Wie Sie zu Aktien bei Börsengängen kommen

Ohne Infos keine Chance: Wer Aktien zum Emissionspreis sucht, kommt nicht umhin, die Wirtschaftspresse zu verfolgen. Foto: Keystone

Wie kann man als Kleinanleger wissen, wann eine IPO startet und so Aktien zum Emissionspreis kaufen? Ich bin Kunde bei Swissquote. Dort kann man Kaufbefehle nur für bereits kotierte Unternehmenstitel programmieren. C.K.

Aktien von einem Börsenkandidaten können Sie grundsätzlich bei jeder Bank zeichnen. Wenn Sie Interesse an solchen Papieren haben, müssen Sie sich frühzeitig mit Ihrer Bank in Verbindung setzen.

In der Praxis ist es allerdings so, dass Ihre Erfolgschancen, Aktien bei Börsengängen mit hoher Nachfrage zu erhalten, stark davon abhängen, bei welcher Bank Sie den Kaufauftrag erteilen. Wenn Sie Kundin oder Kunde jener Bank sind, welche den Börsengang begleitet, haben Sie eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, tatsächlich die gewünschten Aktien zugeteilt zu bekommen oder wenigstens einen Teil Ihrer gewünschten Aktienzeichnung zu erhalten.

Bei vielen Börsengängen ist die Nachfrage nach Aktien deutlich höher als das Angebot bei der Aktienemission. Die Bank wird somit über die Zuteilungswünsche entscheiden und die Anzahl der den einzelnen Kunden zugeteilten Aktien nach unten korrigieren müssen. Vor allem dann, wenn die Investor-Story eines Börsenkandidaten attraktiv ist, das Unternehmen künftig hohe Wachstumsraten verspricht und der Ausgabepreis nicht übertrieben ist, hat dies zur Folge, dass viele Anleger, die gerne neue Aktien zeichnen möchten, leer ausgehen.

Gerade bei grösseren Börsengängen bilden oft mehrere Banken ein Konsortium. Bei diesen können Sie dann als Kunde eher auf eine Zuteilung hoffen. Welche Banken zum Konsortium zählen, wird bereits frühzeitig vor dem IPO kommuniziert. Bevor die Aktien dann das erste Mal an der Börse gehandelt werden, geht ein langer Vorbereitungsprozess voraus. Dazu zählt auch die Kommunikation der Börsengangpläne.

Wenn Sie die Wirtschaftsnachrichten und die Wirtschafts- und Finanzmedien regelmässig verfolgen, was ich Ihnen als Investor für Ihre Urteilsfindung ohnehin empfehle, werden Sie über Börsenpläne von Unternehmen informiert. In diesen Medien finden Sie auch regelmässig Artikel über bereits bekannte Börsenkandidaten sowie potenzielle Börsenkandidaten.

Sobald ein Börsengang angekündigt wird, muss das Unternehmen regelmässig über den dann laufenden Vorbereitungsprozess informieren. Dazu zählt zum Beispiel auch der Prozess der Preisfindung für die neuen Aktien. Der Ausgabepreis wird in einem langen Prozess ermittelt, bei dem die Vorstellungen der bisherigen Altaktionäre mit den Anforderungen und Möglichkeiten des Kapitalmarktes und den dann herrschenden Rahmenbedingungen detailliert abgestimmt werden.

In der Regel weist der Emissionspreis einen Abschlag auf den fairen Wert der neuen Aktien aus. Mit diesem Abschlag sollen die neuen Aktionäre für das Risiko entschädigt werden, die sie bei einer Neuemission eingehen. Denn obwohl Börsengänge wie Medartis oder Sensirion oder noch früher der VAT Group jenen, welche Aktien gleich beim IPO zugeteilt bekamen, schöne Gewinne brachten, ist ein Börsengang keine Lizenz zum Geldverdienen. Längst nicht alle Börsengänge waren erfolgreich.

Der Kurs kann auch nachgeben. Dass dies jederzeit möglich ist, zeigt zum Beispiel der Börsengang der Landis+Gyr im letzten Jahr. Sie müssen immer auch das Risiko in Kauf nehmen, dass Sie zwar neue Aktien kaufen, diese dann an der Börse wenig gefragt sind, der Kurs nach unten geht und Sie unter Umständen auf erheblichen Buchverlusten sitzen.

 

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