Die Zeit ist reif für Schweizer Uhrenmarken

Die Schweizer Uhrenmarke Tissot gehört zur Swatch Group. Foto: Georgios Kefalas/Keystone

Die Schweizer Uhrenmarke Tissot gehört zur Swatch Group. Foto: Georgios Kefalas/Keystone

Im Fernsehen habe ich gesehen, dass der Export wieder besser läuft. Ich will darum Uhrenaktien im Depot. Würden Sie mir dies empfehlen? A. R.

Der grosse Treiber des Schweizer Exportes ist der Pharmasektor, aber Sie haben recht, dass auch die Uhren deutlich stärker gefragt sind. In den letzten drei Monaten sehen wir bei den Ausfuhren von Schweizer Uhren eine erfreuliche Entwicklung. Allein im Juli stiegen die Uhrenexporte gegenüber der Vorjahresperiode um fast 4 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken. Schub gegeben hat vor allem Festlandchina, wo mehr als ein Fünftel mehr Uhren abgenommen wurden, aber auch der sehr wichtige Uhrenhandelsplatz Hongkong, wo die Exporte rund 17 Prozent zulegten.

Enttäuschend war die Entwicklung indes in Italien, Grossbritannien und Frankreich. Trotzdem sieht die Gesamtbilanz für den Schweizer Uhrensektor in den vergangenen drei Monaten gut aus, und es spricht viel dafür, dass dieses Wachstum anhält, zumal sich auch die Schmuckverkäufe positiv entwickeln. Zusätzliche Unterstützung bekommen die Uhrenhersteller vom abgeschwächten Franken. Der Euro hat zum Franken und zum Dollar kräftig zugelegt. Allerdings gilt es, zu beachten dass der Luxusgüterkonzern Richemont anders als die Hauptkonkurrentin Swatch Group nicht in Schweizer Franken, sondern in Euro bilanziert. Somit wirkt sich der Euroanstieg in der Rechnung unterschiedlich aus – beide Unternehmen profitieren aber zumindest bei den Verkäufen davon, dass ihre Produkte weniger unter der Frankenstärke leiden.

Bei Richemont führt die Eurostärke zu einem positiven Einmaleffekt bei den Halbjahreszahlen: «Falls die Währungsrelationen auf dem aktuellen Niveau bleiben, wird Richemont einen hohen Finanzgewinn ausweisen können – Buchgewinn auf der hohen Euro-Liquidität –, weshalb der Reingewinn sogar um mehr als 60 Prozent steigen würde», prognostiziert ZKB-Chefanalyst Patrik Schwendimann. Gleichzeitig warnt er aber: «Die für vorsichtige Prognosen bekannte Richemont dürfte jedoch darauf hinweisen, dass sich das Umsatz- und Gewinnwachstum im zweiten Halbjahr verlangsamen werde.» Trotzdem empfiehlt er Richemont zum Kauf.

Optimistisch fürs zweite Halbjahr gibt sich Konkurrentin Swatch Group: CEO Nick Hayek erwartet für das Geschäftsjahr 2017 ein deutliches Umsatzwachstum in Lokalwährungen von bis zu 9 Prozent. Zwar ist Nick Hayek als Daueroptimist bekannt, dennoch halte ich seine Prognose angesichts des durch die Exportdaten gut abgestützten Wachstumstrends für plausibel. Vor diesem Hintergrund macht für mich ein Engagement in den Uhrenaktien Swatch Group und Richemont Sinn – vorausgesetzt Sie setzen nicht allein auf diese Titel, sondern halten ein breit diversifiziertes Aktiendepot. Aktuell entwickelt sich Richemont besser. Ich traue aber auch den Swatch-Group-Papieren eine weitere Erholung zu. Allerdings müssen Sie sich bewusst sein, dass auch diese Titel keineswegs günstig sind und insbesondere bei negativen geopolitischen Ereignissen – etwa bei einer kriegerischen Eskalation der Nordkoreakrise – deutlich einbrechen könnten.

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