Attraktiver Zins mit grossem Haken

Ist in einem anspruchsvollen und schwierigen Markt tätig: Milchverarbeiterin Hochdorf-Gruppe. Foto: Esther Michel

Ist in einem anspruchsvollen und schwierigen Markt tätig: Milchverarbeiterin Hochdorf-Gruppe. Foto: Esther Michel

Würden Sie in die Wandelanleihe von Hochdorf 3,5 Prozent, Ablauf 30. 3. 20, investieren? Möchte zurzeit nicht die Aktien aufstocken, aber trotzdem mein Geld arbeiten lassen. B. G.

Die Hochdorf-Gruppe ist in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Nahrungsmitteln und Ingredienzen aus Milch, Getreide und Ölsaaten tätig und beschäftigt rund 630 Mitarbeitende. Kunden sind die Lebensmittelindustrie und der Detailhandel. Vertrieben werden Hochdorf-Produkte in über 90 Staaten. Die von Hochdorf lancierte Pflichtwandelanleihe über 218 Millionen Franken wurde zum Teil für die Begleichung des Kaufpreises für die zuvor erworbene 51-Prozent-Beteiligung an Pharmalys verwendet, welche milch- und getreidebasierte Baby- und Kindernahrung produziert und diese unter den Marken Primalac, Swisslac und Swisslac Cereals vertreibt.

Dank dieser Übernahme hat der Schweizer Milchverarbeiter Hochdorf im ersten Semester dieses Jahres mehr umgesetzt und verdient, während die verarbeitete Milchmenge deutlich zurückging. Sowohl bei den ausländischen Milchwerken als auch im Schweizer Milchmarkt läuft es für Hochdorf harzig.

Das ist für Sie wichtig zu wissen, wenn Sie erwägen, in die Pflichtwandelanleihe von Hochdorf zu investieren. Denn am Ende der Laufzeit werden die Pflichtwandelobligationen zwangsweise in Namenaktien der Hochdorf zum dannzumal geltenden Wandelpreis gewandelt. Sie würden dann also Aktien von Hochdorf besitzen. Natürlich können Sie die Anleihe auch vor dem Ende der Laufzeit verkaufen. Sie müssen aber damit rechnen, dass wenn sich der Aktienkurs der Milchverarbeiterin für Sie unvorteilhaft entwickelt, auch der Kurs der Pflichtwandelanleihe nachgibt.

Das sehen Sie jetzt schon in der Kursentwicklung der Anleihe, welche recht starke Schwankungen aufweist. Sie müssen sich somit überlegen, wie Sie die Perspektiven von Hochdorf einschätzen. Während im Bereich Babynahrung die Aussichten aufgrund der Akquisition von Pharmalys gut sind, bin ich für die übrigen Geschäftsbereiche weniger optimistisch. Das Management von Hochdorf weist immerhin darauf hin, dass die Auftragsbücher für das zweite Halbjahr wieder gut gefüllt und Massnahmen zur Verbesserung des Ergebnisses getroffen worden seien. Eine Garantie, ob das gelingt, haben Sie aber nicht.

Hilfreich sind immerhin ein höherer Milchpreis und steigende Produktpreise. Hochdorf selbst geht allerdings nicht davon aus, den Umsatzrückstand des ersten Halbjahres aufholen zu können, und erwartet einen weiterhin anspruchsvollen Markt für Milch-Massenprodukte. Darum wurden die Ziele für den prognostizierten Jahres-Brutto-Verkaufserlös Mitte Jahr gesenkt. Natürlich locken die 3,5 Prozent Zins der Pflichtwandelanleihe. Da Sie aber nach dem Ende der Laufzeit auf Aktien eines Unternehmens sitzen, dessen Perspektiven nicht gerade verheissungsvoll sind, finde ich den gebotenen Zins nicht mehr ganz so verlockend. Denn Sie tragen einige Risiken.

Meines Erachtens könnten Sie stattdessen auch gleich Aktien von dividendenstarken SMI-Unternehmen wie Swiss Re, Swiss Life oder Zurich erwerben, bekämen dann aber noch eine höhere Dividendenrendite. In die Pflichtwandelanleihe von Hochdorf sollten Sie aus meiner Sicht nur investieren, wenn Sie bereit sind, später auch Aktien der Milchverarbeiterin zu halten, und von deren Langfristchancen überzeugt sind. Ansonsten macht für mich ein Investment wenig Sinn. Nur um das Geld arbeiten zu lassen, finde ich die Hochdorf-Pflichtwandelanleihe zu wenig attraktiv und keineswegs risikolos.

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