Zur-Rose-Aktie als Spielball der Politik

Zur-Rose-Gruppe unter Druck: In Deutschland ist rund ein Viertel des Umsatzes der Versandapotheke gefährdet. Foto: Keystone

Ich besitze Aktien der Zur-Rose-Gruppe. Die Lage ist zurzeit ein Desaster. Soll ich verkaufen oder abwarten? Was ist Ihre Meinung? G.G.

Manchmal profitieren Aktien von der Politik: So geschehen seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, als die Aktienmärkte deutlich zulegten. Manchmal aber wird die Politik für Aktien zu einer schweren Hypothek. So geschehen bei den Papieren der Schweizer Zur-Rose-Gruppe. Die Versandapotheke ist plötzlich zum Spielball der Politik in Deutschland geworden.

Die in Deutschland geplante grosse Koalition zwischen der SPD und der CDU/CSU unter Kanzlerin Angela Merkel hat sich in der Koalitionsvereinbarung gegen Versandapotheken ausgesprochen. Hier ist zu lesen: «Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein.» Das ist ein schwerer Tiefschlag für die Schweizer Zur-Rose-Gruppe, welche mit dem Versandhändler Doc Morris von den Niederlanden aus den deutschen Arzneimittelhandel abdeckt.

Dies würde bedeuten, dass die Zur-Rose-Tochter Doc Morris künftig nur noch Produkte, welche nicht verschreibungspflichtig sind, in Deutschland vertreiben dürfte. Rund ein Viertel des Zur-Rose-Umsatzes wäre gefährdet, da Doc Morris im letzten Jahr Verkäufe mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland von über 200 Millionen Euro erzielte. Mit einem Federstrich würde der Umsatz von Zur Rose im Zuge des durch die grosse Koalition in Aussicht gestellten Verbots unterbunden. Für das Unternehmen fatal.

Noch schlimmer wäre allerdings, dass die Zukunftshoffnungen für Doc Morris und damit auch für die Zur-Rose-Aktien infrage gestellt sind: Genau im Markt Deutschland besteht für die Zur-Rose-Gruppe ein riesiges Wachstumspotenzial, welches noch lange nicht ausgeschöpft ist. Entsprechend sind die Zur-Rose-Titel eingebrochen.

Obwohl Sie keine Garantie haben, dass die Aktien nicht noch mehr in den Keller gehen, würde ich persönlich auf dem aktuellen Niveau nicht verkaufen. Erstens ist es noch nicht absolut sicher, ob die grosse Koalition wirklich zustande kommt. Zweitens muss das für Doc Morris schädliche Gesetz zuerst noch ausgearbeitet werden und dann im deutschen Bundestag durchkommen. Bis zu einer Abstimmung ist es ein weiter Weg. Und drittens könnte das Verbot dann auf EU-Ebene juristisch angefochten werden.

In der Aktie ist das mögliche Verbot wohl schon weitgehend eingepreist. Wenn das Verbot überraschend dann doch nicht käme, wäre dies später eine positive Überraschung für Zur Rose, was den Aktien wieder eine deutliche Erholung brächte.

Die Politik ist über das operative Geschäft hinaus für Zur Rose eine schwere Hypothek und damit ein beträchtliches Risiko, welches Sie als Aktionär voll mittragen. Sie müssen entscheiden, ob Sie dieses Zusatzrisiko tragen können und wollen. Auf dem momentan tiefen Niveau würde ich eher das Risiko tragen – in der Hoffnung, dass eine Erholung möglich ist, zumal sich die Zur-Rose-Gruppe im operativen Geschäft von den Unwägbarkeiten in Deutschland abgesehen, recht positiv entwickelt.

1 Kommentar zu «Zur-Rose-Aktie als Spielball der Politik»

  • H. Kaps sagt:

    Der Handel mit verschreibungspflichtigen AM ist in D im Sinne des Gemeinwohls sehr stark reglementiert. Es ist explizierter Wille des Gesetzgebers, hier das Heft des Handelns in der Hand zu behalten, und sich die Bedingungen nicht von AGs bzw. Krankenkassen diktieren zu lassen. Gerade an der Schwelle zum digitalen Rezept ist es glasklar, dass man Versendern hier nicht die Lieferhoheit überlassen möchte.
    Wichtig in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass das besagte EuGH Urteil sicher eine juristische Präzisierung erfahren wird. Vielleicht wird es ganz ohne Versandverbot trotzdem eng für Zur Rose, weil die Belieferung nur ohne Boni erlaubt sein könnte. Und dann wären sie wieder am Anfang.

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