Warum langes Leben ein Risiko ist

Wer keine Pensionkasse besitzt und vom Freizügigkeitsgeld zehrt, trägt das Langlebigkeitsrisiko komplett selbst. Foto: Getty Images

Wer keine Pensionskasse besitzt und vom Freizügigkeitsgeld zehrt, trägt das Langlebigkeitsrisiko komplett selbst. Foto: Getty Images

Ich (w, 61) besitze ein Freizügigkeitskonto mit rund 500’000 Franken darauf. Ich kenne mich in Finanzfragen nicht besonders gut aus und bin deshalb unsicher, wie ich mit diesem Geld vorgehen sollte, wenn ich es dann beziehe. Wie würden Sie vorgehen? C. G.

Sie schreiben mir, dass Sie momentan noch in sehr geringem Umfang in Teilzeit arbeiten, keiner Pensionskasse angehören und in Zukunft eine AHV-Rente von 2350 Franken erhalten werden sowie noch 70’000 Franken in Aktien halten. Selbst wenn Sie bescheiden leben, wie Sie es mir schildern, dürfte die AHV-Rente kaum reichen, um Ihren Lebensstandard zu decken. Sie sind somit auf zusätzliches Geld aus Ihrem Freizügigkeitsguthaben angewiesen.

Ein Weg könnte sein, dass Sie nach dem Bezug des Freizügigkeitsgeldes einen Vermögensverzehr vornehmen. Dabei können Sie selbst bestimmen, ob Sie Ihr Einkommen im Alter über die AHV-Rente hinaus mit monatlich 1000 oder 2000 Franken aufbessern möchten. Der Vorteil des Vermögensverzehrs besteht darin, dass Sie diese Rentenaufbesserung anders als die AHV nicht als Einkommen versteuern müssen. Der grosse Nachteil wäre aber, dass Ihr Vermögen bei einem Bezug von monatlich 2000 Franken bereits nach weniger als 20 Jahren aufgebraucht wäre, zumal Sie den Bezug des Freizügigkeitsgeldes auch noch versteuern müssen.

Zwar können Sie durch eine professionelle Anlage des Kapitals etwas mehr herausholen. Dennoch tragen Sie beim Vermögensverzehr das volle Langlebigkeitsrisiko. Das halte ich in Ihrem Fall für problematisch, da Sie ja noch recht jung sind. Das Langlebigkeitsrisiko könnten Sie an eine Versicherung auslagern. Zum Beispiel mit einer Leibrente, welche Ihnen bis ans Lebensende einen Zustupf garantiert. Allerdings sind Leibrenten renditemässig uninteressant.

Ausserdem müssen Sie die Rente zu 40 Prozent versteuern, obwohl Sie das Kapital bereits vorher schon mal versteuert haben. Wenn Sie eine klassische Altersrente wünschen, wie Sie es bei einer Pensionskasse hätten, müssten Sie Ihr Freizügigkeitsgeld an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG des Bundes überweisen oder eine Freizügigkeitspolice bei einem Versicherungsunternehmen abschliessen. Renten daraus müssten Sie ebenso wie die AHV voll versteuern.

Wegen des Langlebigkeitsrisikos würde ich in Ihrem Fall eine Rente dem Vermögensverzehr klar vorziehen. Ich kann mir vorstellen, dass Sie mit einer Rente von der BVG-Auffangeinrichtung am besten fahren. Sie sollten das aber im Detail von Fachpersonen abklären und ausrechnen lassen. Ich rate Ihnen, Ihre Situation anhand Ihrer Daten von mehreren Versicherungen analysieren zu lassen und konkrete Offerten einzuholen.

Parallel dazu würde ich mit der Auffangeinrichtung Kontakt aufnehmen und sich Ihre Möglichkeiten für eine Rente aufzeigen lassen. Anhand der konkreten Zahlen sehen Sie schnell, welche Variante Ihnen die höchsten Einnahmen pro Monat bringt und wo Sie optimal bis ans Lebensende abgesichert sind. Das übrige Geld, welches Sie momentan noch in Aktien angelegt haben, würde ich als eiserne Reserve auf der Seite lassen. Da Sie das Kapital später aber wohl für Unvorhergesehenes brauchen, würde ich es im Alter nur noch konservativ anlegen.

36 Kommentare zu «Warum langes Leben ein Risiko ist»

  • Peter Sutter sagt:

    Herr Spieler sagt von Fachpersonal abklären lassen. Ein mir guten Eindruck hinterlässt das VZ Vermögenszentrum. Sicher ein guter Anfang.

    • Marlise sagt:

      VZ Vermögenszentrum! Das war einmal! Seit diese
      eigene Lösungen anbieten, sind sie wie alle andere Anbieter auch.

    • Christoph Bögli sagt:

      Die Schleichwerbung ist umso bedenklicher als dass sich gerade im letzten Beitrag das VZ Vermögenszentrum als wahres Kapitalgrab aufgetreten ist, um nicht zu sagen als klassische Abzocke von in Finanzfragen unbewanderten Leuten wie C.G.

      • Fabian Brunner sagt:

        Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Ich habe meine komplette PK auszahlen lassen und sie dem VZ überwiesen. Vorgängig wurde logischerweise ein Anlageplan besprochen und der ist bis heute aufgegangen.

      • Christoph Bögli sagt:

        @Brunner: Schön für Sie, aber wenn man selber Glück hatte, heisst das noch lange nicht, dass das für alle zutrifft. Wie gesagt, der letzte Blog-Artikel hat ein klares Negativbeispiel beinhaltet, untermauert von ähnlichen Beispielen in den Kommentaren. Ob das oder Ihre Erfahrung eher Ausnahmen sind, lässt sich so natürlich nicht beurteilen. Fakt ist aber, dass man nicht blindlings einem einzelnen Anbieter Vertrauen sollte. Gerade diese Unbedarftheit wird schnell mal ausgenutzt. Zumal solch eingestreute Schleichwerbung in Kommentaren generell kritisch zu sehen ist..

  • Robert sagt:

    Die Auffangeinrichtung nimmt nur die „obligatorischen“ Gelder und auch die nur binnen eines Jahres nach Aufgabe der Erwerbstätigkeit. Wenn, dann zahlt man bis 65 auch noch Beiträge. Eine wenig attraktive Lösung.
    Aber den Begriff „Langlebigkeitsrisiko“ find ich toll. Den liebe ich geradezu. Da gäbe es schon noch andere Ansätze…

  • Ruedi sagt:

    Mein Vorschlag: Wandern Sie aus in ein Land, wo die Lebenshaltungskosten 50% tiefer sind. Meine Frau und ich haben diese Wahl noch nie bereits – keine finanziellen Sorgen bis ans Lebensende!

    • Mario Mazzola sagt:

      Genau das habe ich auch gemacht und bin in den Schwarzwald ausgezogen. Lebenshaltungskosten etwa die Hälfte der Kosten in der Schweiz, die Rente wird minimal besteuert. Keine Vermögenssteuer und besitze ein voll bezahltes Haus. Dadurch keine Miete, keine Hypothekarzinsen nur eine sogenannte Grundsteuer von €128.– im Jahr für 1200m2. Die Immobilienpreise und damit die Grundstückspreise stiegen um ca. 7% in den letzten Jahren. Uebrigens erstaunlich wieviele Schweizer auch hier wohnen.

  • Ruedi sagt:

    Korrekt muss es natürlich heissen: …noch nie bereut!

    • Jacques sagt:

      Richtig. Auch ausserhalb der Schweiz gibt es schöne Plätze. Wo man seine Pension z.T. nicht einmal versteuern muss.

      • Christina sagt:

        Gute Reise! Hoffentlich geniessen Sie dann dort dieselbe funktionierende Infrastruktur, die man im Alter erst recht braucht. Billiges Haus- und Betreuungspersonal wiegt die Einsamkeit nicht auf, wenn Sie die Sprache nicht gut können.

      • Ruedi sagt:

        Alles vorhanden wie in der CH, werte Christina – tolles Haus, Meer, 9 Monate Sommer, beste medizinische Versorgung, Freunde (auch Schweizer) usf.! Möchte Sie aber keinesfalls neidisch machen! Nur soviel: die gute Frau könnte hier problemlos nur von ihrer AHV leben.
        Noch etwas: Legen Sie Ihr Vorurteil ab, in der CH lebe sich am besten!!

      • Roberto Conte sagt:

        Es ist so dass viele Schweizer verwurzelt sind mit dem Boden auf dem sie zur Welt gekommen sind. Es gibt Vorteile in der Schweiz sowie im Ausland, muss man halt abwägen und vielleicht einen Kompromiss eingehen.

      • Ruedi sagt:

        Richtig, man muss sich entscheiden, was man lieber tut: 5 Enkelkinder hüten – ye, yö, yo, wie herzig – oder nochmals richtig durchstarten und geniessen. Wenn es einsamer wird, dann lieber in einem warmen Klima als den Winter unter einer kalten Hochnebeldecke verbringen zu müssen und wenn möglich noch depressiv werden. Hat man Heimweh nach der CH, setzt man sich ins Flugzeug – ein Nachtflug und man Morgen landet man in Zürich.

  • Hansueli Kaufmann sagt:

    Dieser Artikel enthält leider einige Fehlinformationen: Bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG ist bloss die Umwandlung des BVG-Anteils, also nicht des überobligatorischen Anteils des Altersguthabens, in eine Rente möglich. Bezüglich den bei Versicherungsgesellschaften bestehenden Freizügigkeitskonti ist festzuhalten, dass deren Umwandlung eine lebenslängliche Altersrente schon seit vielen Jahren nicht mehr angeboten wird.

  • Franz sagt:

    Von was lebt sie jetzt, wenn sie „in sehr geringem Umfang Teilzeit arbeitet??

  • Kurt Roethlisberger sagt:

    Auswandern, zum beispiel nach Portugal! Keine Steuern! Lebenskosten
    weniger als die Haelfte als in der Schweiz ! Besseres klima! Billiger
    Fluege in die Schweiz!

  • Macel Barth sagt:

    Eine Leibrente wäre doch zweifelslos die beste Lösung. Ich frage mich, warum dies der Staat mit einer Doppelbesteuerung faktisch verhindert? So trägt doch auch der Staat das Langlebigkeitsrisiko, via zu zahlenden Ergänzungsleitungen nach Aufbrauch des Vermögens.

  • John sagt:

    Hoffentlich haben Sie die 500’000 auf zwei verschiedenen Freizügigkeitskonten, dann können Sie die zwei Beträge in verschiedenen Steuerjahren beziehen und Steuern sparen. Legen Sie sodann etwa 400’000 in Dividendenpapiere (Swisscom, Novartis, CS …) an und tun Sie es über die Migrosbank oder einen anderen Anbieter mit niedriger Courtage. Immer zukaufen nach einer Periode mit mehreren Verlusttagen an der Börse.

  • ida-maria leimer sagt:

    werde 90,lebe nur voin der AHV,wohne gratis,zahle nebenkosten und die Reparaturen am Haus ,das 60 jährig ist.pflanze einen grossen Garten,bin Selbstversorger,backe meistens auch das Brot,da kein Bäcker mehr im Dorf ist.Kleider brauche ich auch nicht viel,1/3 der AHV ist für Krankenkassenprämie,zahnarzt kommt auch noch dazu.zum Arztt gehe ich so wenig wie möglich,als Hausbesitzerin und Sparerin bekomme ich keine Ersatzrente,man muss halt verzichten,letzter Ausweg wäre Suizid,habe das nicht im Sinn.

  • Peter Berger sagt:

    Hat schon jemand nachgezählt wievielmal das gleiche Geld noch und nochmal versteuert werden muss? z.B. Eigenmietwert. Als ich mein Pensionskassengeld ausbezahlt bekam ging ich als erstes zur Steuerverwaltung und gratulierte ihnen da sie ja, grob gerechnet, das ganze Geld in den nächsten 20 Jahren besitzen werden!

  • M. Vetterli sagt:

    Sind Sie sich sicher, dass ein FZK in Rente gewandelt werden kann? Genau diese Möglichkeit besteht doch, auch bei der Auffangeinrichtung, nicht.
    Gem. Reglement der Auffangeinrichtung zu den FZK’s wird diese Möglichkeit nicht erwähnt.
    Ausnahmen nur bei Kapitalien welche aus Scheidungen hervorgegangen sind.
    .
    Auf folgendem Link wird die Möglichkeit einer Auszahlung zudem ausdrücklich verneint:
    http://www.chaeis.net/fzk-freizuegigkeitskonten/kontoinhaber/barauszahlung-infolge-pensionierung.html
    .
    “Gelder aus Freizügigkeitskonten können nicht in Rentenform ausbezahlt werden”
    .
    NB: Rentenwandlung des oblig.Teils zu einem überhöhten UWS sowie Kapitalbezug des üb.oblig.Anteils sollte dringends unterbunden werden. Teilauszahlungen immer nur im Verhältnis. z.B. 45% oblig./55% üb.oblig.

  • Jacques sagt:

    „Warum langes Leben ein Risiko ist“. Stimmt, das Risiko zu sterben wird mit zunehmendem Alter immer grösser. Also das Alter möglichst geniessen, die Jungen machen das dann sowieso. Besonders wenn sie noch viel erben …

  • peter huber sagt:

    besser wäre es das Geld zu 80% in einer Wohnung anzulegen, das kann die Frau problemlos und die Wohnung zu vermieten.
    Damit bleibt das Kapital erhalten und man bekommt die Mietzinsen … komisch, dass dies nicht erwähnt wird. Ich machs nämlich so…

  • Seelenklemptner sagt:

    Das Langlebigkeitsrisiko würde ich vernachlässigen. Aus den folgenden Gründen. In 20 Jahren sind Sie nicht mehr 65 sonder 85. Mit 85 reisst man keine Bäume mehr aus, auch wenn man soweit gesund ist, geniesst man das Leben dann auf ganz andere Weise. Zudem falls Ihnen tatsächlich die Vorsorge Knete ausgeht, haben Sie Anspruch auf Zusatzleistungen der AHV.
    Es gibt so viele Möglichkeiten. Nur schon was mit Kostenreduktion bequem eingespart werden kann etc. Wichtig ist, dass Sie wissen, wie Sie Ihre Zeit als Rentner gestalten wollen. Genug Münz scheinen Sie zu haben, um einige interessante Perspektiven abzuklären.

  • Martin Urs sagt:

    Ich würde mich eingehend damit beschäftigen, Anteilscheine/Zertifikate an Kantonalbanken zu erwerben. Dreizehn KB’s bieten ihre Papiere an. Allen gemeinsam ist eine Dividende in der Grössenordnung von 3%. Diese muss versteuert werden.
    Weitere Informationen finden sich im Börsenteil bei den meisten Banken und Zeitungen. Werden die Anteile breit gestreut, das Risiko tragbar, weil heute noch etliche KB mit Staatsgarantie abgesichert sind.
    Die Titel werden täglich an der Börse SIX gehandelt und können bei Bedarf jederzeit zu Geld gemacht werden. Allfällige Kursgewinne sind steuerfrei. Sehr attraktiv ist der diesjährige Wertzuwachs der Glarner KB.
    Die Überwachung eines Portfolios kann bei jeder Bank selbst eingerichtet werden und ist laufend auf dem aktuellen Stand.

  • Tim Müller sagt:

    Allen Lösungen gemeinsam ist, dass der Staat immer die hohle Hand macht. Da sind unkonventionelle Lösungen gefragt. Ich würde mir mit dem freien Kapital ein kleines Guesthouse in Südafrika zulegen, dieses betreiben und von den Erträgen sehr gut (und fast steuerfrei) leben. Und alle denen, welche nun nach der guten Infrastruktur in der Schweiz rufen sei gesagt, dass man auch an anderen Orten auf der Welt in Würde sterben kann – im Fall von Südafrika sogar noch besser als hier in einer anonymen Palliativabteilung. Im Alter kann man auch generell mehr Risiken eingehen, denn die Sterbewahrscheinlichkeit steigt sowieso rapide.

  • Sander sagt:

    „Langlebigkeitsrisiko“ – ein tolles Wort.
    Man riskiert, dass man nicht früh genug stirbt…

  • Pius Tschirky sagt:

    Ich denke mir, dass sich diese Frau „glücklich“ wähnen kann. Fr. 500 000.– sind aber ein ganz schöner Bazen, die längst nicht jeder hat. Diese Frau dürfte sicher im Hochlohnbereich arbeiten. Fragt sich auch, ob die Frau eine eigenen Immobilie besitzt und ob eventuell eine Hypothek vorhanden ist. Sonst sollte man doch eigentlich mit Fr. 3000.– überleben können, sofern man eben gesund ist. Natürlich eben sicher nicht in der Stadt Zürich.

  • Dodimi sagt:

    Also ich erlaube mir den Artikel „programmiertes Bibbern“ zu nennen. Schön für die Frau, dass sie scheinbar ein eigenes schönes Finanzpolster hat und 20 Jahre davon zehren darf. D.h. dass sind mind. zwanzig Jahre, bei denen sie keine EL beziehen muss. Geht’s wirklich nicht auf, wird sie die EL halt beanspruchen müssen. Und sonst? Sonst halt leben wie ich: Im Ausland mit nur der AHV, die nicht einmal so hoch ist, wie die im Artikel berechnet. Wie gesagt…ein Wohlstandsartikel!

    • Pius Tschirky sagt:

      Denke es mir auch so, Herr Dodimi. Oben war auch vom VZ die Rede. Schlecht sind sie ja nicht, aber ein normaler „Schlucker“ wie ich kann jeweils nur träumen von solchen Zahlen, wie sie jeweils in dort verwendet werden. Von 1 Million Altersguthaben ist da vielfach die Rede. Muss wohl ein sehr reicher Mensch sein, der es schafft seit dem Obligatorium des BVG so ein Kapital anzuhäufen. Darum kann ich eben weder mit dem Bericht, noch mit dem VZ was anfangen. Wo ist nun die Beratung für einfachere Menschen, wie ich es einer bin?

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