Die Batterie ist heiss

Investition in die Zukunftstechnologie von Hochleistungsbatterien: Tesla Modell 3. Foto: AP

Investition in die Zukunftstechnologie von Hochleistungsbatterien: Tesla Modell 3. Foto: AP

Immer häufiger sieht man Elektroautos auf der Strasse. Diese brauchen Batterien. Wenn sich Elektroautos noch breiter durchsetzen, müssten auch Batteriehersteller boomen. Wie kann ich daran partizipieren? Z. F.

Einen Boom erwarte ich nur im Bereich der wiederaufladbaren Batterien und nicht bei den ökologisch problematischen Wegwerfbatterien. Gerade Elektrofahrzeuge, aber auch viele technische Geräte wie Smartphones und Laptops sind darauf angewiesen, dass ihre Akkus lange halten und schnell aufladbar sind.

Hier gab es in den letzten Jahren enorme technische Fortschritte. Noch immer aber sind die Batterien ein Schwachpunkt bei vielen Elektroautos. Im Vergleich zu Benzin- und Dieselfahrzeugen sind sie bei langen Fahrstrecken noch im Nachteil. Auch die Aufladezeiten sind noch zu lang. Zudem sind leistungsstarke Batterien noch zu teuer. Ich bin aber sicher, dass sich das bald ändern wird und bei den Akkus weitere grosse Fortschritte erreicht werden.

Einen Schub erwarte ich insbesondere bei den Lithium-Ionen-Batterien, während Batterien auf der Basis von Nickel sowie Blei weniger stark wachsen dürften. Wie die Zürcher Kantonalbank in einer lesenswerten Studie über diesen Sektor schreibt, haben die Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien grosse Ausbaupläne: «Alleine die chinesischen Hersteller wie CATL, BYD oder Boston Power planen nahezu eine Verdreifachung der Produktionskapazitäten.» Auch die koreanische Hersteller LG Chem und Samsung würden grosse Kapazitätsausweitungspläne verfolgen.

Bereits für viel Fantasie bei den Anlegern hat die amerikanische Tesla gesorgt. Nicht nur wegen der Tesla-Fahrzeuge, die für viele Kult sind, sondern auch, weil Tesla im grossen Stil ins Batteriegeschäft eingestiegen ist. Dabei arbeitet der US-Konzern mit der japanischen Panasonic zusammen. Schon Ende nächstes Jahr sollen mittels der Gigafactory im US-Bundesstaat Nevada so viele Batterien produziert werden, wie 2013 auf der ganzen Welt hergestellt wurden.

Vom Boom bei den Lithium-Ionen-Batterien profitieren könnten Sie somit, indem Sie Aktien von Tesla kaufen. Damit würden Sie gleich zwei Fliegen auf einen Streich erlegen: Sie wären bei der Erfolgsstory der Tesla-Fahrzeuge dabei und ebenso beim Wachstum des Batteriesektors. Allerdings sind die Tesla-Papiere hoch bewertet und riskant. Zudem gehen Sie ein Klumpenrisiko ein. Das Gleiche gilt, wenn Sie in einzelne asiatische Hersteller investieren, so weit das überhaupt möglich ist. Hier würde ich Fonds vorziehen.

Hierzulande bekannt ist der Westschweizer Batterienhersteller Leclanché. Die Risiken bei diesem Titel halte ich aber aufgrund hausgemachter Probleme für hoch. Eine Überlegung wert finde ich indes vor dem Hintergrund des Booms bei Lithium-Ionen-Batterien ein Engagement bei der Bieler Swatch Group. Die von der Hayek-Familie dominierte Uhrenherstellerin ist an der Firma Belenos beteiligt. Belenos hat zusammen mit der ETH eine eigene Lithium-Ionen-Batterie entwickelt. Zudem weist die ZKB in ihrer Studie darauf hin, dass die Swatch im Bereich Knopfbatterien mit der Tochter Renata bereits zu den weltweit grössten Herstellern zählt, schreibt allerdings: «Auf absehbare Zeit wird aber auch Swatch hauptsächlich in anderen Märkten mehr Umsatz erwirtschaften.»

Meines Erachtens ist das sogar eher ein Pluspunkt: Wenn Sie die damit verbundenen erhöhten Schwankungsrisiken problemlos tragen können und Aktien von Swatch Group im Depot haben, profitieren Sie einerseits an den Wachstumsperspektiven im internationalen Uhren- und Schmuckgeschäft. Anderseits partizipieren Sie am Boom im Batteriensektor. Auch da gehen Sie wie bei Tesla ein Klumpenrisiko ein. Indem Sie sowohl Tesla als auch Swatch Group in einem breit diversifizierten Aktienportefeuille halten, relativiert sich dieses allerdings etwas.

Vor allem stufe ich die Risiken mit dieser Strategie etwas geringer ein, als wenn Sie nur auf reine Batteriehersteller setzen. Auch ohne Batteriegeschäft sind Tesla und Swatch Group zwei international hoch anerkannte Kultmarken. Das Standbein im Batteriesektor weckt bei beiden Titeln aber zusätzliche Wachstums- und Kursfantasien.

13 Kommentare zu «Die Batterie ist heiss»

  • Rico Hauser sagt:

    „Zudem sind leistungsstarke Batterien noch zu teuer“. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass sich das bald ändern wird. Der Autor schreibt selber, dass nur Lithium-Batterien die relativ höchste Energiedichte haben (wenn auch bei weitem nicht mit einem Benzintank vergleichbar). Was im Artikel mit keinem Wort erwähnt wird: Die globalen Lithium-Vorkommen sind begrenzt. Ein grosser Run auf Batterieautos wird daher zwingend zu einer massiven Verteuerung des Lithiums führen. Damit werden E-Autos so teuer, dass nur noch Reiche sich so was leisten können. Auf diesen Trend zu setzen ist also viel riskanter als das im Artikel dargestellt wird.

    • Stefan W. sagt:

      Derzeit werden weltweit weniger als 100’000 Tonnen Lithium pro jahr gefördert. Die Reserven allein in den bereits erschlossenen Minen werden auf über 10 Millionen Tonnen geschätzt. Mit anderen Worten: Im Moment ist noch keine Verknappung in Sicht. Und bereits mittelfristig lässt sich Lithium ja aus Akkus sehr gut recyclen.

      • Ulrich Konrad Schweizer sagt:

        Wenn bald 100 mal soviele Autos mit Batterien produziert werden sollen, dann sind die Reserven im nu weg.

  • Stefan Brunner sagt:

    Die Swatch Batterie basiert nicht auf Lithium:

    Batterien basieren auf Vanadiumpentoxid
    Schon vor zehn Jahren hatte das Unternehmen die Idee, nach alternativen Materialien zu forschen, um leistungsfähigere Batterien zu bauen. Während der Forschungen stießen die Chemiker auf Vanadium und haben sich in den vergangenen Jahren ganz auf Batterien basierend auf Vanadiumpentoxid konzentriert. Vanadium ist in großen Mengen verfügbar, nicht so teuer wie Lithium und lässt sich zudem gut recyceln.

    http://www.ingenieur.de/Themen/Energiespeicher/Swatch-Superbatterie-fuer-Elektroautos-entwickelt

  • Norbert Eichler sagt:

    Korrektur betr. die erwähnte neue Batterietechnologie von Belenos (Swatch Group):
    „… it is not, as is usually the case, based on lithium, which is becoming more and more expensive, but on a particular compound of vanadium, which is available in large quantities and can be recycled without difficulty. With the same weight, an electric car with the vanadium battery achieves a 30% greater range than with the conventional battery model. The Swiss battery can also be charged much more quickly.“
    (zitiert aus einem Artikel auf http://www.swatchgroup.com; der deutsche Originaltext stammt aus der NZZ am Sonntag)

  • Stefan W. sagt:

    Das Problem ist, dass Tesla heute schon überbewertet erscheint. Der Kurs spiegelt eher Phantasien als wirtschaftliche Realitäten. Für einen „fairen“ Einstieg ist man schon zu spät. Wenn der Tesla 3 die (zu) hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen kann, werden die Aktien heftig abstürzen, Akkufabrik hin oder her.

  • Rolf Lutz sagt:

    Ein interessanter Kandidat in diesem Zusammenhang könnte auch auch die belgische Umicore sein, auch wenn sie nicht selber Batterien herstellt. Umicore ist führend bei der Wiederaufbereitung von Lithium-Ionen Batterien und wird u.a. von Tesla für das Recycling ihrer Autobatterien eingespannt. Die Wiederaufbereitung von Autobatterien wird mit der Verbreitung von Elektroautos selbstredend an Bedeutung gewinnen.

  • Molnar sagt:

    Wie wäre es mit einer Anlage in den einzigen Batterie Herstelle der Schweiz
    Lelanche.

    • Marc Berthoud sagt:

      Da kassiert irgendein CEO aus den USA 1.6 mio CHF / Jahr…. und macht dafuer Jahr fuer Jahr 30 mio Verlust…

  • olivero sagt:

    Tesla und Swatch sind hoch annerkante Kultmarken: Als Investor wäre hier aber wichtig zu wissen, Swatch verdient jedes Jahr Milliarden und Tesla verliert jedes Jahr Milliarden. Tesla könnte ohne jährliche Kapitalaufnahme den Laden längst dicht machen. Gerade diese Woche hat die Firma wieder 1.2 Mia. USD mittels Anleihe aufgenommen. Angeblich für Investition des Model 3, obwohl noch im Sommer bestätigt wurde, das Geld reiche locker bis Ende Jahr. Wenn das Mod. 3 kein Erfolg wird, wird Tesla nicht mehr lange überleben.

  • offgrid sagt:

    Hier mal ein Vorschlag für ein schön diversifiziertes Lithium Batterie Portfolio: LG chem, Samsung SDI, BYD, Tesla, Sekisui Chemical, Umicore, Yuasa, China Molybdenum (Kobalt aus Kongo, Übernahme von Freeport McMoran). Performance dieses Portfolios in den letzten 12 Monaten ca +70%. Bin gespannt auf andere Ideen. Belenos halte ich für hoch spekulativ.

    PS: Lithium gibt es auch im Meerwasser, mehr als genug. Mit den aktuellen Lithiumchemien ist eher Kobalt der Engpass. Da gibt es aber kein reines Investment, weil Kobalt bisher nur ein Abfallprodukt der Kupferförderung ist. Es gibt zwar ein paar interessante Exploratoren, aber davon lasse ich nach negativen Erfahrungen die Finger …

  • Martin von Reding sagt:

    interessant diese beiden Extrem-Darstellungen zu lesen!
    TESLA ist IN, – ist sehr gut und auf dem Vormarsch -trotz den vielen Verlusten-! Wie geht das? mit immer neuem Geld aufnehmen!
    Warum sind die EU-Autobauer nicht auch auf dem Tesla-System? Wollen sie einfach ihre bestehenden Strukturen aus- und weiterbauen oder wollen sie nicht „checken“, dass die Zeiten ändern wie früher die Seidenindustrie, die Spinnereien, die schweizerische Maschinenindustrie (Escher-Wyss, Sulzer, Rüti, von Roll, Georg Fischer u.v.a.?)? Wo sind diese grossen Firmen, Konzerne, heute? Trotz den Millionen-Zocker sind sie (fast) wie weg-geblasen, oder?
    Wenn Tesla weiter wächst, gibt es in der Autobranche grosse Einbussen und Verluste die wir uns fast nicht vorstellen können!
    oder nicht?

  • Matthias sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag.
    Meines Erachtens müsste man aber bei Tesla auch vieles in Relation sehen. Die angestrebten und tatsächlich produzierten Mengen weichen enorm ab und zudem war Tesla bisher fast nie in der Lage überhaupt Gewinne zu schreiben.
    Ich persönlich sehe Leclanché als geeigneten Kandidaten für eine Investition. Nicht etwa weil sie finanziell momentan Ideal dahstehen (in der tat, eine sehr riskanten Investition), aber weil ihr Produktportfolio vor allem auf grosse Energiespeicher und Marine Systeme abziehlt. Und da glaube ich, können sie sich mit dem Jahrelangen Know-How definitiv erfolgreich positionieren.

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