Vorsicht bei freiwilligen PK-Einzahlungen!

Noch immer in Unterdeckung: Die Beamtenversicherungskasse (BVK) des Kantons Zürich. Foto: Sabina Bobst

Noch immer in Unterdeckung: Die Beamtenversicherungskasse (BVK) des Kantons Zürich. Foto: Sabina Bobst

Ich bin 51 Jahre alt und kinderlos verheiratet. Mein Mann und ich sind Doppelverdiener und von der Heiratsstrafe bei den Steuern stark betroffen. Meine Überlegung ist, statt in die Säule 3a eine freiwillige Einzahlung in die zweite Säule vorzunehmen, welche ich abziehen kann. Ist das sinnvoll, obwohl meine Kasse (BVK) in Unterdeckung ist? C. S.

An sich sind freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse, soweit sie überhaupt möglich sind, eine gute Sache: Man kann dadurch seine Altersvorsorge stärken und während des Erwerbslebens je nach Höhe der freiwilligen Zusatzzahlungen kräftig Steuern sparen. Letzteres ist, wie ich Ihrem Schreiben entnehme, eine wichtige Motivation für Ihre Überlegung.

Tatsächlich ist der Steuerspareffekt bei freiwilligen PK-Zahlungen erheblich – insbesondere, wenn Sie Ihre Einzahlungen über mehrere Jahre staffeln. Dann können Sie über mehrere Jahre hinweg Steuerabzüge vornehmen und zahlen somit während mehrerer Jahre weniger Steuern. Ein Pluspunkt ist, dass man meist deutlich mehr in die Pensionskasse einzahlen kann als etwa in die 3. Säule, bei welcher der Maximalbetrag für 2017 für Erwerbstätige mit Pensionskasse wie Sie bei 6768 Franken liegt. Wer viel liquide Mittel auf der Seite hat, die er nicht braucht, kann sowohl in die 2. als auch 3. Säule einzahlen und so den Steuerspareffekt noch verstärken.

Zwei Haken

Leider hat die Sache in Ihrem Fall nicht nur einen, sondern gleich zwei Haken. Der erste Haken bezieht sich auf das Todesfallrisiko. Bei Versicherten können freiwillige Einkäufe im Todesfall allenfalls teilweise verfallen. Im Klartext: Falls Sie vor der Pensionierung sterben würden, wäre die freiwillige Einzahlung möglicherweise verloren. Darum empfehle ich, vor einem Einkauf abzuklären, ob die entsprechende Kasse in ihren Bestimmungen eine volle Rückgewähr der Einkäufe bietet. Das würde ich in Ihrem Fall anhand der konkreten, zu erwartenden Hinterlassenenleistungen prüfen.

Noch gravierender ist allerdings der zweite Haken: Ihre Pensionskasse, die Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich (BVK), befindet sich in einer Unterdeckung. Und das leider schon seit einigen Jahren. Zwar hat die BVK Massnahmen zur Verbesserung des Deckungsgrades eingeleitet. Dennoch besteht nach wie vor eine Unterdeckung.

Generell sollte man freiwillige Einzahlungen möglichst nur bei gesunden Pensionskassen vornehmen. Dazu kann die BVK noch nicht gezählt werden. Falls eine Kasse nach mehrjähriger Unterdeckung saniert werden muss, kann sie von den Versicherten Beiträge an die Sanierung verlangen. Obwohl ich erwarte, dass bei der BVK die Sanierung auf guten Wegen ist, müssen Sie sich dieses Risikos bewusst sein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei der BVK über die bereits eingeleiteten Massnahmen hinaus später von den Versicherten im schlimmsten Fall allenfalls weitere Sanierungsbeiträge eingefordert würden.

Den Preis abwägen

Dazu kommt, dass Sie mir schreiben, dass Sie aufgrund der Verstösse der früheren Führung das Vertrauen in die Kasse verloren haben. Darum sollten Sie sich fragen: Würden Sie einer Bank, der Sie nicht mehr vertrauen, Geld zur Verwaltung übergeben? Wohl kaum. Zwar finde ich, dass Sie der neuen BVK-Leitung einen Vertrauenskredit leisten sollten. Falls Ihnen aber dennoch weiterhin das Vertrauen fehlt, würde ich von einer freiwilligen Einzahlung absehen und stattdessen weiterhin die steuerbegünstigte Säule 3a nutzen.

Gerade für Doppelverdiener wie Sie und Ihren Mann macht es Sinn, alle legalen Möglichkeiten zum Steuersparen zu nutzen. Wenn Sie dafür aber wegen der schon länger andauernden Unterdeckung höhere Risiken eingehen müssen, ist der Preis dafür meines Erachtens zu hoch.