Wie vorsorgen, wenn der Partner verstorben ist

Schmerzlicher Verlust: Nach dem Tod des Partners müssen auch die finanziellen Fragen geklärt werden. Foto: Getty

Schmerzlicher Verlust: Nach dem Tod des Partners müssen auch die finanziellen Fragen geklärt werden. Foto: Getty

Vor drei Monaten habe ich meinen Mann verloren. Statt einer Rente habe ich mir das Kapital von 800’000 Franken auszahlen lassen. Auf unserer Eigentumswohnung habe ich eine Hypothek von 600’000 Franken. Ich arbeite Teilzeit und bekomme eine Witwenrente. Weiter habe ich inklusive 3. Säule 300’000 Franken Vermögen. Nun bin ich überfordert und weiss nicht, wie ich mit dem Geld umgehen soll: Auf dem Konto stehen lassen? Hypothek abzahlen oder in die PK einkaufen? C. K.

Zusätzlich zum schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen ist man nach einem Todesfall plötzlich mit vielen finanziellen Fragen konfrontiert, die einen leicht überfordern können. Da ist es richtig, wenn Sie sich von verschiedenen Stellen Unterstützung holen und Ihre gesamte finanzielle Situation abklären lasen. Das Geld einfach auf dem Konto liegen zu lassen, wäre in Ihrer Konstellation eine schlechte Lösung.

Erstens gehen Sie je nach Bank ein gewisses Sicherheitsrisiko ein, da bei einem Bankenzusammenbruch nur maximal 100’000 Franken pro Kunde gesichert sind. Zweitens haben Sie auf dem hohen Geldbetrag dann null Rendite, da das Konto bei fast allen Instituten kaum mehr etwas abwirft. Die Hypothek können Sie nicht per sofort abzahlen, da Sie – wie Sie mir schreiben – mehrere Festhypotheken haben, die noch mehrere Jahre Laufzeit aufweisen.

Weniger Steuern dank Amortisation der 3. Säule

Eine Teilamortisation ist ab dem Ende der Laufzeit der ersten Tranche sicher prüfenswert, damit Sie weniger Zins bezahlen. Es könnte sogar sein, dass die Bank aufgrund der neuen Situation eine Teilamortisation verlangt. Allerdings müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie später kaum mehr eine neue Hypothek bzw. eine Aufstockung bekommen, da die Banken bei der Berechnung der Tragbarkeit sehr strenge Richtlinien anwenden. Erst recht auf die Pensionierung und das Alter hin.

Da Sie erwerbstätig sind, würde ich ohnehin eine indirekte Amortisation via 3. Säule vorziehen, da Sie so weniger Steuern zahlen. Eine Überlegung wert ist ein freiwilliger Einkauf mit einem Teilbetrag über mehrere Jahre hinweg in Ihre eigene Pensionskasse, sofern diese finanziell gesund ist. Auch mit einem freiwilligen PK-Einkauf würden Sie deutlich Steuern sparen und vor allem Ihre eigene Altersvorsorge stärken.

Dies scheint mir ein zentraler Punkt zu sein: Ich rate Ihnen, zusammen mit Ihrer Bank und Ihrer Versicherung, Ihre Altersvorsorge zu überprüfen. Ein solcher Check zeigt dann, wo Sie Lücken haben und ob ein Einkauf in die Pensionskasse wirklich sinnvoll ist.

Handlungsspielraum frühzeitig nutzen!

Zusätzlich würde ich mir von mehreren Banken und allenfalls auch von Ihrer Versicherung je einen Vorschlag für die Anlage der nun brach liegenden Gelder unterbreiten lassen. Vertrauen Sie nicht einfach nur einer einzigen Person allein, sondern holen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit immer möglichst mehrere Offerten ein. Anhand der verschiedenen Offerten können Sie besser beurteilen, was Ihren Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht.

Wichtig ist, dass Sie sich aber schon vorgängig Gedanken machen, wie viele Risiken Sie eingehen möchten und können und welche Renditevorstellungen Sie haben. Wichtig ist vor allem die Risikofähigkeit: Sie müssen wissen, ob Sie mit Kursschwankungen gut umgehen können oder ob Sie möglichst keine Risiken tragen möchten. Je nach Risikofähigkeit und Ihrem Anlagehorizont sind die Anlagevorschläge der Bank stärker auf eine höhere Rendite hin ausgerichtet oder sehr konservativ. Auch die Gebühren sollten Sie im Auge behalten, da diese Ihre Rendite wegfressen.

Am wichtigsten stufe ich aber Ihre eigene Altersvorsorge ein. Gerade als Witwe ist es wichtig, dass Sie genau abklären, wie sich Ihre finanzielle Situation im Alter präsentiert. Da Sie noch erwerbstätig und einige Jahre von der Pensionierung entfernt sind, haben Sie noch genügend Handlungsspielraum, um allfällige Lücken in Ihrer Altersvorsorge zu füllen, damit Sie im Alter Ihren Lebensstandard nicht deutlich reduzieren müssen.

2 Kommentare zu «Wie vorsorgen, wenn der Partner verstorben ist»

  • Roland Heinzer sagt:

    Warum haben sie das Pensionskassenkapital auszahlen lassen?
    Wer keine Erfahrung im Verwalten und Anlegen von Geld hat sollte immer die Rente wählen oder nur einen Teilbezug von Kapital machen. Der grosse Vorteil der PK ist, falls sie zahlungsunfähig wird springt der staatliche Auffangfond ein und die Rente fliesst weiter (wenigstens fürs Obligatorium).
    Ich rate allen vor der Pensionierung einen „Kassensturz“ zu machen und einen Finanzplan. Dazu gehört auch die Variante wieviel bekommt eine Witwe oder der Witwer wenn der/die Pattner/in stirbt.

  • Martina Kaeser sagt:

    Vorerst mein Beileid. Ich als Frau würde mich fragen, ob ich in der Wohnung bleiben möchte oder weniger, eruieren, ob sie gut vermietbar wäre oder weniger, gut Käufer finden würde oder weniger, wie hoch sind die monatlichen Unterhaltskosten ohne Hypothek, die Betriebskosten? Die Hypothek scheint mir hoch. Soll ich die Hypo gänzlich abtragen ( ich bediene sie alleine, Banken zaudern nicht, neues EkSt-Gesetz angedacht), wohnen bleiben? Das heisst, investiere ich das Geld, um die Wohnung schuldenfrei zu machen? Scheint es mir sinnvoller, nach einer anderen, kleineren als Kauf zu suchen? Vom Restgeld würde ich etwas behalten und den grösseren Teil in die Alters- Rentenversicherung investieren Ein Stück Arbeit, erfordert Geduld und Konzentration. Ich denke, da könnte ich gut schlafen.

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