Nestlé-Papiere sind günstig geworden

Nestlé: Die Aktien sind mit weniger als 78 Franken unterbewertet. Foto: Shutterstock

Nach dem Gewitter zu Wochenbeginn haben sich die Aktienmärkte etwas beruhigt. Ich bin mit den meisten einig, die sagen, dass die kommenden Wochen und Monaten weitere Korrekturen bringen werden. Die Nerven mancher Investoren sind immer noch angespannt, doch finden sich bereits wieder Kaufwillige. Dies in der Annahme, dass die gut laufende Wirtschaft das Risiko eines veritablen Kurssturzes minimiert. Auch im Swiss Market Index (SMI), dem Leitbarometer der Schweizer Börsenschwergewichte, finden sich Titel, die nach der jüngsten Talfahrt eine Einstiegsgelegenheit bieten. Zumindest für risikofähige An­leger. So sind Nestlé-Papiere derzeit mit Kursen unter 78 Franken meiner Ansicht nach klar unter Wert eingestuft. Der Nahrungsmittelmulti ist unter Chef Mark Schneider weit aktiver als unter dessen Vorgänger. Für unrentable Geschäfte werden neue Eigentümer gesucht, ertragversprechende Geschäftsfelder in Bereichen wie Kaffee und Wasser dagegen zugekauft. Die Anstrengungen, wieder vermehrt aus eigener Kraft zu wachsen, sollten sich im vierten Quartal ausbezahlt haben. Am Donnerstag wird Schneider erstmals über ein ganzes von ihm verantwortetes Geschäftsjahr berichten. Noch mehr interessiert der Ausblick. Ich bin zuversichtlich. Kaufen

Rückenwind vom Markt

Auch andere Titel sind auf ein ­attraktives Niveau zurückge­kommen. Die Papiere von Lafarge­Holcim beispiels­weise pendeln seit zwölf Monaten zwischen 55 und 60 Franken. Darin spiegelt sich ein turbulentes Jahr, das im Rücktritt des Unternehmenschefs gipfelte. Operativ ist Rückenwind vom Markt durchaus vorhanden. 2017 wuchs der globale Zementmarkt erstmals seit neun Jahren wieder. Dem neuen Konzernchef Jan Jenisch ist zuzutrauen, dass er die Marktdynamik für sein Unternehmen zu nutzen weiss, auch wenn er aus LafargeHolcim keine Sika machen kann. Anfang März will Jenisch seine Strategie präsentieren. Er wird keine Revolution auslösen, aber ich erwarte, dass er mit grosser Bestimmtheit wichtige Hebel umlegt. Kaufen

Aktienrückkauf von 1 Milliarde Dollar

Der Versicherungskonzern Zurich Insurance ist seit Jahren der Dividenden-Champion unter den Schweizer Multis. Nun will Unternehmenschef Mario Greco den Aktionären eine noch grössere Ausschüttung zukommen lassen. Die Dividende soll von 17 auf 18 Franken je Aktie steigen, woraus sich die Investoren satte 6 Prozent Rendite errechnen können. Und Greco legt noch einen drauf: Der Aktionärsversammlung vom 4. April werden ein Rückkauf eigener Aktien für bis zu 1 Milliarde Dollar und die anschliessende Vernichtung dieser Papiere beantragt. Der Effekt davon ist, dass künftige Gewinne und Dividenden auf eine kleinere Zahl verbleibender Aktien zugeteilt werden können, was höhere anteilige Beträge ausmachen wird. Doch wie geht all das zusammen mit der Tatsache, dass 2017 der Gewinn um 6 Prozent auf noch 3 Milliarden Dollar geschrumpft ist? «Super Mario» Greco sagt, das Unternehmen sei widerstands­fähig geworden und habe beste Geschäftschancen. Kapital wird auch nach der Ausschüttung und dem Aktienrückkauf reichlich vorhanden sein – selbst falls 2018 erneut Sonderaufwendungen wegen schwerer Naturereignisse verdaut werden müssen. Die Aktien notieren auf einer im Branchenvergleich hohen Bewertung, die Investorennachfrage dürfte aufgrund von Rendite und Aktienrückkauf lebhaft bleiben. Aktionäre sollten sich jedoch darauf einstellen, dass die Valoren unmittelbar nach Zahlung der umfangreichen Dividende am 6. April einige Prozente korrigieren. Abwarten

Interimschef würde gerne bleiben

Leonteq im Blick zu haben, ist immer spannend. Der Derivatspezialist hat sich 2017 nicht nur stabilisiert, sondern die Erwartungen sogar übertroffen. Für das Turnaroundjahr präsentierte Leonteq am Donnerstag einen verbesserten Ertrag und Gewinn. Der Aktienkurs reagierte dennoch negativ, denn hinter der Zukunft des Unternehmens stehen einige Fragezeichen. Gibt es für 2018 wieder eine Dividende? Wie werden sich Ertrag, Gewinn und das ungesunde Kostenverhältnis entwickeln? Auch einen neuen Chef hat der Verwaltungsrat noch nicht bestimmt, Interimslösung Marco Amato liess aber durchblicken, dass er nicht abgeneigt wäre, weiter an der Spitze zu stehen. Zu vielen Themen schweigt das Unternehmen, denn es hat seine Kommunikationsstrategie seit geraumer Zeit geändert. Es präsentiert solide Zahlen statt luftiger Versprechungen wie in der Vergangenheit. Den Kurs heizt diese Strategie kurzfristig natürlich nicht an. Die langfristigen Wachstumschancen Leonteqs sehe ich aber weiterhin intakt. Kaufen

Snapchat für Junge

Unternehmen, die im Internet werben wollen, haben im Wesent­lichen zwei Alternativen – und das weltweit. Sie können ihre Onlineannonce über das Werbenetzwerk von Google schalten oder auf der Plattform von Facebook werben. Allein in den USA kontrollieren die beiden Tech-Giganten fast zwei Drittel der Internetwerbung. Global soll die Dominanz noch grösser sein, heisst es. Doch Werbekunden mögen kein Duopol, und deshalb schafft diese Konstellation Platz für lachende Dritte, Snap etwa. Die US-Gesellschaft betreibt Snapchat, einen Mitteilungsdienst für Junge und Junggebliebene. Die Zahlen zum vierten Quartal haben bestätigt, dass Snapchat mehr Werbung anzieht. Die Aktien von Snap sind in einem schwierigen Markt fast 50 Prozent nach oben geschossen. Zur Beimischung in das Depot eignen sich die Papiere dennoch. Snap ist auf dem rich­tigen Weg. Das Gros der Onlineannoncen wird inzwischen automatisiert verkauft. Kaufen