Schweiz treibt für die USA Steuern ein

Steuerpflichtige Schweizer in New York: Der lange Arm der US-Justiz reicht bis in ihre alte Heimat.

Mein Mann und ich sind seit der Heirat in den USA steuerpflichtig. Wir bezahlen jedes Jahr unsere Steuern in den USA und in der Schweiz. Nun erhielt ich von meiner Bank die Aufforderung, die nötigen Papiere für das Fatca-Abkommen auszufüllen, zu unterschreiben und zu retournieren. Meine Frage: Hat die Bank Spielraum? Kann sie bestimmen, ob Steuerbetrug oder Steuerhinterziehung vorliegt oder muss sie tatsächlich für jeden US-steuerpflichtigen Kunden die Papiere überweisen? B.C.

Der «Foreign Account Tax Compliance Act», der hinter dem Kürzel Fatca steht, sorgt nicht nur bei den Banken in der Schweiz, sondern auch bei vielen Kundinnen und Kunden für Aufwand. Und beschert vielen, wie Ihnen, eine Menge Sorgen. Anders als der Automatische Informationsaustausch (AIA), der einen gegenseitigen Datenaustausch unter den angeschlossenen Partnerstaaten sicherstellt, ist Fatca ein einseitiges Steuergesetz mit dem Ziel, Steuerhinterziehung zulasten der USA zu verhindern.

Leider hatte die Schweiz dieses bereits seit Ende Juni 2014 geltende Abkommen ebenso wie viele andere Länder unterzeichnet und umgesetzt, obwohl sie selbst keinen Nutzen daraus zieht. Aus Angst vor dem Druck der USA hatte sich die Schweiz auch hier dem Diktat der Amerikaner gebeugt, was ich als einen Fehler erachte.

Ein neutrales, unabhängiges Land wie die Schweiz sollte nie auf Druck eines anderen Landes hin ein Gesetz übernehmen, schon gar nicht ein Gesetz, das ihm nichts bringt, sondern nur schadet und den hiesigen Banken grossen Aufwand und Kosten verursacht – auch dann nicht, wenn dies eine Supermacht wie die USA fordert.

Doch das nützt Ihnen nun nichts mehr. Fatca ist in Kraft und verlangt auch von den Schweizer Banken, dass sie den US-Steuerbehörden regelmässig Daten über alle US-Konten weitergeben. Laut dem zwischen der Schweiz und den USA geltenden Modell müssen die Banken der Schweiz die meldepflichtigen Kontodaten mit Zustimmung der betroffenen Kunden direkt an die US-Steuerbehörde, den Internal Revenue Service (IRS), melden.

Wenn die Zustimmung von Ihnen nicht vorliegt, erfolgt eine anonymisierte, aggregierte Meldung gewisser Kontoinformationen wie es bei der Schweizerischen Bankiervereinigung heisst: «Auf der Basis der aggregierten Meldung kann die US-Steuerbehörde schliesslich mittels eines Amtshilfegesuchs die Übermittlung von spezifischen Kunden- und Kontodaten verlangen.»

Da das Abkommen bereits seit drei Jahren in Kraft ist, wundere ich mich, dass Ihre Bank erst jetzt von Ihnen die Unterzeichnung aller für die Erfüllung von Fatca nötigen Unterlagen verlangt. Aufgrund Ihrer Leseranfrage habe ich mich bei der Compliance-Abteilung einer Bank in Zürich erkundigt, welchen Spielraum die hiesigen Institute hätten.

Die Antwort ist eindeutig: Die Banken haben keinen Spielraum und müssen laut dem Abkommen alle erforderlichen Unterlagen über ihre US-steuerpflichtigen Kundinnen und Kunden wie Sie einreichen. Es liegt auch nicht an den Banken einzustufen, ob Steuerhinterziehung oder Steuerbetrug vorliegt, sondern sie müssen die Dokumente auch dann an die Amerikaner weiterreichen, wenn keinerlei Verdacht betreffend Steuerhinterziehung besteht. Wenn die Bank die Daten nicht liefert, macht sie sich selbst strafbar und riskiert Sanktionen, was sie auf keinen Fall in Kauf nehmen will.

Ich empfehle Ihnen, alle Unterlagen wahrheitsgetreu auszufüllen und an die Bank einzureichen. Darin liegt die Problematik des von den USA der Schweiz und anderen Staaten aufgezwungenen Gesetzes. Letztlich haben Sie gar keine andere Wahl, als zu kooperieren. Tun Sie es nämlich nicht, wird Sie die Bank den US-Behörden einfach als «nicht kooperierend» melden, was zur Folge haben dürfte, dass die Amerikaner über die Schweizer Steuerverwaltung fordert, dass Ihre anonymisiert gelieferten Kundendaten offengelegt würden.

Daher rate ich Ihnen, gleich zu kooperieren. Wenn Sie die Dokumente nicht unterschreiben, riskieren Sie ausserdem, dass die Bank die Kundenbeziehung mit Ihnen auflöst – weil sie nämlich keinen Konflikt mit den US-Steuerbehörden haben will. So weit also reicht der Arm der US-Justiz in der unabhängigen Schweiz.

Oder anders ausgedrückt: Die Schweiz ist Steuervogt – also Steuereintreiberin – für die USA, ohne dass sie davon einen Nutzen hat. Aus meiner Sicht ist dies politisch ein Skandal, dessen sich die wenigsten Schweizerinnen und Schweizer bewusst sind.

34 Kommentare zu «Schweiz treibt für die USA Steuern ein»

  • Stefan W. sagt:

    Das Erstaunlichste war ja, wie wenig Kritik von Seiten der Medien damals zu hören war. Kaum jemand wagte es, Kritik am Verhalten der Schweizer Regierung im Zusammenhang mit Fatca zu äussern. Die Frage ist: Warum? Bei der Regierung war es Angst vor US-Druck auf die Grossbanken, das ist klar. Aber was hat die Qualitätsmedien daran gehindert, ihre Pflicht zu tun?

    • Daniel Küttel sagt:

      Die Kritik wird zum Teil politisch unterdruckt, von Linken Interessen abgelehnt und durch Missverständnissen heruntergestuft.

  • sandro studer sagt:

    Die Steuererklärung ist kompliziert und teuer, auch wenn nicht ein Dollar Steuern zu bezahlen ist. Aus diesem Grund haben jedes Jahr ca 1000 Doppelbürger die US Staatsbürgerschaft renaunced, abgegeben. Das Land schmeisst die eigenen Leute raus.

    • Bernhard Piller sagt:

      Ja halt. Die amerikanische Staatsbürgerschaft kann man nicht einfach so abgeben. Das kostet eine Pauschale von – wenn ich mich nicht irre – 15% des Gesamtvermögens.

      • Daniel Küttel sagt:

        Die Steuer auf das Gesamtvermögen betrifft eher die Reichen. Kinder, dagegen, dürfen den US Pass nicht abgeben.

  • Joe Amberg sagt:

    Seit wann gibt es ein Menschenrecht auf Steuerbetrug (den läppischen Begriff Steuerhinterziehung bitte endlich streichen, es handelt sich schlicht und einfach immer um Betrug). Bei Fatca hätte nach meinem Wissen die Schweiz auf Gegenseitigkeit bestehen können. Da wir aber nach wie vor eine Steuerbetrugskultur haben in Bern (kein Informationsaustausch in der Schweiz, also eine aktive Unterstützung des Steuerbetrugs durch Bern), wollte man das gar nicht. Und der normale, ehrliche Steuerzahler kann all diese kriminellen Machenschaften mit massiven Mehrzahlungen kompensieren. Ganz toll!

    • Leo Schmidli sagt:

      Ihr Wissen scheint aber recht begrenzt. Gegenseitigkeit bei FATCA? Dann nennen Sie doch bitte ein Land, wo das so ist und die USA Daten liefern!

    • Daniel Küttel sagt:

      Dies hat viel mehr mit Staatsbetrug als mit Steuerbetrug zu tun. Die meisten Menschen durch FATCA verletzt werden, sind unschuldige lokale Anwohner, wie Kinder.

  • Juerg Scheiwiller sagt:

    Offthemainland

    Weiß jemand ob die FACTA Abschaffung nun im neuen US Steuerabkommen eingegeschlossen wurde?

  • Peter Schneider sagt:

    Die BLKB hat „Fatca“ in Kommunikation mit mir als Begründung für die Erhöhung der Kontoführungsgebühren von monatlich 3 CHF auf 5 CHF genutzt. Herr Spieler meint, dass nur „US-Konten“ von Fatca betroffen sind. Wieviel Aufwand haben denn die Banken? Insbesondere Banken, die wohl recht wenig US-(Doppel)Bürger als Kunden haben? Und warum belastet man diesen Aufwand nicht nur den Verursachern?
    Zudem weiss ich noch immer nicht, warum drei Konten bei derselben Bank den dreifachen Aufwand und somit die dreifachen Kontoführungsgebühren verursachen.

    • Daniel Küttel sagt:

      Es wäre nicht nett Schweizer Kinder (Doppelbürger) noch weiter mit FATCA Diskriminierung zu belasten, da sie nie US Bürger sein wollten und nicht erlaubt werden den US Pass abzugeben.

  • Sabine Loeffel sagt:

    Mir wurden FATCA Papiere zugeschickt, obwohl ich weder US-Amerikanerin noch sonst in den USA steuerpflichtig bin. Als ich mich weigerte, wurde ich aus der Bank geworfen. Das ist zwei Jahre her, der Rauswurfprozess hat 8 Monate gedauert und war äusserst unfreundlich.

  • Gustav Habegger sagt:

    Unbegreiflich dass man so etwas unterschreibt ohne Gegenrecht. Unser BR ist einfach schwach. Aber er knickt ja bei allem und jedem im Zusammenhang mit dem Ausland ein. Eine Schande.

    • Daniel Küttel sagt:

      Auch ein Gegenrecht wäre unrecht. Anwohner der Schweiz unterliegen Schweizer Gesetzte, nicht Amerikanische Gesetzte.

  • Marcel Du Pont sagt:

    Diese Arroganz kommt nicht von seiten der USA generell, sondern ist auf dem Mist des so hochgelobten Superheros Obama und seiner Administration gewachsen. Unser Bundesrat hat sich bewusst über den Tisch ziehen lassen ohne das Schweizer Volk zu fragen. Ein Verbrechen gegenüber dem Schweizer Volk, begangen von unserer Regierung und dem Obamaregime.

    • Daniel Küttel sagt:

      Die Idee stammt noch weiter zurück von G-20, welche unbedingt die Schweizer Bankgeheimnis abschaffen wollte. Dies hat sie jetzt auch getan, aber zur kosten der Kleinbürger.

  • Bernhard Piller sagt:

    Frage: Haben wir dies nicht Evelyne Widmer Schlumpf zu verdanken, dass die Schweiz diesen einseitigen Vertrag unterschrieben hat?

    • Daniel Küttel sagt:

      Ja. Sie war eingeknickt weil sie meinte dass die USA es gut meinte. Dabei ging es aber nur darum dass die USA die grösste und einzige Steueroase werden könnte.

    • Tommy Rebler sagt:

      Tja. In Bern war man dafür, weil die SVP dagegen war, dieses Abkommen zu unterzeichnen. Leider war die damalig verantwortliche Bundesrätin die einzige BDP-BR der Geschichte und somit der SVP auch nicht wohl gesonnen. Aber toll ist, dass man in den USA ohne Probleme ein Konto eröfnnen und führen darf, und dass die CH davon garantiert nie etwas erfahren wird, so man es denn selber nicht deklariert!

  • Sandro Studer sagt:

    @Bernhard Piller
    Bei einem Vermögen unter 2 Mio. USD muss 2500 Dollar für die Abgabe des US Passes bezahlt werden. Davor muss man 5 Jahre Steuer clean sein. Es muss jeden Rappen deklariert werden. Die Schweizer Behörden haben mit FATCA einen Deal gemacht um die Banken teilweise aus der Schusslinie zu nehmen, dafür wurde das Bankgeheimnis für Doppelbürger abgeschafft. Niemand, schlicht kein Vertreter hat die Interessen dieser Schweizer wahrgenommen. Die Schweiz hat immer gekuscht, vor jeden grösseren Land, das prägt die ganze Geschichte unseres Landes wir haben uns immer den stärkeren angebiedert und sind damit ja nicht schlecht gefahren. Aber für Minderheiten die einfach Pech hatten war es immer so, dass diese geopfert wurden. Ich freue mich wenn das Bankgeheimnis im Inland fällt.

  • Max Gerber sagt:

    Wenn man die Daten nicht liefert wird man wohl aus der Bank geschmissen, weil sonst wird doch der Bank wieder gedroht deren Finanztransaktionen abzustellen?.. (oder sind die Daten wirklich bei der Steuerbehörde?)

    • Daniel Küttel sagt:

      Schutz der Privatsphäre in Amerika ist beschränkt. Persönlich Daten können überall verteilt werden.

  • Weber Hanspeter sagt:

    Ich kann Joe Amberg nur beipflichten…

  • JC DoubleTaxed sagt:

    Sobald US-Personen im Ausland ansässig sind, erhalten sie keine US-Regierungsdienstleistungen für US-Bürger, wie Straßen, Arbeitslosigkeit, Lebensmittelmarken usw. Auch die USA sehen keinen Schutz lokaler Güter oder individueller Rechte vor. Daher ist die doppelte Steuerforderung nicht gerechtfertigt und kann unamerikanisch genannt werden.

    Länder der Welt sind mit falschen Steuerabkommen an der finanziellen Mobbing ihrer Bewohner beteiligt.

    Alle US-Personen, die sich in Übersee befinden, müssen die Nachrichtenforen der Isaac Brock Society, der staatsbürgerschaftlichen Besteuerung von Facebook und der Gruppe der amerikanischen Expatriates, des Nationalstaatsanwalts und FixTheTaxTreaty dot org besuchen.

  • Sandro Studer sagt:

    Sie sollte einmal sehen wer da in einer Reihe steht, vor einer Kamera schwören muss, dass er die US Staatsbürgerschaft aus freien Stücken abgibt. Natürlich ohne Hinweis, dass man die Risiken die eine Steuerpflicht als US Bürger seiner Familie nicht mehr antun kann. Es geht dabei nicht einfach um Steuervermeidung! Da steht dann Reich und Mittelstand in einer Reihe, legt den Eid ab, unterdrückt bei manchen die Tränen denn Mann oder Frau reisst hier Brücken ab. Die Reichen weil sie viel mehr Steuern bezahlen müssten, der Mittelstand weil er sich die Steuererklärung nicht leisten will, oder Pensionskassengelder die bezogen wurden für einen Hauskauf nun plötzlich hoch besteuert der IRS in den Rachen werfen will. Es gibt keinen Mittelweg, wer sich und seine Familie schützen will gibt ab.

    • Daniel Küttel sagt:

      Normalerweise schon, ja, nur das Kinder gezwungen werden mit US Bürgerschaft diskriminiert zu werden, da es ihnen erst ab 18 erlaubt wird den US Pass abzugeben. Auch für Erwachsene kann es schwierig sein den US Pass abzugeben, da sie sich nicht an ein Fremdes Land melden möchten, oder weil sie die hohe gebühren dafür nicht leisten können oder wollen. Somit werden Menschen gezwungen, gegen ihren willen, Amerikaner zu sein. Menschenrechtsgruppen sollten sich eigentlich daran interessieren.

  • Peter Wermelinger sagt:

    Dass die Schweiz überall einknickt ohne Gegenleistung ist doch bestens bekannt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  • Stefanie Graf sagt:

    Ich bin Doppelbürgerin CH-USA und völlig verzweifelt was ich tun soll. Alter 48. Wurde in USA geboren weil mein Vater für die SCHWEIZ dort als Konsulatsangestellter gearbeitet hat.
    Ich bin ganz und gar nicht reich.(unterer Mittelstand) Fülle keine Steuererklärung aus und weiss nicht ob ich den Pass noch abgeben soll oder doch bis zum Rest meines Lebens anonym bleiben soll. 2500$ bezahlen und mehrere Monate Papierkram erledigen?
    Es ist so belastend und als Eidgenosse kann ich in der Schweiz leider keine Hilfe erwarten.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.