Warum Sie jetzt amortisieren sollten

Fröhliches Amortisieren: Parkiertes Geld bringt weniger ein als Hypotheken kosten. Foto: Getty Images

Ich besitze ein Einfamilienhaus, das heute einen Verkehrswert von mindestens einer Million Franken hat. Auf dem Objekt liegt noch eine Hypothek von 200’000 Franken. Gleichzeitig habe ich letztes Jahr mein Bargeld von 200’000 Franken dem VZ zur Verwaltung anvertraut, mit einer Strategie von 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Zinswerten. Würden Sie mir eine Amortisation der Festhypothek empfehlen, die 2020 ausläuft? P.H.

Ja, allerdings gilt es vor einem Entscheid mehrere wichtige Faktoren zu prüfen.

Sie schreiben mir, dass Sie im letzten Jahr mit dem Aktienanteil gute Buchgewinne, aber mit dem Obligationenanteil eine negative Entwicklung erzielt haben. Wenn man im jetzigen Tiefzinsumfeld Kapital in Schweizerfranken-Anleihen von erstklassigen Schuldnern investiert, hat man eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass man nach Abzug aller Gebühren Geld verliert.

Sehr sichere Bundesobligationen mit einer Laufzeit von zehn Jahren weisen weiter eine Negativrendite aus. Auch Unternehmensanleihen in Schweizerfranken von sehr guten Schuldnern werfen nur mickrige Zinsen ab. Immerhin können Sie die Rendite mit Fremdwährungsanleihen etwas aufbessern, tragen dann aber in der Regel ein Währungsrisiko oder müssen dieses absichern, was es allerdings auch nicht gratis gibt. Mit konservativen Anleihen jedenfalls gibt es derzeit kaum viel zu verdienen.

Wenn man die Gebühren berücksichtigt, liegt man oft unter dem Zins, den Sie aktuell für Ihre Hypothek bezahlen, obwohl auch die Hypozinsen günstig sind. Dies spricht dafür, dass Sie Ihre Hypothek zumindest mit dem Kapitalanteil, der in Frankenanleihen steckt, teilamortisieren.

Ausserdem schreiben Sie, dass Ihre Partnerin 100’000 Franken an die Amortisation beisteuern würde, welche derzeit auf dem Sparkonto liegen und ebenfalls praktisch nichts mehr abwerfen. Sie könnten sich somit die Bankzinsen sparen und würden unter dem Strich besser fahren – selbst dann noch, wenn Sie berücksichtigen, dass Sie die Kosten für die Zinsen von den Steuern abziehen dürfen.

Zu beachten gilt es allerdings, dass die Zinsen nicht ewig so tief wie heute bleiben. Wahrscheinlich bekommen Sie in ein paar Jahren auf den Anleihen wieder mehr Zins – doch dann ist auch die Hypothek teurer – ausser Sie hätten erneut eine günstige Festhypothek abgeschlossen. Dennoch tragen Sie dann ein Anlagerisiko.

Unabhängig von diesen anlagetechnischen Erwägungen sollten Sie prüfen, wie viel liquide Mittel Sie und Ihre Partnerin künftig halten möchten – insbesondere in Hinblick aufs Alter. Sie müssen sich bewusst sein, dass die meisten Banken nach einer Amortisation Rentnerinnen und Rentnern kaum mehr eine neue Hypothek gewähren, weil die Tragbarkeit gemäss den verschärften Regeln oft nicht mehr automatisch gegeben ist.

Ich rate Ihnen, sich zusammen mit Ihrer Partnerin zu überlegen, was Ihre finanziellen Bedürfnisse in den nächsten Jahren sind und wie sich Ihre diesbezüglichen Perspektiven präsentieren. Je nachdem wie komfortabel Ihre Altersvorsorge aussieht, macht eine Amortisation der Hypothek durchaus Sinn.

Falls Ihre Altersvorsorge aber eher etwas eng bemessen ist, müssten Sie sich eine Amortisation gut überlegen. Denn ansonsten könnte es passieren, dass ein Grossteil Ihrer Mittel im Haus blockiert sind, Sie im Alter aber nur wenig flexiblen finanziellen Spielraum für andere Zwecke besitzen.