Wohin mit dem vielen Geld, Novartis?

Novartis hat eine volle Kasse: Der Pharmakonzern hat wegen Verkäufen Milliarden für Zukäufe. Foto: Urs Jaudas

Novartis hat eine volle Kasse: Der Pharmakonzern hat wegen Verkäufen Milliarden für Zukäufe. Foto: Urs Jaudas

Novartis hat ein Luxusproblem. Mit seinen finanziellen Möglichkeiten könnte der Pharmakonzern praktisch jedes mittelgrosse Biotech-Unternehmen im Nasdaq Biotech Index kaufen. Mit dem Verkauf der Anteile am OTC-Joint-Venture hat sich die Situation noch verbessert. Für rund 13  Milliarden Dollar veräusserte Novartis seine Anteile an den Partner Glaxo­SmithKline. Novartis sollte in den nächsten Jahren dank diverser neuer Medikamente auf die Wachstumsspur finden, nachdem 2016 und 2017 wegen des Patentablaufs des Multimilliarden-Krebspräparats Glivec als Übergangsjahre taxiert werden mussten. Zwar bemängeln einzelne Marktteilnehmer die Innovationskraft der Basler. Doch auch wenn dem so wäre, liessen sich Lücken durch Akquisitionen schliessen. Damit dürfte auch das langfristige Wachstum gesichert sein. Weiter wird eine Abspaltung von Alcon zusätzlichen Wert freisetzen. Die Augenheil­sparte hat praktisch keine Synergien zum Restgeschäft. Mit einem Entscheid ist Ende 2018 oder spätestens Anfang 2019 zu rechnen. Aktuell beläuft sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2018 auf 20. Angesichts der Perspektiven ist das durchaus vertretbar. Kaufen

Umsatz von 2,5 Milliarden Franken für Hemlibra

Wieder gerät das Medikament Hemlibra zur Behandlung der Bluterkrankheit von Roche in die Schlagzeilen, in denen es um Todesfälle geht. Bei den jüngst Bekanntgewordenen beeilte sich der Konzern, mitzuteilen, dass es nach Einschätzung der Ärzte keinen Zusammenhang gebe zwischen der Behandlung und den Sterbefällen. Entsprechend verhalten war auch die Reaktion an den Aktienmärkten. Das Mittel stellt gegenüber der herkömmlichen Behandlung einen Fortschritt dar, ist aber auch für andere Nebenwirkungen bekannt. Da die Todesfälle aber damit offenbar nichts zu tun haben, dürfte sich an der Einschätzung wenig ändern. Für Hemlibra erwarten Analysten im Schnitt einen Umsatz von rund 2,5  Milliarden Franken im Jahr 2022, was gut 4  Prozent des ­Konzernumsatzes ausmachen soll. Zugleich sind Analysten aber skeptisch, ob der Konzern in der zukunftsweisenden Krebsimmuntherapie gegenüber der Konkurrenz aus den USA Boden gutmachen kann. Seit Anfang Februar, als die jüngste Börsenkorrektur begann, verloren die Roche-Genussscheine nur 1,5  Prozent – im Vergleich zu minus 6  Prozent im Leitindex SMI. Risikobewusste Anleger sollten zugreifen. Kaufen

180 Millionen Franken Verlust 

Der Stromkonzern Alpiq hat zu Wochenbeginn für Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen verkauft sein Industriegeschäft für 850 Millionen Franken an den französischen Baukonzern Bouygues. Zurück bleibt ein deutlich kleineres Unternehmen, mit einem Viertel weniger Umsatz und etwa einem Sechstel der Mitarbeiter. Grund ist, dass Alpiq sich von personalintensiven Bereichen trennt. In diesen Bereichen – allen voran der Gebäudetechnik – steckte auch viel Potenzial. Das kommt nun dem Käufer zugute. Den ursprünglichen Plan, Wachstumsfelder teilweise für Investoren zu öffnen, konnte Alpiq nicht umsetzen. Zurück bleibt ein Unternehmen, das stark gegenüber der kriselnden Schweizer Stromproduktion exponiert ist. Im Geschäftsjahr 2017 erlitt Alpiq mit Elektrizität aus Schweizer Atom- und Wasserkraft inklusive aller Kosten 180  Millionen Franken Verlust. Mindestens für die nächsten beiden Jahre dürften Mittel abfliessen. Der Stromkonzern wird die Einnahmen aus dem Verkauf also mehrheitlich auf die hohe Kante legen, investieren kann er nicht. Auch eine Dividendenzahlung ist vorerst nicht zu erwarten. Immerhin: Mittelfristig könnte sich die Lage bessern. Abwarten

Es fehlen die grossen Aufträge

Glück und Elend liegen an der Börse oftmals nahe beieinander. In nur einer Woche haben die Aktien von Solarspezialist und Börsenliebling Meyer Burger über 35  Prozent verloren. Sie notieren damit wieder auf dem Stand von Juni 2017. Damals war die Welt für die Thuner noch in Ordnung. Neue Solarprojekte aus China füllten die Auftragsbücher und schickten die Aktien in den Steigflug. Nach jahrelanger Krise hatte sich das Umfeld in der Solarindustrie endlich wieder aufgehellt. Mit einem Wertzuwachs von über 230  Prozent wurden die Aktien von Meyer Burger im letzten Jahr zu einem Top-Performer. In diesem Jahr ist alles anders. Es fehlen die grossen Aufträge und Chef Hans Brändle dämpft die Wachstumserwartungen auf ein realistisches Niveau. Viele Anleger, die sich an schnelle Erfolge gewöhnt hatten, kehren den Aktien enttäuscht den Rücken. Die Turbulenzen in den Titeln dürften anhalten. Abwarten

Raueres Klima für Technologieaktien

Vergangenes Jahr war ein Homerun für Aktionäre von AMS. Sie konnten mit Papieren des österreichischen Apple-Zulieferers kaum etwas falsch machen. Die ­Vorfreude auf das iPhone X von Apple, für das AMS wichtige Komponenten liefert, trieb AMS-Aktien in die Höhe. Dieses Jahr harzt es. Nach Vorlage der Jahresbilanz und optimistischen Aussagen des Unternehmenschefs lagen AMS-Aktien Anfang März gerechnet von Ende 2017 zwar schon mal mehr als 35  Prozent im Plus. Drei Wochen später beträgt der Zuwachs aber nur noch 15  Prozent. Das Umfeld für Technologieaktien ist nach dem Unfall eines selbstfahrenden Uber-Wagens und dem Facebook-Datenskandal rauer geworden. Das bekommt auch AMS zu spüren, zumindest am Aktienmarkt. Fundamental hat sich nichts geändert. Sensoren werden wichtiger. Wer glaubt, dass AMS-Chips künftig in mehr Produkten – nicht nur Smartphones – vertreten sein werden, nutzt die Rückschläge zum Einstieg. Nur Ausdauer ist gefragt. Und Kursschwankungen dürfen auch nicht schrecken. Dosiert kaufen

1 Kommentar zu «Wohin mit dem vielen Geld, Novartis?»

  • R. Wenger sagt:

    Kaffeesatzlesen. Eine Prognose ist immer schwierig, besonders wenn es um die Zukunft geht. Einst galten Eastman-Kodak als sicherer Wert. Dann kam die digitale Fotografie und für diesen Valor der Ruin. Nehmen Sie an, Sie lesen beim Frühstückkaffee in der Zeitung, ein Forscherteam hätte eine Impfung gegen Krebs gefunden. Das wäre ein Segen für die Menschheit und eine Katastrophe für Roche. Also gut diversifizieren und nicht alle Eier in den gleichen Korb legen.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.