Die Angst der Rentner, das Haus zu verlieren

My home is my castle: Hypothek gesichert bis ins hohe Alter. Foto: Getty

My home is my castle: Hypothek gesichert bis ins hohe Alter. Foto: Getty

 

Uns droht die Bank, die Hypothek zu kündigen, weil wir nach der Pensionierung weniger Geld haben. Die Bank sagt, der Kredit sei für uns nicht mehr tragbar. Dabei können wir den Zins auf die 400’000-Franken-Hypothek zahlen. Wir wollen das Haus behalten. Meine Frau ist verzweifelt und hat Angst, dass wir verkaufen müssen. Sehen Sie einen Ausweg? O. H.

Die Banken begründen die strengeren Regeln bei Hypotheken für Rentnerinnen und Rentner mit den Vorgaben der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma und mit der Tragbarkeitsrechnung. Dabei verwenden die Institute nicht die aktuell sehr tiefen Hypozinsen, sondern weit höhere theoretische Sätze von rund 5 Prozent sowie zusätzlich je nach Institut rund 1 Prozent für die Nebenkosten.

Wenn Sie auf Ihrem Haus eine Hypothek von 400’000 Franken haben, macht es natürlich einen grossen Unterschied, mit welchen Zinskosten Sie kalkulieren. Je nach Modell budgetieren Sie dann entweder nur 4000 Franken pro Jahr für die Zinskosten oder 20’000 Franken plus Nebenkosten. Gleichzeitig schreiben viele Banken vor, dass Sie nicht mehr als ein Drittel Ihres Einkommens als Rentner für die Hypothek verwenden dürfen. Viele Institute sind stur und beharren auf ihren strengen Tragbarkeitsrechnungen, was manche Rentner belastet.

Immer wieder höre ich aber von Banken, die ihren pensionierten Kunden bewusst Modelle anbieten, damit diese auch im Alter im Haus bleiben können. Dazu zählt etwa die Raiffeisenbank-Genossenschaft Allschwil-Schönenbuch. Bei ihr könnten Sie beispielsweise die 400’000 Franken als Festhypothek zu 2,250 Prozent mit 20 Jahren Laufzeit aufnehmen, was monatliche Kosten von 750 Franken ergibt.

Ein Nachteil könnte sein, dass Sie an den Vertrag gebunden sind, falls Sie in den zwanzig Jahren das Haus vielleicht entgegen Ihrer heutigen Absicht doch verkaufen möchten. Zudem ist der Zins im Vergleich zu einer kurz laufenden Liborhypothek aufgrund der langen Laufzeit der Festhypothek hoch. Immerhin gibt Ihnen der Vertrag aber eine finanzielle Sicherheit und bietet vor allem Gewähr, dass Sie bis ins hohe Alter im Haus bleiben können.

Ein innovatives Modell bietet mit der Hypo 60+ zudem die Ersparniskasse Schaffhausen: «Unter der Voraussetzung, dass das Eigenheim gut unterhalten ist oder mit einem Teil des Erhöhungsbetrags renoviert wird, kann die Hypothek bis maximal 66 Prozent des von der Bank bestimmten lmmobilienwerts erhöht werden», heisst es bei der Bank. Um die Tragbarkeit sicherzustellen, schliessen die Eigentümer eine Festhypothek mit Laufzeiten zwischen 5 bis 10 Jahre ab. «Die Zinsen für die gesamte Laufzeit werden vom Erhöhungsbetrag einem separaten und uns verpfändeten Sparkonto gutgeschrieben.» Die Hypothekarzinsen werden dann während der Laufzeit direkt von diesem Sparkonto abgebucht. «Die Zinsen sind somit bereits sichergestellt und belasten das monatliche Budget bis Laufzeitende der Hypothek nicht mehr. Über den Restbetrag der Hypothekarerhöhung können die Kunden frei verfügen.»

Ihre Hypothek von bisher 400’000 Franken würde somit um 100’000 oder 200’000 Franken erhöht, vorausgesetzt, dass der Immobilienwert dies zulässt und die Gesamthypothek nicht die Marke von 66 Prozent des Werts der Liegenschaft übersteigt. Vom erhöhten Betrag werden die effektiven Hypothekarzinsen für die gewählte Laufzeit auf ein verpfändetes Sparkonto gutgeschrieben. Ihre Wohnkosten sind so für die gesamte Laufzeit abgedeckt. Sollte die Erhöhung diesen Betrag überschreiten, steht der Restbetrag auf einem Privatkonto zur freien Verfügung. Auch da sind Sie dann natürlich an einen lang laufenden Vertrag gebunden, und durch die Hypothekenerhöhung gehört ein zusätzlicher Teil des Hauses der Bank. Sie nehmen einfach die im Haus gebundenen Mittel aus der Liegenschaft. Zudem gilt es auszuhandeln, wie die Zinskonditionen genau aussehen. Aber immerhin haben Sie die Möglichkeit, in Ihrem Haus wohnen zu bleiben, und können Ihr Budget entlasten.

Ob für Sie dieses Modell infrage kommt, hängt auch von Ihrem Wohnort ab. Die Ersparniskasse Schaffhausen bietet ihr Modell Hypo 60+ in der Region Schaffhausen, Zürich und Thurgau an. Die ebenfalls von mir erwähnte Raiffeisenbank Allschwil-Schönenbuch fokussiert auf Kundenbeziehungen in der Region Basel.

Falls Sie nicht in diesen Regionen wohnen, empfehle ich Ihnen, sich bei mehreren Instituten nach innovativen Hypothekarmodellen für Rentner zu erkundigen. Auch wenn viele Banken wenig zahlungskräftigen Rentnerinnen und Rentnern bei Hypotheken vermehrt die kalte Schulter zeigen, gibt es durchaus Institute, die offen sind, Lösungen zu suchen, damit ältere Menschen weiterhin in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können.

 

16 Kommentare zu «Die Angst der Rentner, das Haus zu verlieren»

  • Hubert sagt:

    Ja, Herr Spiegel
    Ihr Rat ist für Pensionierte zwar gut – doch ist schade, dass nicht gleichzeitig den allgemeinen Banken angelastet wird, dass Hypothekenlasten in den letzten Jahren vor der Pensionierung bewusst vorgesorgt wird, diese zu amortisieren.
    Es ist eine künstliche Hypothekenblase wenn Pensionierte mehr als 33% Ihres Rentnereinkommens mit 5% gerechnet aufwenden müssten um das Haus zu erhalten. Hier wäre wohl wieder einmal ein Artikel fällig.

    • Leo Schmidli sagt:

      Das betrifft nicht nur Pensionierte! Die Tragbarkeitsrechnungen der Banken sind rückständig und unprofessionell. Die individuellen Ausgaben werden überhaupt nicht berücksichtigt.

      • Monique Schweizer sagt:

        Schmidli: Nein die 5% Tragbarkeitsrechnung der Banken ist was vom Vernünftigsten was aus dieser Branche je kam, denn die Banken haben aus dem 1922er Immodesaster immerhin was gelernt, nachdem sie gut 50Mrd verloren haben.
        Würde der Tragbarkeitszinssatz gesenkt, dann würde die Nachfrage die Immopreise noch viel mehr in die Höhe treiben und sollten dann in einigen Jahren die Zinsen wieder mal steigen, dann gäbs ein Blutbad auf dem Immomarkt, der bei Privatimmobilien aktuell um die 1.9 Bio Franken ist – nur schon ein Preiseinbruch von 20% wäre verheerend für die CH!
        Dass es für junge Familien schwer ist, sich ein Eigenheim zu kaufen ist mir klar, aber immerhin noch besser als dann am Ende das Eigenheim wegen Unfinanzierbarkeit später wieder mit grossen Verlusten zu verlieren!

      • Leo Schmidli sagt:

        @Schweizer: Wenn mir ein Bankberater bestätigt, dass ich mit einem weiteren Kind aufgrund der Kinderzulage kreditwürdiger bin, dann läuft definitiv etwas falsch. Warum bleibt die Sparquote unberücksichtigt? Und es ist ein riesiger Unterschied, ob wir 1/3 von CHF 80’000 oder 1/3 von CHF 200’000 annehmen. Nur bei den Banken nicht.

      • Monique Schweizer sagt:

        Schmidli: Dann scheinen Sie einkommensmässig ein Grenzfall zu sein, wenn es nur an der Kinderzulage scheitert.
        Kenne ihre finanzielle Situation nicht, aber wenn Sie angeblich so eine hohe Sparquote haben, dann haben Sie sicher schon gut was auf der Seite und könnten das wenige fehlende Einkommen mit höherem Eigenkapital doch kompensieren.
        Die schweizer Privatschulden sind mit rund 140’000 pro Erwachsenem sowohl %/BIP/Kopf als auch absolut die höchsten der Welt – gut zu 95% sind Hyposchulden. Wir bewegen uns schon auf dünnem Eis, von dem her ist eine defensive Hypokreditvergabe zu unserem eigenen Schutz zu begrüssen, denn sonst könnte es noch viel hässlicher werden als in den 90er Jahren, wo auch viele Private sehr viel Vermögen verloren haben durch die tieferen Immobewertungen!

      • Anh Toàn sagt:

        Ist aber so, jetzt mehr Kinder, umso höher ihr Bruttolohn, umso höhere Hypo ist tragbar: Es geht schlicht um Prozentpunkte vom Bruttoeinkommen. Auch dass Einkommen über 100’000 z.B. gegen Arbeitslosigkeit gar nicht versichert sind, spielt keine Rolle: Pleite werden bei sinkenden Immopreisen nicht die gehen, denen die Banken erzählen, sie könnten sich allenfalls (5%) so hohe Hypozinsen nicht leisten, wie sie heute bereits Miete zahlen müssen. Pleite werden die mit 3 hundert Kilo Jahreseinkommen gehen, welche wegen einem Strukturwandel ihren Job verlieren und keinen anderen finden der Einkommen generiert für Zinsen 2 Mio Hypo.

        Steigen die Hypozinsen auf 5%, ist es wegen Inflation und das geht nicht ohne Lohnsteigerung: Bei gleichem Lohn 5% Hypozins ist ein unrealistisches Szenario.

      • Anh Toàn sagt:

        Das Problem des Schuldners, und im CH Immobilienmarkt insbesondere bei den Eigenheimen im Grünen, sind nicht steigende Zinsen (Inflation), sondern ist die Gefahr der Deflation: Sinkende, sich europäisch nivellierende Löhne, Weniger Familien und mehr Alte, die kein Häuschen im Grünen (mehr) wollen, könnten den Markt deprimieren, und insbesondere aus dem Traum im Grünen einen Alptraum machen.

        Nicht Tragbarkeitsvorschriften an sich sind falsch, aber derart schematisch und erst noch mit völlig unrealistischen Szenarien gerechnet, werden halt Käufer selektiv vom Markt fern gehalten. Zugelassen wird zum Kauf in die gedrückten Preise, wer kommerziell kauft, also zum vermieten und wer wenig Hypo braucht, also zumindest „wohlhabend“ ist: Der Rest soll Miete zahlen, das bringt mehr dem Kapital.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Immobilienpreise in der Schweiz dürfen nicht steigen, weil man den Mietern nicht mehr Miete abnehmen kann: Die Renditen wären futsch, wenn die Preise steigen und die Mieten nicht. Wenn es schon keine Zinsen mehr gibt, muss doch das Kapital wenigstens mit Mieten dauerhaft Geld verdienen können. Und wenn man die Mieter kaufen lässt, geht das nicht,m also sagt man denen sie könnten sich nicht leisten als Eigentümer zu haben, wofür sie als Mieter dem Eigentümer einen schönen Gewinn bescheren.
        Hätte ich 20 Mietwohnungen, ich wäre sowas von für Tragbarkeitvorschriften, was interessiert mich der Marktwert, ich will nicht verkaufen, ich will laufende Erträge.

  • Hans sagt:

    Es sind nicht nur die Kosten des Hypothekarzinses die jeden Rentner belasten sondern der Eigenmietwert der als Einkommen zu versteuern ist. Würde dieser volkswirtschaftliche Unsinn endlich abgeschafft, bliebe auch mehr Geld, nicht nur für die Zahlung der Hypozinsen. Die Sache ist zwar in Bewegung aber irgendwer hat wieder die Handbremse gezogen. So kann man auch sein Eigenheim verlieren – eine gesetzlich gesteuerete Enteignung.

    • Peter Meyer sagt:

      und wenn im Gegenzug der Mieter auch die Mietzinsen vom Einkommen abziehen kann und auch noch den kleinen Unterhalt, die Endreinigung oder den GWM-Service bei Mieterwechsel, dann fehlt dem Fiskus einiges an Geld und die Steuern würden zwangsmässig steigen

    • Marcel Schmid sagt:

      Eigenmietwert abschaffen ist OK… aber nur wenn man sämtliche Abzüge ebenfalls abschafft, welche der Mieter über seine Miete auch bezahlt.. wie u.a. Hypozins, Unterhalt und dgl. mehr! Mit em Füfer, em Weggli und äm verlangte Schoggistängeli als Bonus no obedruf hat sich der HEV gleich selbst kräftig die Handbremse gezogen! Weniger wäre manchmal mehr!

  • Orli Pelo sagt:

    Da bleibt nichts anderes übrig als Haus oder Wohnung verkaufen und auszuwandern. Mit dem Geld können Sie eine Liegenschaft im Ausland problemlos erwerben und der lästige Eigenmietwert fällt auch weg.

  • Michael Bader sagt:

    20 Jahre für 2.25%? Gibt’s auch schon für unter 2% und ohne Vorfälligkeitsentschädigung bei Handänderung (Swisslife). Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass Herr Spieler wohl Provisionen oder Kickbacks von den Banken erhält, die er in seinen Beiträgen erwähnt. Weshalb sonst blendet er in seinen Beiträgen zum Thema Hypotheken konsequent die teilweise besseren Angebote mancher Versicherer aus? Gut recherchierter, objektiver Journalismus geht anders.

  • sepp z. sagt:

    Auch Rentner zur Miete haben Angst, rausgeworfen zu werden. Nur habe ich noch nie einen Artikel darüber gelesen – zu wenig Lobby, falsche Klientel?

  • Daniel L. sagt:

    Hallo Rentner und künftige Rentner
    Soweit ich informiert bin, bietet auch die Bezirkssparkasse Dielsdorf Rentnerhypotheken an und zwar in den Kantonen Aargau und Zürich.
    In vielen Bereichen schlägt diese Bank ihre Mitbewerber, so auch mit dem Seniorenkonto. Kann ich nur empfehlen. D.L. aus ZH

  • Werner sagt:

    Weshalb vergeben Banken und Versicherungen Libor-Hypotheken nur ab Fr. 200’000.– oder Fr. 250’000.– Manch ein Eigenheimbesitzer würde wohl gerne seine Hypo um Fr. 100’000.– reduzieren, wenn er dafür auch den LIborsatz erhalten würde. So könnten Rentner auf der sicheren Seite und mit ruhigem Schlaf ihr Penisonalter geniessen.

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