Aktienrückkäufe verdichten den Gewinn

Reine Kurspflege via Aktienrückkäufe können problematisch sein. Foto: Getty Images

Reine Kurspflege via Aktienrückkäufe können problematisch sein. Foto: Getty Images

Verschiedene Firmen haben Aktienrückkäufe angekündigt. Ist es sinnvoll, von einem derartigen Angebot Gebrauch zu machen? Oder soll ich einfach davon ausgehen, dass der Börsenwert nach einem Rückkauf steigt? K. H.

Aktienrückkäufe sind bei den Unternehmen derzeit beliebt. Das hat einerseits mit den rekordtiefen Zinsen zu tun: Wenn die Firmen auf hohen liquiden Mitteln sitzen, die sie nur mit Mühe gut anlegen können, kann es sinnvoller sein, das nicht gebrauchte Kapital an die Aktionäre zurückzugeben.

Möglich wäre das auch über eine deutlich höhere Dividendenausschüttung. Der Vorteil eines Aktienrückkaufes besteht aber darin, dass eine Gewinnverdichtung vorgenommen wird. Weil weniger Aktien im Umlauf sind, steigt der Gewinn pro Aktie. Und auch die Dividende je Aktie nimmt zu, da die gesamte Dividendensumme auf weniger Titel verteilt werden muss. Das macht ein Papier attraktiver – in der Regel steigt der Aktienkurs. Darum reagiert die Börse meist erfreut, wenn Aktienrückkäufe angekündigt werden.

Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Zudem ist der Effekt eines Aktienrückkaufs meist nicht sofort beim Kurs spürbar. Manchmal verpufft der Effekt sogar – wenn der Kurs durch anderweitige negative Nachrichten unter Druck kommt und sich die Wirkung des Aktienrückkaufes nicht entfaltet. Sinnvoll ist ein Aktienrückkauf ohnehin nur dann, wenn er wirklich eine Folge von zu vielen liquiden Mitteln ist und nicht neues Fremdkapital etwa über Anleihen aufgenommen wird.

Reine Kurspflege via Aktienrückkauf halte ich für problematisch. Anderseits hat ein Aktienrückkauf auch eine negative Seite: Faktisch räumt ein Unternehmen, welches einen Aktienrückkauf vornimmt, ein, dass es mit dem Kapital nichts Gescheiteres machen kann. Denn hohe liquide Mittel befähigen ein Unternehmen, die eigene Marktposition mittels einer Akquisition auszubauen. Das Problem daran: Längst nicht immer sind Akquisitionen erfolgreich und für die Aktionäre lohnenswert. Viele Übernahmen erweisen sich im Nachhinein als Flop oder zu teuer.

Oder aber das Unternehmen ist nicht in der Lage, eine geeignete, sinnvolle Akquisition zu tätigen. In diesem Fall ist es wohl besser, wenn das nicht gebrauchte Geld an die Aktionäre zurückgeführt wird. Oft sind Unternehmen aber auch zu wenig kreativ. Sie suchen nur im angestammten Geschäftsbereich nach Akquisitionen, statt mit den vorhandenen Mitteln neue zukunftsträchtige Geschäftssegmente zu erschliessen. Mit dem Aktienrückkauf gibt das Unternehmen zu, keine besseren Ideen zu haben – was eigentlich ein Armutszeugnis ist.

Dann ist der Aktienrückkauf wohl immer noch die bessere Variante, als wenn die Firma mit dem Geld der Aktionäre einen Blödsinn macht. Von einem Rückkauf aktiv Gebrauch machen, sollten Sie nur, wenn Sie die Titel ohnehin abstossen möchten und der angebotene Kurs für Sie interessant ist. Üblicherweise besteht bei einem Aktienrückkauf für Sie kein Handlungsbedarf – vielmehr dürfen Sie sich darüber freuen, dass der Gewinn je Titel und die Dividende je Aktie dank der geringeren Anzahl Aktien im Umlauf zunehmen und die Gewinnverdichtung dazu führt, dass der Kurs – hoffentlich – stetig steigt.

1 Kommentar zu «Aktienrückkäufe verdichten den Gewinn»

  • Josef Marti sagt:

    Nicht zu vergessen, dass Verrechnungssteuer und Einkommenssteuer anfallen auf dem Teil des Verkaufspreises über dem Nennwert da eine direkte Teilliquidation vorliegt sobald die Limite von 10% eigene Aktien bei der Gesellschaft überschritten wird. Die Steuerfolgen können teilweise vermieden werden über eine Nennwertreduktion und Agio Rückzahlungen.

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