Roche zeigt es allen

Roche-Labor: Der Pharma-Riese versucht, die Abhängigkeit von Blockbustern zu verringern. Foto: PD

Roche hat wie viele Pharmakonzerne ein Problem – eigentlich. In jüngster Zeit ist eine Reihe von Patenten wichtiger Medikamente ausgelaufen. Bei den Baslern ausgerechnet bei den drei grössten Produkten, die im vergangenen Jahr jeweils um die 7 Milliarden Franken zum Gesamtumsatz von 39 Milliarden beigetragen haben. Wenn Patente auslaufen, drängen Konkurrenten mit Nachahmer­medikamenten zu deutlich geringeren Preisen auf den Markt. Deswegen versucht Roche schon länger, seine Abhängigkeit von den «Grossen Drei» (Blockbuster) abzubauen: Neue Arzneien werden lanciert, die auch künftig den Umsatz wachsen lassen. Wie erfolgreich der Konzern damit bereits ist, zeigen nun die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr. Vor allem dank neuer Medikamente stieg der Umsatz kräftig um fünf Prozent, begleitet von einer höheren Marge. Das kam für viele Analysten überraschend. Roche ist damit gut gerüstet, wenn nächstes Jahr die erwartete Welle der Nachahmerprodukte voll durchschlägt. Mehrere vielversprechende Arzneien sind zudem noch in der Pipeline. Der Aktienkurs hat noch Potenzial nach oben. Kaufen

Nur kleine Kurseinbusse

Der Semesterbericht von Nestlé hat enttäuscht. Dem Nahrungsmittelhersteller ist es nicht gelungen, das Wachstum im zweiten Quartal zu beschleunigen. Zudem wurde in die Jahresprognose eine Prise Vorsicht eingebaut. Dennoch blieb die kalte Dusche für die Anleger aus, und es setzte nur einen Spritzer in Form einer kleinen Kurseinbusse ab. Das liegt an der Spezialsituation, in der Nestlé derzeit steckt. Nestlé-Chef Mark Schneider muss den Konzern umbauen und für unrentable Einheiten neue Lösungen suchen. Noch hält er seine Pläne bedeckt. Dass sie nicht in einer Schublade verschwinden, bevor sie angepackt werden, dafür hat der US-Investor Daniel Loeb gesorgt. Der Hedgefonds-Manager stellte vor einem Monat – der Marktschreiber hat darüber berichtet – publikumswirksam Forderungen nach einem von Nestlé wohl bereits vorher eingefädelten Aktienrückkauf und einer Portfolioöffnung. Diese spannende und vielversprechende Konstellation hält das Anlegerinteresse an Nestlé aufrecht. Der Investorentag Ende September ist die geeignete Plattform für Schneider, um zu zeigen, in welche Richtung die Reise in den nächsten Jahren gehen soll. Sein bisheriger Leistungsausweis ist die Grundlage für das Anlegervertrauen. Dosiert kaufen

Preisdruck

Das Umsatzwachstum der Zehnder Group war im ersten Halbjahr ansprechend, vor allem was das Lüftungssegment betrifft. Umso mehr enttäuschen aber Betriebsergebnis und Gewinn. Die ohnehin dünne operative Marge hat sich nochmals halbiert (auf 2 Prozent). In der Region Nordamerika gab es sogar einen operativen Verlust wegen Sonderkosten. Es gelang Zehnder zudem nicht, höhere Stahl­preise an die Kunden weiterzugeben, und die Nachfrage zielt ohnehin auf günstigere Heizkörper als jene von Zehnder. Es herrscht Preisdruck. Die Schwäche des Pfunds macht weiter zu schaffen. Dazu kam der Produktionsunterbruch in der Türkei, bedingt durch ein Erdbeben. Zwar sind viele Fak­toren extern gegeben, aber auch unabhängig davon sind die Margen schwach. Verschiedene Massnahmen, der Gewinnerosion entgegenzuwirken, laufen. Es ist aber noch nicht ersichtlich, wie schnell und wie deutlich sie ihre Wirkung entfalten, sicher aber noch nicht im laufenden Jahr. Meiden

Rote Zahlen als Normalität

Für Myriad könnte das Börsenabenteuer bald zu Ende gehen. Das kleinkapitalisierte Software-Unternehmen, das zuletzt mit einer Messaging-App namens Versy den Erfolg suchte, will sich von der Börse verabschieden. Versy hat Millionen verschlungen und wurde in der Zwischenzeit fallen gelassen. Die anderen Unternehmensbereiche werfen mit einem Angebot aus der Zeit vor dem Smartphone kaum Geld ab. Der Umsatz schrumpft seit Jahren, und rote Zahlen sind die Normalität. Die Aktien haben seit Anfang Jahr über die Hälfte an Wert verloren. Erstaunlich, dass der Hauptaktionär Martin Ebner die Gesellschaft noch nicht fallen gelassen hat. Die anderen leidtragenden Myriad-Aktionäre sollen indes nochmals eine Kapitalerhöhung mittragen, um einen Neustart als privates Unternehmen zu ermöglichen. Myriad will es diesmal im umkämpften Markt für Technologie für das Internet der Dinge versuchen. Einen Businessplan hat noch niemand gesehen. Myriad hat sich bis jetzt als Unternehmen profiliert, das Geld von Ebner-gläubigen Aktionären verbrennt. Ich weine den Titeln keine Träne nach. Wer sich noch nicht getrennt hat, sollte das spätestens jetzt tun. Meiden

Rekordverdächtig

Vor Monatsfrist machte es den Anschein, als wäre den Aktien von Sika etwas die Luft ausgegangen. Doch jüngst sind sie in Vorfreude auf die Halbjahreszahlen wieder gestiegen. Und die Optimisten haben recht behalten. Als die Zahlen bekannt geworden sind, hat der Kurs Höchstwerte von über 6600 Franken erreicht. Die Titel notieren nun gut ein Drittel höher als zu Jahresbeginn – auch das ist rekordverdächtig. Und die opera­tiven Perspektiven sind weiterhin hervorragend. Der hohe Wachstumsrhythmus sollte auch im zweiten Semester anhalten. Die Strategie stimmt, und der seit 1. Juli amtierende CEO Paul Schuler setzt auf Kontinuität. Die Titel scheinen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 stolz bewertet – es reflektiert allerdings die hohe Anlagequalität von Sika. Ein Rekord kommt nach dem anderen. Irgendwie langweilig. Aber lukrativ langweilig. Ich bleibe bei meiner Empfehlung. Dosiert kaufen

1 Kommentar zu «Roche zeigt es allen»

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