Hypothek abzahlen statt Geld anlegen

Auf die Pensionierung hin sollte man die Hypothek möglichst weit abtragen. Foto: Getty Images

Auf die Pensionierung hin sollte man die Hypothek möglichst weit abtragen. Foto: Getty Images

Ich, Jahrgang 1960, habe eine Hypothek von 560’000 Franken, welche erneuert werden muss. Auf dem Privatkonto besitze ich 125’000 Franken, auf dem Sparkonto 130’000 Franken und ein Wertschriftendepot von 145’000 Franken. Ich habe Offerten von mehreren Banken, welche mir neben der Hypothek auch empfehlen, für mein Geld ein Vermögensverwaltungsmandat zu erteilen. Ich bin ziemlich überfordert. Was soll ich tun? K. B.

Ich würde in Ihrem Fall keiner Bank ein Vermögensverwaltungsmandat erteilen, sondern einen Grossteil des Geldes nutzen, um Ihre Hypothek zu amortisieren. In wenigen Jahren sind Sie im Pensionsalter. Dann besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass die Bank ohnehin zumindest eine teilweise Amortisation von Ihnen verlangt. Wenn Sie dann alles Geld in Wertschriften parkiert haben und die Kurse im Keller sind, haben Sie ein Problem.

Dazu kommt, dass Ihnen bei der Anlage des Geldes niemand eine Renditegarantie gibt. Und wenn Sie eine sehr konservative Strategie wählen, sind die Renditechancen gering. Darum würde ich nur einen Teil des Wertschriftendepots behalten und das so freigesetzte Kapital sowie die liquiden Mittel vom Privatkonto und dem Sparkonto grösstenteils nutzen, um die Hypothek teilweise zu amortisieren. Auf den liquiden Mitteln bekommen Sie ohnehin praktisch keinen Zins. Da fahren Sie besser, wenn Sie die Hypothek abbauen. So bezahlen Sie wenigstens weniger Zins an die Bank.

Das so eingesparte Geld würde ich auf den Maximalbetrag aufrunden und jedes Jahr in die 3. Säule einzahlen. So sparen Sie zusätzlich Steuern und stärken Ihre Altersvorsorge. Dieses Geld könnten Sie ja in spezielle Vorsorgefonds investieren und so mehr Rendite erzielen. Natürlich hat die Bank mehr Interesse, wenn Sie sowohl eine Hypothek abschliessen als auch ein Vermögensverwaltungsmandat erteilen. Denn damit verdient sie doppelt Geld mit Ihnen. Für Sie erachte ich das indes nicht als vorteilhaft. Denn Sie zahlen deutlich mehr Gebühren, haben aber keine Sicherheit, dass Sie wirklich mehr Rendite erwirtschaften, als Sie Zinsen zahlen.

Dazu kommt, dass Sie Geld anlegen, während Sie auf der anderen Seite wegen der Hypothek Schulden haben. Faktisch gehört Ihnen dieses Geld nicht. Darum wäre ich erst recht vorsichtig. Die Bank wird Ihnen sagen, dass Sie wegen der Hypotheken-Amortisation weniger Schuldzinsen bei den Steuern abziehen können. Das stimmt. Allerdings stelle ich fest, dass der Steuereffekt von Schuldzinsen oft überschätzt wird. Man muss es immer im Einzelfall berechnen. Oft aber ist die Steuerersparnis weit geringer als die Zinsen, welche man der Bank abliefert.

Wenn Sie eine saubere Rechnung machen, stellen Sie wahrscheinlich fest, dass Sie mit Ihrem Teilzeitlohn selbst nach Steuern besser fahren, wenn Sie amortisieren und so die Bankzinsen einsparen. Vor allem aber erhöhen Sie mit diesem Weg Ihre Sicherheit im Hinblick auf Ihr Alter und werden punkto Wohnen unabhängiger von der Fremdfinanzierung.