Nestlé setzt auf kleine Schritte

Nestlé-Chef Mark Schneider will beim Kaffeegeschäft in den USA zulegen. Foto: PD

Nestlé-Chef Mark Schneider will beim Kaffeegeschäft in den USA zulegen. Foto: PD

Investorentage sind mal spannend, mal nicht. In der Schweizer Szene stehen gerade einige dieser Veranstaltungen an. Am meisten gespannt bin ich auf Nestlé. Am 26.  September tritt Mark Schneider in London erstmals als Chef des grössten Nahrungsmittelkonzerns in einem solchen, ungezwungenen Rahmen auf. Zeigen muss der seit 1. Januar amtierende Schneider, wie er das Wachstum beschleunigen will. Denn so langsam wie 2016 ist Nestlé kaum je zuvor gewachsen. Einige Analysten rechnen darum mit dem grossen Wurf. Da bin ich mir nicht so sicher, denn das würde nicht zu Schneider passen. Er hat seit Jahresbeginn kontinuierlich Portfolioanpassungen vorgenommen. Beispielsweise soll das Süsswarengeschäft in den USA verkauft werden. Im Kaffeegeschäft will er dagegen zulegen und hat darum gerade eine Mehrheit an der US-Kaffeekette Blue Bottle Coffee übernommen. Insofern zeigt Schneiders bisherige Arbeit gut, was er vorhat. Interessiert bin ich also, aber allzu gespannt auch wieder nicht. Dosiert kaufen

Chinesen kaufen wieder Uhren

Hand aufs Herz: Ich habe nicht wirklich verstanden, weshalb die Aktien von Richemont diese Woche nachgegeben haben. Der Zwischenbericht für die Monate April bis August des Luxusgüterkonzerns macht Lust auf höhere Kurse. Das Geschäft mit Schmuck und Uhren kommt immer stärker in Schwung, vor allem beim Schmuck liegen die Wachstumsraten deutlich über den Erwartungen des Marktes. Auch bei den teuren ­Zeitmessern nimmt der Umsatz deutlich zu. Allein im asiatischen Raum hat Richemont einen Viertel mehr eingenommen als ein Jahr zuvor. Das spiegelt die wiedergewonnene Kauflust der Chinesen. Bereits spekuliert die Zürcher Kantonalbank darauf, dass Richemont im Oktober mit einer «positiven Gewinnwarnung» kommen könnte. Damit ist der Hinweis gemeint, dass der Gewinn deutlich höher als prognostiziert ausfallen könnte. Das würde auch die stattliche Bewertung, die auf zumeist konservativen Gewinnschätzungen beruht, deutlich relativieren. Kaufen

4-Prozent-Anteil verkauft

Die Raiffeisenbank hat ihren 4-Prozent-Anteil am Versicherer Helvetia für circa 200 Millionen Franken an institutionelle Anleger verkauft – 2,5 Prozent unter dem Tagesschlusskurs. Schluss gemacht miteinander haben Raiffeisen und Helvetia aber nicht. Operativ ­wollen sie weiter kooperieren. Die ­Berater der Bank bieten Hypothekarkunden die Lebens- und Risikoversicherungen des Partners an, die Helvetia-Gruppe baut Anlagefonds der Genossenschaftsbank in vermögensgebundene Policen ein. Daran wollen beide festhalten. Für die Helvetia-Aktionäre entsteht jedenfalls kein erkennbarer Nachteil, weshalb sie an ihren Posi­tionen festhalten sollten. Die ­Valoren standen am Freitag verständlicherweise etwas unter Druck, da nun ja eine ­grössere Zahl von Aktien im freien Handel ist. Aber ein begrenztes Kurspotenzial liegt nun drin. Das Unternehmen kann freier als bislang weitere ­Vertriebskooperationen mit anderen Finanzpartnern eingehen. Bankchef Patrik Gisel kann sich bei Gelegenheit aus dem Helvetia-Verwaltungsrat zurückziehen und sich ganz auf seine Kernaufgabe konzentrieren. Bestehen bleiben wird wohl seine Frustration darüber, dass der Versicherer mit eigenen Hypothekenange­boten die Raiffeisenbanken konkurriert, aber immerhin würde er dann nicht mehr als Verwaltungsratsmitglied aktiv diese Geschäftspolitik mittragen müssen. Abwarten

Rosige Wachstumsaussichten

Turbulent ging es zuletzt bei den Aktien von Zur Rose zu, sie notieren klar unter dem Emissionspreis von 140  Franken. Nun erklärte Chef Walter Oberhänsli, die Tochter DocMorris plane weitere Apothekenautomaten in Deutschland, ­obwohl das Pilotprojekt in Baden-Württemberg vom Gericht gestoppt wurde. Das sollte signalisieren, dass sich das Management um die politischen Unsicherheiten vor der Bundestagswahl kommende Woche nicht schert. Zwar steht bei den Unionsparteien im Wahlprogramm das Versandverbot rezeptpflichtiger Medikamente. Das würde vor allem DocMorris, den Markt­führer Europas, empfindlich treffen. Dass das Versandverbot aber tatsächlich kommt, ist unwahrschein­lich, denn dann würden enormen Entschädigungen auf den deutschen Staat zukommen. Wahrscheinlicher ist eine Einschränkung der Rabatte, die ausländische Versender – wie DocMorris – seit fast einem Jahr wieder gewähren dürfen. Selbst wenn sich durch die heftige Kampagne der Apothekerlobby jetzt Kunden verunsichern lassen, die Wachstumsaussichten für die nächsten fünf Jahre sehen noch immer rosig aus auf dem deutschen Markt. Und nun soll angeblich Amazon Interesse an einer Übernahme der deutsch-niederländischen Shop-Apotheke haben, dem Konkurrenten von DocMorris. Ist das gut oder schlecht für Zur Rose? Einerseits würde es den Konkurrenten massiv stärken, andererseits: Wenn Amazon etwas kauft, kann das Geschäftsmodell so schlecht nicht sein. Kaufen