Risiken an Börsen haben stark zugenommen

Aktien kaufen: Manchmal zahlt es sich aus, eine Korrektur abzuwarten. Foto: Getty

Aktien kaufen: Manchmal zahlt es sich aus, eine Korrektur abzuwarten. Foto: Getty

Ich habe seit Ende 2015 rund 400’000 Franken investiert. Trotz Börsenboom resultiert ein kleines Minus. In nächster Zeit erwarte ich 150’000 Franken aus einer Erbschaft. 100’000 Franken davon wollte ich eigentlich wieder investieren. Jetzt bin ich aber verunsichert und weiss nicht, was ich machen soll. Was würden Sie empfehlen? J.K.

Das hängt stark von Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikofähigkeit ab. Aus Ihrem Schreiben entnehme ich, dass Sie über Ihre bisherigen Anlageerfolge wenig erfreut und verunsichert sind. Da ich nicht weiss, wie sich Ihre Anlagestrategie zusammensetzt, kann ich nicht beurteilen, ob diese sinnvoll ist oder ob es da Korrekturen braucht. Ich rate Ihnen daher, Ihre bisherige Strategie von einem Konkurrenzinstitut unter die Lupe nehmen zu lassen. Der eigentliche Anlageerfolg ist das eine, das andere ist, ob die Strategie genügend auf Ihre Lebenssituation abgestimmt ist und Ihre Risikofähigkeit richtig abbildet. Angesichts der Rekordstände an den Aktienmärkten würde es mich auch skeptisch machen, dass Sie offenbar auf Buchverlusten sitzen. Daher halte ich eine Strategieüberprüfung für angebracht.

Vor allem müssen Sie sich bewusst sein, dass die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass es in nächster Zeit zu heftigen Korrekturen kommt. Zwar sind die Rahmenbedingungen für Aktienanlagen an sich weiterhin positiv: Die Konjunktur in Europa, den USA und Asien läuft auf guten Touren, die Unternehmensgewinne sprudeln mehrheitlich, und die Zinsen sind trotz der eingeleiteten Wende sowohl in Amerika als auch in Europa weiter auf sehr tiefem Niveau. Trotz dieser positiven Voraussetzungen braucht es meines Erachtens wenig, dass die Aktienkurse und damit auch jene von vielen Fonds und Exchange Traded Funds, welche an Aktienindizes gekoppelt sind, in nächster Zeit stärker korrigieren.

Wann dies der Fall ist und was der Auslöser sein wird, weiss ich auch nicht. Ich empfehle Ihnen aber, sich auf ein solches Szenario einzustellen. Je nach Ihrer Depotzusammensetzung könnte es bei Ihnen sogar noch mehr Buchverluste geben. Im Rahmen eines Depotchecks rate ich Ihnen, auch ein Korrekturszenario durchzuspielen und vor diesem Hintergrund Ihre Risikofähigkeit nochmals zu überprüfen.

Diese Überlegungen sind auch bei der Frage wichtig, ob Sie die 100’000 Franken aus der Erbschaft ebenfalls gerade jetzt anlegen möchten. Ich würde wohl eher eine Korrektur abwarten. Der Einstiegszeitpunkt für diesen Betrag relativiert sich allerdings, falls Sie das Kapital mit einem Anlagehorizont von mehr als zehn Jahren anlegen können und wollen. Wenigstens würde ich gestaffelt investieren, damit Sie nicht das Risiko eingehen, ausgerechnet zu den Höchstkursen gekauft zu haben.

Unabhängig davon würde ich mir Gedanken über Ihre Altersvorsorge machen und diese analysieren lassen. Weist diese Lücken auf? Wenn ja, würde ich mit den 100’000 Franken eher diese möglichen Lücken schliessen. Möglich wäre dies zum Beispiel über eine freiwillige Einzahlung in die Pensionskasse, sofern Sie weiter arbeitstätig sind. Diese können Sie bei den Steuern abziehen. Falls Sie Einzahlungen über mehrere Jahre hinweg vornehmen, sparen Sie erheblich Steuern.

Freiwillige Einzahlungen sind allerdings nur empfehlenswert, wenn sich Ihre Pensionskasse in einer robusten Finanzlage befindet. Auf jeden Fall nutzen würde ich auch die steuerbegünstigte Säule 3a. Diese Einzahlungen sind von den Steuern ebenfalls abziehbar. Vor allem aber stärken Sie damit auch Ihre Altersvorsorge und parkieren das Geld mit recht geringen Risiken.