Vontobel-Aktien schlagen den Markt

Vontobel in Zürich: Die kerngesunde Bank hat ein stabiles Wachstum. Foto: Bruno Schlatter

Fast 17 Prozent hat die Vontobel-Aktie zugelegt, seitdem sie zuletzt Ende April hier zum Kauf empfohlen wurde, während der Gesamtmarkt geschwächelt hat. Da wussten wir noch nicht, dass die Vermögensverwalterin eine der grössten Übernahmecoups der letzten Jahre auf dem hiesigen Bankenplatz landet wird: Ende Mai verkündete Vontobel den Kauf der Notenstein La Roche mit ihren 16,5 Milliarden Franken an Kundenvermögen. Das zusätzliche Ertragspotenzial, das sich schon nächstes Jahr entfalten soll, hat für starke Avancen in den Titeln gesorgt und sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,5 teuer werden lassen. Wenn man Vontobel aber als langfristiges Investment ansieht, und genau das tue ich bei diesen Titeln, sind sie nach wie vor für das Depot geeignet. Die kerngesunde Bank wird aller Voraussicht nach weiter stabiles Wachstum zeigen. Für 2020 ergeben sich so ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 und eine attraktive Dividendenrendite von 4 Prozent. Für langfristig orientierte Anleger empfiehlt sich also weiterhin nur eines: Kaufen

Deutliche Gewinnsteigerungen

Nicht ganz so gut ist die jüngste Wette bei ABB aufgegangen. Anfang April war ich der Ansicht, die Chance, dass sich die Aktien besser als der Markt entwickeln, seien überdurchschnittlich hoch. Als Gründe nannte ich die eher günstige Bewertung, gemessen am damaligen Kurs-Gewinn-Verhältnis und wegen der attraktiven Dividendenrendite von 3,6 Prozent. Restrukturierungen und Sparmassnahmen haben die Kostenbasis verkleinert und so den Weg freigemacht für deutliche Gewinnsteigerungen im laufenden und im kommenden Jahr. Für ein paar Wochen sind ABB-Titel besser gelaufen, dann aber kamen ihnen die Sorgen um eine Abschwächung der Konjunktur und eine Eskalation des Handelskriegs in die Quere. Nun lässt mich etwas ganz anderes aufhorchen: Der Chef des deutschen Industrieriesen ThyssenKrupp hat vergangene Woche das Handtuch geworfen, wohl auch auf Druck des – mit ihm unzufriedenen – Aktionärs Cevian. Der schwedische Investor Cevian, Sie wissen es, ist auch an ABB beteiligt und piesackt deren Chef Spiesshofer. Von aussen betrachtet herrscht zwar Friede, Freude, Eierkuchen. Aber irgendwann könnte sich auch hier etwas tun und der Druck auf ABB, sich mehr zu fokussieren und schlanker zu machen, zu gross werden. Das würde den Aktien wohl helfen. Bis dahin dürfte aber noch viel Zeit vergehen. Abwarten

Aktien im Steigflug

Noch immer beschäftigen Banken Heerscharen von Informatikern. Margendruck zwingt sie aber, die IT-Kosten zu senken und Software einzukaufen, statt selbst zu entwickeln. Ein Nutzniesser dieses Trends ist der Genfer Bankensoftware-Spezialist Temenos. Die Aktien befinden sich seit Juli 2015 im Steigflug. Sie haben seither ihren Wert von rund 30 Franken auf über 150 Franken verfünffacht. Als Anfang April bekannt wurde, dass Temenos eine grössere Akquisition in Form der britischen Fidessa in Betracht zieht und sich ein Bieterkampf mit einem Private-Equity-Haus abzeichnete, machten die Aktien einen Taucher auf zeit­weise 106 Franken. Die Angst ging um, dass Temenos zu viel für Fidessa zahlen könnte. Ende April liessen die Genfer den Fidessa-Deal fallen. Die Papiere haben seither den Steigflug fortgesetzt und notieren wieder einmal nahe dem Allzeithoch. Die Temenos-Wachstumsstory überzeugt immer noch; mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2019 von 44 dürfte aber auch den optimistischsten Anlegern schwindlig werden – das hohe Bewertungsniveau eignet sich nicht für Zukäufe. Verkaufen

Chancen sind da

Zu den von mir an dieser Stelle vernachlässigten Titeln gehört Comet. Die Titel waren mir lange Zeit viel zu teuer. Ein typisches Beispiel eines Börsenlieblings, dessen Story zwar stimmt; die vielen Fans treiben den Kurs aber in unvernünftige Höhen, und eine Eigendynamik des Marktes löst weitere Übertreibungen aus. Das ist nun vorbei. Comet-Papiere schwächelten schon länger und erlebten vergangene Woche einen Kurssturz. Ein Auslöser ist das Ebeam-Geschäft. Die zukunftsweisende Technologie zur Sterilisierung von Oberflächen ohne den Einsatz von Chemikalien erweist sich in der Umsetzung schwieriger als gedacht. Die Chancen sind aber da. Enttäuschend läuft derzeit auch das Röntgensystemgeschäft (IXS) wegen des zum Teil veralteten Produktportfolios und wegen Schwankungen in wichtigen Märkten. Massnahmen zur Verbesserung des Geschäfts laufen, verbunden mit einmaligen Belastungen und gleichzeitig der Chance auf bessere Margen im kommenden Jahr. Auf lange Sicht ist das aktuelle Kursniveau ein Engagement wert. Dosiert kaufen

Medikamente für Frauen

Schon wieder ein Neuling an der Schweizer Börse: Obseva strebt eine Zweitkotierung in Zürich an. Bereits gehandelt werden die Titel in den USA an der Nasdaq. Obseva ist auf Medikamente zur ­Behandlung von Frauenkrankheiten spezialisiert. Das Genfer Unternehmen erzielt keinen Umsatz, hat aber drei Produkte in der Pipeline. Eines davon soll die Erfolgsquote bei der künstlichen Befruchtung verbessern. Analysten errechnen derzeit ein Kursziel zwischen 26 und 34 Dollar je Titel auf zwölf Monate. Aktuell liegt der Kurs bei rund 15 Dollar. Die Kursziele sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Die Berechnungen unterliegen ­reinen Annahmen über Umsatz, Kosten und Gewinn; das gleicht einem Roulette. Privatanleger sollten die Titel, wenn überhaupt, nur als Nebenwette in einem gut diver­sifizierten Aktienportfolio betrachten. Meiden

1 Kommentar zu «Vontobel-Aktien schlagen den Markt»

  • Stephan Fehlmann sagt:

    „ABB…das würde den Aktien wohl helfen, aber bis dann wird wohl noch viel Zeit vergehen“. Ja genau, dem dummen Langfristanleger bei ABB bleibt wohl am Ende auch nur noch das Nachthemd, mit dem er sich einmal verabschieden darf.

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