Ypsomed schockiert die Anleger

Ypsomed: Der Aktienkurs brach am Freitagmorgen um fast 30 Prozent ein. Foto: PD

Um fast 30 Prozent brach am Freitagmorgen der Aktienkurs des Medizinaltechnikers Ypsomed ein. Der Handel wurde zeitweise sogar ausgesetzt, damit Händler und ­Investoren Luft holen können. Geradezu geschockt reagierten die Anleger auf die Neuigkeit, dass Ypsomed einen lukrativen Vertriebsvertrag mit der US-Gesellschaft Insulet ab Mitte 2018 verliert. Die Burgdorfer hatten seit 2010 erfolgreich deren Insulinpumpe OmniPod in Europa und anderen Ländern ausserhalb der USA vertrieben. Wie ich im Mai an dieser Stelle berichtet habe, hatte Ypsomed allerdings zuvor bereits ein Investitionsprogramm gestartet, um eigene Produkte wie die YpsoPump schneller auf den Markt in Europa zu bringen. Schon damals reagierten Anleger jedoch enttäuscht, weil das Unternehmen dabei in Kauf nahm, weniger Gewinn zu schreiben. Doch dürfte sich die Strategie jetzt mit dem Verlust des Vertriebsvertrags auszahlen. Zunächst wird der Betriebsgewinn natürlich noch stärker belastet als bisher gedacht: Analysten rechnen mit bis zu 25 Millionen Franken weniger – fast die Hälfte dessen, was Ypsomed vergangenes Jahr verdient hat. Da der Gewinnbeitrag von OmniPod später ohnehin gesunken wäre, bleiben die Gewinnziele des Managements für das Geschäftsjahr 2019/20 aber realistisch – wenn sich denn die Investitionen auszahlen. Immerhin bekommt Ypsomed jetzt auch noch 50 Millionen Dollar Kompensation von den Amerikanern, die für die beschleunigte Markteinführung neuer eigener Produkte verwendet werden könnten. Auch wenn die Aktien nun viel tiefer notieren: Wegen der gestiegenen Unsicherheit bleibe ich bei meinem Urteil, wie ich es an dieser Stelle vor rund zwei Monaten kundgetan habe. Meiden

Blockbuster über das Internet

Wissen Sie noch, wann Sie zuletzt eine Videothek besucht haben? Wenn Sie nicht wie einer meiner liebsten Kollegen Klassiker bevorzugen, dürfte es eine Weile her sein – und genau deshalb lohnt ein Blick auf Netflix. Das Unternehmen hat Ende der 90er-Jahre DVDs per Post ausgeliehen, bereits damals als ­Alternative zu Videotheken. Vor zehn Jahren kam das Streamen von Filmen dazu: Über Smartphone, Tablet oder smarten Fernseher werden die Blockbuster nun über das Internet abgerufen. Allein von ­April bis Juni hat die Gesellschaft 5 Millionen neue Abonnenten gewonnen. 104 Millionen Menschen weltweit schauen schon Netflix statt Fernsehen. Für das Unternehmen zahlt sich die Strategie aus, eigene Serien und Filme zu produzieren – in diesem Jahr für fast sechs Milliarden Dollar. Günstig sind Netflix-Aktien nicht mehr. Doch die Konkurrenz reicht nicht an die Nummer eins im Streaming heran. Daher behalten die Papiere weiter ihren Reiz. Dosiert kaufen

Wenige Grossschäden

Die Aktien des Rückversicherers Swiss Re haben dieses Jahr 7 Prozent verloren, während der Swiss Market Index (SMI) 8 Prozent höher notiert. Auch im Vergleich zu den Papieren der anderen Versicherer klafft eine grosse Lücke. Belastende Faktoren sind rasch aufgezählt: Die Erstquartalseinnahmen sind 10 Prozent geschrumpft, und die Diversifikation in die Bereiche Industrieversicherung und Lebenspolicenaufkäufe wirft Fragen auf. Doch jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um sich auf die Chancen einer Aufholbewegung des Aktienkurses zu besinnen. Die Gewinnbelastung durch Grossschäden und Naturkatastrophen war 2017 bislang gering, auch wenn soeben in Griechenland ein Erdbeben Menschen zu Schaden kommen liess. Weil Swiss Re mehr als doppelt so viel Eigenkapital wie nötig hält, dürfte bei vernünftiger Ertragslage im Herbst der geplante Aktienrückkauf über eine Milliarde Franken gestartet werden. Spätestens diese zusätzliche Nachfrage müsste den Kurs beleben. Kaufen

Riesige Nachfrage nach Wohnraum

Vom Gebäudezulieferer Arbonia war jüngst eher wenig zu hören, und wenn doch, eher Gutes, wie die Veräusserung von Bereichen ausserhalb des Kerngeschäfts. Die Ruhe ist ein gutes Zeichen. Verwaltungsratspräsident und CEO Alexander von Witzleben treibt im Stillen den Konzernumbau voran. Der Markt für Fenster, Türen, Heiztechnik und Sanitär ist nicht einfach, bietet aber auch Chancen. Ab dem kommenden Jahr werden sich der Aufbau von führenden Marktpositionen in Zentraleuropa und die Effizienzsteigerungen positiv bemerkbar machen und im Jahr darauf noch deutlicher. Im wichtigen Markt Deutschland ist die Nachfrage nach Wohnraum ­riesig, was über Jahre hinweg für Bauzulieferer gute Geschäfte ­verspricht. Für die Aktien von Arbonia ist das laufende Jahr nach den hohen Kursgewinnen von 2016 eine Übergangsphase. Wer den Zug nicht verpassen will, der steigt aber am besten jetzt schon ein und übt sich etwas in ­Geduld. Kaufen

Börse reagiert verschnupft

Gerade eben hat Rieter den Bericht zum ersten Halbjahr vorgelegt und insgesamt solide Zahlen ausge­wiesen. Doch die Börse reagierte verschnupft, weil Rieter-Chef ­Norbert Klapper für das zweite Halbjahr bloss noch einen im ­Vergleich zum ersten Halbjahr ­stagnierenden Auftragseingang ­voraussagte. Die Kurskorrektur um fast 10 Prozent ist übertrieben. Das jetzt erreichte Auftragsniveau ist nämlich recht ansehnlich. Kann es auch 2018 gehalten werden, zeichnet sich je Aktie ein deutlicher ­Gewinnanstieg von etwa 9 Franken (ohne Sonderkosten) im laufenden Jahr auf 13 Franken im nächsten ab. Damit sind die Rieter-Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17 ­bewertet – vergleichsweise moderat, denn das durchschnittliche KGV der Schweizer Industrie­aktien beträgt etwa 20. Dosiert kaufen