli Maurer verlangt von der Nationalbank, dass sie ihre Milliardenbilanz abbaut. Dafür wurde er in den Medien heftig kritisiert. Wie sehen Sie das? M.M.

Finanzminister Maurer hat mit seinen Aussagen, die er kürzlich bei einem Treffen mit dem österreichischen Finanzminister Hartwig Löger in Wien gemacht hat, in ein Wespennest gestochen.

Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren heftig: Bundesrat Maurer verletze mit seinen Äusserungen die Unabhängigkeit der Schweizerischen Nationalbank, wurde von mehreren Medien kritisiert.

Und der «Tages-Anzeiger» kam zum Schluss: «Ueli Maurer hätte besser geschwiegen.» Er sei kein Privatmann, seine Aussage zur SNB-Politik als Bundesrat habe selbst die Grenze des Erträglichen überschritten, analysierte der «Tages-Anzeiger».

Maurer selbst hatte beim Treffen in Wien die Ausweitung der Bilanz der Nationalbank als an der Grenze des Erträglichen bezeichnet und signalisiert: «Hier möchten wir dann auch etwas zurückbauen in Zukunft.»

Trotz der breiten Kritik in den Medien teile ich die Kritik von Bundesrat Maurer an der SNB-Bilanz. Tatsache ist: Die SNB-Bilanz ist auf eine unvorstellbar hohe Summe von 780 Milliarden Franken gestiegen. Das ist noch mehr als das gesamte Bruttoinlandprodukt unseres Landes.

Die Nationalbank-Bilanz ist also höher als die Produktion aller Waren und Dienstleistungen in der Schweiz in einem Jahr nach Abzug aller Vorleistungen. Der Bilanzanstieg ist eine Konsequenz der Deviseninterventionen der SNB im Kampf gegen den starken Franken. Die vielen Devisenkäufe der Nationalbank haben die Bilanz richtiggehend aufgebläht.

Natürlich wäre es problematisch, wenn den Märkten nun signalisiert würde, dass die SNB künftig nicht mehr wirksam gegen den starken Franken vorgehen kann, weil sie nun die Bilanz abbauen muss. Und natürlich muss die Unabhängigkeit der Nationalbank gewährleistet sein.

Dennoch halte ich die Aussage von Bundesrat Maurer für gerechtfertigt. Denn die enorme Bilanz der SNB birgt für unser Land auch Risiken: In den letzten zehn Jahren hat sich die Geldmenge verzehnfacht. Wenn es der Nationalbank nicht gelingt, diese Geldmenge zurückzunehmen, besteht eine reale Gefahr, dass die Teuerung in der Schweiz künftig stark ansteigt.

Noch ist die Inflation hierzulande kein Problem. Die Zeiten der Minus- und Nullteuerung sind aber vorbei und die Inflation zieht bereits leicht an.

Wenn die Nationalbank nichts gegen das viele Geld, welche sie in das System gepumpt hat, unternimmt, könnten wir in Zukunft mit einer deutlich stärkeren Inflation konfrontiert sein, welche am Wert unseres Geldes nagt und diesen zerstört, wenn man nicht eine höhere Rendite mit seinem Kapital erwirtschaftet als die Teuerung und Gebühren.

Viele können sich nach Jahren der Minusteuerung gar nicht mehr vorstellen, dass die Inflation auch bei uns ein Problem werden könnte. Inflation ist aber Gift für unser Geld. Und wenn die riesige Nationalbank-Bilanz nicht langsam reduziert wird, ist es eine Frage der Zeit, dass wir mit dem Gift der Teuerung konfrontiert werden.

Darum nehme ich Bundesrat Ueli Maurer trotz der öffentlichen Kritik in Schutz und unterstütze seine Aussagen, zumal die Frankenstärke etwas an Brisanz verloren hat und der Euro im April vorübergehend sogar wieder auf 1.20 Franken geklettert ist.

Als Finanzminister, der durchaus die Unabhängigkeit der Notenbank akzeptiert, ist es gleichzeitig seine Pflicht, vor Gefahren zu warnen, die unserem Geldsystem drohen. Die aufgeblähte Nationalbank-Bilanz ist aus meiner Sicht eindeutig ein Risiko, das nicht unterschätzt werden sollte.

Sollte die Inflation in der Schweiz in den nächsten Jahren tatsächlich weit stärker als bis jetzt angenommen in die Höhe klettern, sind wohl manche froh, dass Finanzminister Maurer nicht geschwiegen hat und die Risiken der grossen SNB-Bilanz angesprochen hat.