Vorsorgefonds: Jedes Prozent schenkt ein

Happig: Wer 20 Jahre das Maximum in die 3. Säule einzahlt, hat bei einer Renditedifferenz von 1% 18’000 Franken mehr im Sack. Foto: Getty Images

Wir bezahlen im Hinblick auf die Amortisation einer Hypothek jeweils den vollen 3a-Betrag bei der Clientis ein. Um Rendite zu erzielen, wird das Geld in den Vorsorge-Fonds Swiss Life BVG-Mix35 investiert. Nun musste ich feststellen, dass die Clientis bei jedem Kauf eine Courtage von 2 Prozent erhebt und zusätzlich eine Depotgebühr von jährlich 0,5 Prozent vom Kurswert verrechnet. Bei der Postfinance gibt es den Vorsorgefonds «Pension 45». Diesen Fonds würden wir ohne Courtage erhalten und es wird keine Depotgebühr erhoben. Würde sich ein Wechsel lohnen? M.S.

Wenn Sie Ihre Hypothek indirekt über die steuerbegünstigte Säule 3a amortisieren und so mittels Vorsorgefonds für Ihr Alter sparen, ist es besonders wichtig, dass Sie eine möglichst gute Rendite erzielen. Denn diese Gelder sind nicht nur kurzfristig investiert, sondern bleiben langfristig liegen, oft sogar zwanzig Jahre und mehr.

In diesem Kontext ist es alles andere als unwichtig, ob Sie pro Jahr ein oder zwei Prozent mehr oder weniger Rendite erreichen. Wie viel ein Renditeunterschied ausmacht, können Sie einfach über Renditerechner, welche verschiedene Anbieter im Internet aufgeschaltet haben, überprüfen.

Wenn Sie während angenommen 20 Jahren jedes Jahr 6300 Franken in Ihre 3. Säule einzahlen, haben Sie mit einem Zins von nur einem Prozent knapp 148’000 Franken angespart, wovon 15’500 Franken den Zins und Zinseszins ausmachen. Bei 2 Prozent Rendite wären es aber schon über 165’000 Franken und über 33’000 Franken Zins und Zinseszins, und bei 3 Prozent Rendite pro Jahr wären es bei dieser Laufzeit sogar über 185’000 Franken total und über 53’000 Franken Rendite.

Die Zahlen zeigen eindrücklich die Konsequenzen der Renditedifferenz. Eine gute Rendite erreichen Sie, indem Sie das Geld nicht einfach auf dem Konto liegen lassen, sondern es, so wie Sie es machen, in Fonds investieren. Ihr Ziel muss es sein, einen Fonds zu wählen, der mit der gewählten Anlagestrategie die beste Rendite erreicht. Nur gibt es da von Jahr zu Jahr Unterschiede. Langfristig mehr Rendite erzielen Sie, wenn Sie einen höheren Aktienanteil wählen, müssen dann aber mehr Kursschwankungen in Kauf nehmen.

Entscheidend für Sie sind allerdings nur die effektiven Renditen nach Gebühren. Darum lohnt es sich gerade bei der Säule 3a, kostengünstige Fonds zu wählen und auch bei seiner Bank darauf zu achten, welche Depotgebühren und Courtagen anfallen.

Günstig fahren Sie zum Beispiel mit passiv verwalteten Vorsorgefonds. Entsprechende Produkte bietet etwa Swisscanto an. Auch der von Ihnen erwähnte Postfinance Pension 45 ist eine Alternative, ist aber mit einer Totalkostenkennziffer TER von 0,9 Prozent teurer als passive Instrumente. Wenn Sie sich aber bei der Postfinance Courtagen und Depotgebühren sparen können, sieht für Sie unter dem Strich die Rechnung wieder deutlich besser aus als bei Ihrer heutigen Bank.

Günstige Vorsorgefonds erwerben können Sie auch über die neue Smartphone App-Lösung Viac oder über die unabhängige Vorsorgeplattform Liberty, welche eine breite Auswahl an günstigen Vorsorgefonds von bekannten Fondsfirmen für die 2. und 3. Säule anbietet. Meines Erachtens lohnt es sich, dass Sie entsprechende Alternativen prüfen. Allerdings rate ich Ihnen, vorgängig Ihren Hypothekenvertrag anzuschauen.

Möglicherweise verpflichten Sie sich in dem Vertrag zu einer indirekten Amortisation der Hypothek über die Säule 3a bei der Bank. In diesem Fall würde ich mit der Bank Klartext sprechen und von ihr Vorschläge verlangen, wie Sie auch bei der Hausbank günstiger in Vorsorgefonds investieren können.

4 Kommentare zu «Vorsorgefonds: Jedes Prozent schenkt ein»

  • Tom Sivers sagt:

    Die Bank CIC hat nach meiner Meinung das beste Angebot in Sachen Wertschriftensparen. Im offenen Wertschriftensparen investiert man exklusiv in die institutionelle Tranche des jeweiligen Fonds. Man profitieren damit direkt von einer deutlich tieferen Management-Fee als im herkömmlichen Vertrieb, was sich positiv auf die Wertentwicklung des Fonds auswirkt. Der Erwerb und die Rückgabe von Fondsanteilen sind kostenlos. Es werden auch keinerlei Retrozessionen der entsprechenden Fonds vereinnahmt. Mit der einfachen und transparenten Service-Fee von 0,5 % p. a.

    • Dagobert Duck sagt:

      Guter Witz mit der Bank CIC – da kann man den UBS Vitainvest 75 World kaufen. TER 1.72% und dann bezahlt man noch 0.5% an die CIC… Bei der UBS wäre aber Depot und Courtagen bereits dabei…
      Viac ist mit abstand am günstigsten, sie weisen ja immer Gesamtkosten inkl. Fondsgebühren aus – laut der Homepage bewegen sich diese im Schnitt bei über alle Strategien bei 0.44%! Was ja bereits weniger ist als das erwähnte 0.5% der CIC PLUS Fondskosten…

  • Claudia Affolter sagt:

    Das wirklich Krasse ist, dass man nach 20! Jahren nur mit 20-40k Gesamtzins rechnen kann. Wenn ich mich weiterbilde, an meinem Job etwas ändere und nur 250.- mehr Monatslohn bekomme, dann habe ich das locker auch erreicht und das ist Geld, das nicht durch einen Börsencrash wieder verpufft. Die Banken verdienen an unserem Geld, aber das Risiko, das wir eingehen vergüten sie uns nicht.

  • Reto Zumstein sagt:

    ich dachte, Kommentare mit offentsichtlich falschen Namen werden nicht veröffentlicht. Aber gut, vielleicht gibt es ja den Dagobert Duck….

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