Roche begibt sich auf die Aufholjagd

Roche: Hat jüngst mit mehreren klinischen Studien enttäuscht. Foto: Michael Buholzer/Reuters

Patentabläufe und unklare Verhältnisse darüber, wie der daraus entstandene Umsatzverlust aufgefangen werden kann – was Roche derzeit plagt, hat Novartis hinter sich. Die Genussscheine von ­Roche kommen im Gegensatz zu den Aktien von Novartis in diesem Jahr kaum vom Fleck. Doch sollen Sie deswegen Roche meiden? Das Unternehmen hatte im Frühjahr und im Spätsommer mit den Ergebnissen mehrerer klinischer Studien enttäuscht. Deswegen waren die Zweifel gewachsen, wie gut der Konzern die Konkurrenz durch Nachahmerprodukte mit eigenen Medikamenten auffangen kann. Die drei wichtigsten Medikamente Rituxan, Herceptin und Avastin – sie machten 2016 rund 40 Prozent des Umsatzes aus – sind von biologischen Generika bedroht. Doch nun gibt es Hoffnung. Roche legte vielversprechende Zwischenresultate aus einer Studie für Tecentriq gegen Lungenkrebs vor. Schafft es Roche, dass das Präparat zum Standard bei einer Vielzahl von verschiedenen Krebserkrankungen wird, winken Milliardeneinnahmen, die zusammen mit dem Umsatz aus bereits zugelassenen neuen Wirkstoffen doch noch für weiteres Wachstum sorgen könnten. Die Zeit drängt. Die Konkurrenz will Marktanteile im umkämpften Krebssegment wegschnappen. Die soeben publizierten Daten sind nur der Anfang. Im ersten Halbjahr 2018 will Roche zahlreiche weitere Testresultate veröffentlichen. Fallen sie ebenfalls positiv aus, dürften die Genussscheine weiter klettern. Denn längst ist nicht das ganze Potenzial von Tecentriq im Kurs der Titel abgebildet. Gute Aussichten für risikobewusste Anleger. Kaufen

Hausgemachte Probleme

Novartis hat das Gröbste bereits hinter sich. Der Pharmakonzern hatte im letzten Jahr mit einem Gewinnrückgang zu kämpfen. 2017 wird das Ergebnis aller Voraussicht nach stagnieren. Der Patentablauf beim Krebsmedikament Glivec und hausgemachte Probleme bei der Augenheilsparte Alcon drücken auf den Umsatz. Neue Medikamente wie Entresto oder Cosentyx konnten den Rückgang beim Erlös nicht wettmachen. All das ist jedoch längst im Preis der Aktien abgebildet. Das Abwärtsrisiko ist also begrenzt. Gleichzeitig wird der negative Effekt aus dem Patentablauf bei Glivec schwinden, und auch bei Alcon zeichnet sich dank diverser Massnahmen Besserung ab. Der Turnaround ist in vollem Gang. Der Gewinn wird deshalb wieder steigen. Einziger Wermutstropfen: Die Bewertung spiegelt das bereits. Zum heutigen Zeitpunkt ist Novartis deshalb nur ­etwas für langfristig orientierte ­Anleger. Mit einer zusätzlichen ­Bewertungsexpansion ist nicht zu rechnen. Weitere Kursgewinne liegen entlang des Gewinnwachstums von geschätzten 5 bis 7 Prozent pro Jahr aber durchaus drin. Ende 2018 oder Anfang 2019 dürfte zudem ein Entscheid zu Alcon fallen. Novartis zieht bei erfolgreicher Restrukturierung ein Spin-off an die bisherigen Aktionäre in Erwägung. Ein definitiver Entscheid würde zusätzlichen Wert freisetzen. Mit langfristiger Perspektive kaufen

Fokus auf Babymilch

Kennen Sie Hochdorf, das Unternehmen mit Sitz im gleichnamigen Luzerner Ort? Lange war der Hersteller von Milchpulver im Krebsgang. Als Zulieferer der Schokoladenindustrie gab es mit einem standardisierten Produkt weder Wachstum noch eine attraktive Marge. Das ist nun anders. Unter Thomas Eisenring fokussiert Hochdorf auf Babymilch. Die verspricht hohes Wachstum und attraktive Margen. Dafür hat Hochdorf fleissig zugekauft. Die Aktien legten 2016 deutlich zu. Besonders die Übernahme der tunesischen Vertriebsgesellschaft Pharmalys beflügelte die Fantasie. Das Unternehmen verkauft Babymilch etwa in Syrien, Libyen und im Sudan. Diese Übernahme hat sich gelohnt. Der Gewinn entschädigt für das hohe Risiko, die anderen Beteiligungen aber nicht. Auch beim jüngsten Zukauf läuft nicht alles rund. Im November übernahm Hochdorf mit Zifru einen Hersteller von Apfel- und Bananenchips. Das Pikante dabei: Hochdorf-Chef Eisenring war mit 43 Prozent an Zifru beteiligt. Für mich hat Hochdorf zu viele Baustellen. Meiden

Prallvolle Kasse

Schweiter bleibt eine spannende Geschichte. Der jüngst bekannt ­gegebene Immobilienverkauf spült dem Industrieunternehmen 25 Millionen Franken in die Kasse. Bis Ende Jahr dürften sich Barmittel von netto 250 Millionen Franken angehäuft haben. Damit lassen sich Übernahmen bequem finanzieren. Würde die Liquidität auf diese Weise eingesetzt, könnte das auf Verbundwerkstoffe ausgerichtete Unternehmen ein Fünftel wachsen. Für eine «Traum­akquisition» stünden zusätzlich Fremdmittel zur Verfügung, und es könnte genehmigtes Aktien­kapital «aktiviert» werden. Das Management von Schweiter ist sich seit dem Verkauf des Optik­geschäfts vor bald zehn Jahren gewohnt, über eine prallvolle Kasse zu verfügen. Stets hat es betont, vorzugsweise in den Ausbau des Geschäfts zu investieren. Ich habe keine Angst, dass es sich zu einem hastigen Schritt verleiten lässt. Zwischen 2009 und 2015 hat das Unternehmen keinen grösseren Zukauf gemacht. Manchmal braucht es einfach Geduld, vor allem bei Familienunternehmen, die irgendwann vor einem Nachfolgeproblem stehen. Einstweilen haben die Aktionäre Gewähr, dass die Dividende selbst bei einem ­etwas schlechteren Geschäftsgang nicht gekürzt wird und die Rendite über 3 Prozent bleibt. Kaufen

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