Keine Bank arbeitet ohne Eigennutz

Heikle Gratwanderung: Jede Bank steht zwischen den eigenen Gewinninteressen und den Interessen des Kunden. Foto: Keystone

Bis heute liegen unsere freien Finanzmittel auf Bankkonten. Deshalb haben meine Frau und ich uns vom Vermögenszentrum beraten lassen. Der Vorschlag des VZ sieht sehr erfreulich aus, könnten wir doch mit einem defensiven Anlageprofil jährlich eine durchschnittliche Nettorendite von 1,75 Prozent erwirtschaften nach Abzug der Verwaltungskosten. Weiter meinte der Berater, dass wir die Hypotheken unseres Eigenheims und der vermieteten Wohnung nicht reduzieren sollten. Das VZ habe keine eigenen Finanzprodukte und keine Interessenkonflikte. Sind die Angaben realistisch? H.V.

Natürlich hat auch das VZ wie jede andere Bank durchaus einen Interessenkonflikt: Das VZ will wie alle anderen Institute auch möglichst hohe Gewinne für das Unternehmen und die Aktionäre erzielen. Das muss es als börsenkotierte Gesellschaft auch zwingend, ansonsten laufen ihm die Aktionäre davon.

Sie sollten sich in diesem Punkt keine Illusionen machen: Jede Bank unternimmt eine heikle Gratwanderung zwischen den eigenen Gewinninteressen und den Interessen des Kunden. Im Interesse der Bank ist es, wenn sie möglichst hohe Gebühren einnimmt und die Margen steigern kann. Sie als Kunde indes haben ein anderes Interesse: Sie sind an möglichst tiefen Gebühren interessiert, da Ihnen die Gebühren die Rendite wegfrisst.

Von diesem Interessenkonflikt ist auch das VZ keineswegs ausgenommen. Immerhin werden aber keine Provisionen hinter dem Rücken der Kunden angenommen und allfällige Retrozessionen an die Kunden weitergegeben, was allerdings auch alle anderen Banken tun müssen. Ausser die Kundschaft ist ausdrücklich damit einverstanden, dass die Bank die Retrozessionen behält. Dass das VZ selbst keine eigenen Produkte herausgibt, kann ein Vorteil sein, weil dann nicht hauseigene Produkte bevorzugt werden müssen, welche nicht zwingend die besten sind.

Die Ihnen vom VZ anhand des Anlagevorschlages in Aussicht gestellte Rendite halte ich für machbar und realistisch.

Es ist aber keineswegs so, dass Sie mit dieser Strategie keine Risiken eingehen. Im Rahmen der defensiven Strategie fokussieren Sie zwar auf Instrumente, welche an konservative Anlagen in Anleihen und Immobilien gekoppelt sind. Doch auch da kann es je nach Marktphasen zu stärkeren Kursschwankungen kommen. Zudem verfügen Sie über einen kleinen Aktienanteil, der ebenfalls deutlichen Kursschwankungen ausgesetzt ist.

Eine Garantie für die Ihnen in Aussicht gestellte Rendite haben Sie keineswegs. Sie sollten diesen Anlagevorschlag nur annehmen, wenn Sie in der Lage und bereit sind, die damit verbundenen Wertschwankungsrisiken zu tragen, und deswegen keine schlaflosen Nächte bekommen.

Ob es wirklich so klug ist, die Hypotheken stehen zu lassen, ist Ansichtssache. Ich bin in diesem Punkt konservativer: Wenn Sie die Schulden behalten und das nicht abgezahlte Geld investieren, legen Sie faktisch Geld an, das Ihnen nicht gehört. Solange es aufwärtsgeht, ist dies kein Problem. Wenn Sie aber auf hohen Buchverlusten sitzen, wäre es problematisch.

Dazu kommt, dass Sie der Bank für die Hypothek auch Zinsen zahlen. Diese Zinsen könnten Sie sich durch eine Teilamortisation sparen. Stattdessen müssen Sie mit dem investierten Geld zwingend mehr Rendite erwirtschaften, als Sie der Bank Zinsen zahlen. Mit sehr konservativen Anlagen ist dies keineswegs so einfach.

Es stimmt, dass Sie sich eine höhere Flexibilität sichern, wenn Sie die Hypothek nicht amortisieren, zumal viele Banken Rentnern wie Ihnen gar keine neuen Hypotheken mehr vergeben. Dennoch würde ich die Frage der Teilamortisation nicht von vornherein ausschliessen.

Es ist klar, dass die Banken kein Interesse an einer Amortisation der Hypothek haben. Denn solange Sie eine Hypothek behalten und dann auch noch Anlagen tätigen, verdienen die Banken gleich doppelt. Ob für Sie dabei unter dem Strich die Rechnung immer aufgeht, ist aber nicht sicher. Wenn Sie amortisieren, fällt der Verdienst der Bank weg.

Und damit können wir den Kreis schliessen und sind wieder bei der Frage der Interessenkonflikte angelangt. Letztlich müssen Sie sich genau überlegen, welche Interessen und Bedürfnisse Sie persönlich haben, welche Risiken Sie eingehen können, und sich bewusst sein, dass eine Bank nie ein Wohlfahrtsunternehmen ist, sondern über eine optimale Beratung hinaus immer auch eigene Interessen hat.

Und das ist durchaus legitim.  

13 Kommentare zu «Keine Bank arbeitet ohne Eigennutz»

  • Claude Fontana sagt:

    Ich hab ja nichts dagegen, wenn eine Bank Gewinne machen will, aber warum muss immer der Kunde einstehen und der Unzufriedene sein, in dieser Dreiecksbeziehung?Schliesslich ist es ja bisher der Steuerpflichtige Bürger, der die Bank(über Steuergelder) aus dem Sumpf zieht, wenn Sie crasht. und nicht der Aktionär. Jeder Bürger, oder Kontoeröffner, der zur zeit vom 2008 seine Steuern bezahlt hatte, hätte meiner Meinung nach bei den Banken die gerettet wurden mindestens ein extra% Zinsen verdient.

    • Wenger Werner sagt:

      Der Bund hat der UBS Geld ausgeliehen und alles plus einen ordentlichen Zins zurück erhalten. Ihre Meinung sollten Sie rasch revidieren, sie ist falsch.

      • Claude Fontana sagt:

        Was hat der Bürger denn als gegenleistung gekriegt? Meine Meinung Steht auf einem Beweis begründeten Fundament. Was Der Bund gekriegt hat, geht mich nichts an.

      • Peter Schneider sagt:

        Hmm wir alle sind Teil des Bundes. Soviel Gemeinschaftssinn sollte noch vorhanden sein…

      • felix burger sagt:

        Korrekter weise muss man aber auch festhalten, dass zu Beginn der Rettungsaktion absolut unklar war, wie diese enden würde. Der Staat hat auf sehr hohes Risiko gespielt. Es hätte auch sehr gut zu einem milliardenhohen Verlust führen können, für welchen die Steuerzahler hätten gerade stehen müssen.

    • UrsO sagt:

      @CF: Dann müssten Sie korrekterweise auch sagen, was der Bund (temporär) ausgegeben hat, geht mich nichts an! Aber in diesen Fällen spricht man dann immer von „meinen Steuergeldern“.

  • A. Osborn sagt:

    Dass das VZ Vermögenszentrum im Vergleich zu anderen Banken viel weniger Gebühren verlangt wird im Artikel nicht erwähnt. Ich bereue heute noch, dass ich den Wechsel von der UBS zum VZ nicht schon viel früher gemacht habe. Und das VZ ist, wie im Artikel erwähnt, unabhängig, da es keine eigenen Produkte führt.

    • Tom Sivers sagt:

      VZ-Gruppe: Unabhängig abhängig
      Um die Beratungs­dienstleistung des VZ sammelt sich ein Wust von Angeboten, Tochtergesellschaften und Zusammenarbeitsverträgen mit Banken an. Eine wirklich unabhängige Beratung zeichnet sich dadurch aus, dass keine anderen Interessen als diejenigen des Kunden berücksichtigt werden. Beispiele für andere Interessen sind Angebote für Vermögensverwaltung, Geldanlage und Hypotheken. Diese Angebote sind legitim, aber nicht mehr unabhängig.

    • Carmen Haag sagt:

      @ A. Osborn: Bei der VZ-Gruppe bezahlen die Kunden über einen Honoraransatz. Mir persönlich sind Beratungsquälität wichtiger als tiefe Gebühren.

  • Widmer sagt:

    Auch die VZ-Gruppe kocht nur mit Wasser. Wenn keine Finanzkrise ist und die Aktienkurse immer wieder nach oben zeigen , ist es kein Kunstwerk Gewinne zu erzielen. Übrigens: ich war Kunde bei VZ sie setzten mir mehrere tausend Franken in den Sand. Die sind nicht besser als die Banken. Die Berater kosten mehr als bei der UBS, die ja immer kritisiert wird, gerade von denen.

  • urs brand sagt:

    Die angebliche Unabhängigkeit des VZ habe ich vor Jahren auch geglaubt. Die schönen Prospekte, die tollen Renditen alles wunderbar – jedoch habe ich über 10 Jahre als VZ Kunden keinen Profit gemacht sondern bei Auflösung der Kundebeziehung weniger abgezügelt als ich dem VZ zur Verwaltung übergeben habe. Heute rühmt sich das VZ der Unabhängigkeit verkauft aber in gleichem Atemzug alle Bankprodukte. Somit kann von Unabhängigkeit keine Rede sein. Geht es nach dem VZ, wollen sie beraten, die Konten führen, das Depot verwalten und die gesamte Vermögensverwaltung managen. Ergo verdient das VZ an jeder Transaktion die es auslöst auch gleich mit was ein klarer Interessenskonflikt ist.

  • Bigger René sagt:

    R.B.
    25.Mai 2018
    VZ wirbt mit niedrigeren Kosten für die Vermögensverwaltung.
    Das im Vergleich mit anderen Instituten auch etwas billiger ist.
    Weniger Verwaltungskosten heisst aber nicht zwingend eine bessere Rendite !
    Also aufgepasst mit einer angedeuteten jährlichen, durchschnittlichen Nettorendite von 1,75% für de Kunden. Mein defensives Anlageprofil mit ca. 35% Aktienanteil brachte mir auf die letzten 3 Jahre einen Verlust von 1.03%.

    • UrsO sagt:

      Ging mir gleich so: bei 1.6% jährlichen Gebühren resultierten mit meiner „regelbasierten“ Anlage beim VZ nach 5 Jahren einen Nettoverlust von 2%, und das in einer Zeit wo zB der SMI 20% zugelegt hat, oder meine Direktaktieninverstitionen gar 40%. Meine Ansicht war schon immer so: „so schlecht wie ein Finanzberater kann ich alleweil auch noch sein“.

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