Hier hat Sie die Bank ungenügend beraten

Beratung mit Eigeninteressen: Oft drängt die Bank auf hauseigene Produkte. Foto: Shutterstock

Aufgrund Ihres Artikels in der SonntagsZeitung habe ich bei meiner Raiffeisenbank Interesse am ETF SPI Select Dividend 20 Index bekundet. Die Bank hat mir geantwortet, dass dieser Titel nicht handelbar sei und sie ihn mir deshalb nicht beschaffen könne. Stattdessen empfahl man mir den hauseigenen Raiffeisen Index Fonds SPI (R) Val-Nr. 12092756. Stimmt es, dass der von Ihnen empfohlene Titel nicht erworben werden kann? J.B.

Der von mir erwähnte SPI Select Dividend 20 Index ist ein Index der Schweizer Börse. Dieser umfasst gemäss Wertung der Börse die 20 besten Unternehmen, die stabile Dividendenzahlungen und eine solide Rentabilität verzeichnen – aus allen Titeln des breiten Swiss Performance Index. An diesen SPI Select Dividend 20 Index sind Exchange Traded Funds (ETFs) gekoppelt.

Ihre Bank müsste sich lediglich etwas bemühen und schauen, welche Produkte an diesen ETF gekoppelt sind. Das ist nicht kompliziert. Natürlich gibt es entsprechende ETFs von mehreren Anbietern. Zum Beispiel den iShares Swiss Dividend (CH) CHDVD. Das Anlageziel dieses Fonds ist die Lieferung der Nettogesamtrendite des Referenzindex SPI Select Dividend 20 Index abzüglich Gebühren und Kosten des Fonds.

In der Produktebeschreibung von iShares heisst es: «Der Referenzindex ist ein Aktienindex öffentlich gehandelter Schweizer Gesellschaften mit hoher Dividendenrendite und einer nachhaltigen Ausschüttungspolitik. Die Gewichtung der im Referenzindex enthaltenen Titel basiert auf deren Dividendenrendite und Marktkapitalisierung und wird zusätzlich auf 15 Prozent des Index begrenzt.»

Ihre Bank hat sich offenbar einfach nicht bemüht, ein passendes Produkt, welches an diesen Index gekoppelt ist, zu suchen, oder will ihnen nur den eigenen Fonds verkaufen. Doch der Ihnen von Ihrer Hausbank vorgeschlagene Fonds ist nicht spezifisch auf Dividenden fokussiert, sondern bildet einfach nur den SPI ab. Das ist etwas anderes.

In der Produktebeschreibung von Raiffeisen heisst es denn auch klar: «Der Raiffeisen Index Fonds – SPI bildet die Entwicklung des Swiss Performance Index nach und deckt den gesamten Schweizer Aktienmarkt ab.» Von einer Fokussierung auf Dividendenperlen ist keine Rede.

Zwar ist der passiv geführte Fonds mit einer Gesamtkostenkennziffer TER von 0,42 Prozent auch recht günstig, aber nicht das passende Instrument, wenn Sie breit diversifiziert auf Schweizer Dividendenperlen, also auf Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen, investieren wollen.

Auf Ihren eigentlichen Wunsch nach einem Fokus auf hohe Dividendenrenditen geht Ihr Bankberater mit diesem Produktevorschlag schlicht nicht ein – oder er versteht die Produkte zu wenig. Fragen Sie bei Ihrer Bank nochmals nach entsprechenden Produkten nach. Sie wurden von Ihrer Bank ungenügend beraten.

5 Kommentare zu «Hier hat Sie die Bank ungenügend beraten»

  • Tom Sivers sagt:

    Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Raiffeisen von Anlagen wenig Ahnung hat. Nicht umsonst wurde das Vermögensverwaltungsgeschäft verkauft.
    Im Zuge der Bankenkrise sind die Kunden scharenweise zur Raiffeisen übergelaufen, diese sind nach wie vor völlig überfordert und sollten ihr Personal entsprechend schulen.

  • Walter GRIMM sagt:

    Ferner sind aber Dividenden auch Einkommensteuerwirksam. Somit dabei beachten, dass diese Dividenden aus Kapitalrückzahlungen stammen, nur diese sind steuerneutral und zu bevorzugen, just in case.

  • Benjamin Rosenkrantz sagt:

    EFTs sind äusserst effiziente und äusserst kostengünstige Anlageinstrumente. Jede Bank verkauft als erstes hauseigene Produkte; dabei spart sie die Fremdfondsgebühren. Will der Kunde nicht, verkauft die Bank ein gleiches Produkt mit der höchsten Gebühr für die Bank. Will der Kunde immer noch nicht, wird ein Angstszenario hochgefahren. ETFs bietet die Bank erst dann an, wenn der Kunde die Bank zu wechseln droht.
    Andrerseits ist jeder Kunde ein mündiger Bürger. Die Verantwortung für das eigene Geld kann niemand delegieren; das wäre fahrlässig und dumm. Es steht jedem frei, mit seinem Geld zu machen, was er will. Jeder kann sich informierten; und wer dazu zu faul ist, ist selber schuld, wenn das Geld verloren geht.

  • S. Meier sagt:

    Im zweiten Abschnitt steht „welche Produkte an diesen ETF gekoppelt sind.“ Müsste es nicht korrekter weise heissen „welche ETF’s an diesen Index gekoppelt sind“?

Kommentar

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