Schöner Zins – aber nicht risikolos

Renditeoptimierung durch strukturierte Produkte: Abhängig von Börsenindices. Foto: Getty

Renditeoptimierung durch strukturierte Produkte: Abhängig von Börsenindizes. Foto: Getty

Die Bank Vontobel hat mir 4,35% p.a. Callable Multi Defender Vonti auf Euro-Stoxx-50-Index, S&P-500-Index, SMI, Valor 36667364, zum Kaufen angeboten. Wie gross ist, abgesehen von der Währung, das Risiko dieser Anlage? R. S.

Bei dem Ihnen von Ihrer Bank zum Kauf empfohlenen Produkt handelt es sich um ein Barrier-Reverse-Convertible-Instrument. Das sind Produkte zur Renditeoptimierung, insbesondere in seitwärts tendierenden oder nur leicht steigenden Märkten. Bei diesen strukturierten Produkten kommen Sie in der Regel in den Genuss von deutlich höheren Zinsen als etwa bei konservativen Obligationen. Dafür tragen Sie auch klar mehr Risiken, da die Rückzahlung des investierten Betrages nach Ablauf nicht garantiert ist.

Konkret tragen Sie bei Ihrem Produkt drei verschiedene Risiken: erstens das Emittentenrisiko. Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers während der Finanzkrise hat dieses bei strukturierten Instrumenten eine höhere Beachtung. In Ihrem Fall ist die Bank Vontobel Emittentin des Produktes. Da es sich dabei um eine solide Bankgruppe handelt, stufe ich für Sie das Gegenparteirisiko als sehr gering, aber trotzdem nicht gleich null, ein.

Zweitens sind Sie dem Währungsrisiko ausgesetzt, da das Produkt in Euro ausgegeben wurde.

Drittens übernehmen Sie das eigentliche Produkterisiko. Das Ihnen zum Kauf angebotene Instrument ist an drei verschiedene Aktienindizes als Basiswerte gekoppelt – nämlich an den europäischen Euro Stoxx 50, den amerikanischen S & P 500 sowie an den Swiss-Market-Index. Die Laufzeit dauert bis Ende November 2020. Wenn keiner der drei Basiswerte – also die erwähnten Indizes – während der Barrierebeobachtung bis 23. November 2020 seine vor Emission definierte Barriere von 60 Prozent berührt oder durchbricht, wird der Nennwert zurückbezahlt – zuzüglich zum Coupon. Sie erhalten somit den vollen investierten Betrag sowie den Zins ausbezahlt. Wenn aber bei der Schlussfixierung mindestens ein Basiswert tiefer als sein Ausübungspreis ist, wird der Nennwert minus die prozentuale Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem Schlusskurs des Basiswerts mit der prozentual schlechtesten Wertentwicklung ausbezahlt. Ausserdem ist am Rückzahlungstag der Coupon fällig. Dies würde bedeuten, dass Sie nicht den vollen Betrag zurückbezahlt bekommen.

Letztlich müssen Sie sich die Frage stellen, wie gross Sie die Gefahr einstufen, dass die erwähnten Indizes um 40 Prozent einbrechen, oder ob Sie davon ausgehen, dass die Indizes weiter ansteigen oder zumindest gleich bleiben wie beim Emissionszeitpunkt Mai 2017. Zusätzlich hat die Emittentin das Recht, das Produkt vorzeitig zu kündigen und zurückzuzahlen.

Obschon ich die Wahrscheinlichkeit, dass die erwähnten Indizes bis 2020 um 40 Prozent oder mehr einbrechen, als nicht extrem gross einstufe, erachte ich solche strukturierten Produkte für konservative Investoren als zu riskant. Mancher sieht nur den zugegebenermassen schönen Zinscoupon von 4,35 Prozent pro Jahr. Doch wenn Sie schon bereit sind, ein im Vergleich zu Anleihen deutlich erhöhtes Risiko einzugehen, könnten Sie ebenso Aktien mit einer hohen Dividendenrendite wie beim Versicherer Zurich oder der Swiss Re ins Depot nehmen, würden dann aber wenigstens nicht noch zusätzlich ein Währungs- und Emittentenrisiko tragen.

Solche strukturierten Produkte kommen für mich nur für Anleger infrage, welche bewusst erhöhte Risiken in Kauf nehmen möchten und können und die Funktionsweise der nicht einfach verständlichen Instrumente genügend verstehen. Sollte dies bei Ihnen nicht der Fall sein und Sie lieber Wert auf sehr hohe Sicherheit legen, würde ich auf einen Kauf verzichten.

17 Kommentare zu «Schöner Zins – aber nicht risikolos»

  • Josef Marti sagt:

    Ein kleiner und wichtiger Satz: „Der Emittent hat ein jederzeitiges Kündigungsrecht“; wobei bei solchen Produkten die Rückzahlung dann durch Hingabe von Aktien vereinbart ist, de facto eine Put Option wo die Prämie im Couponaufschlag berücksichtigt ist, deshalb der hohe Zins. Stürzen die Titel nicht gerade unter 60% dafür aber zB auf 70% dann wird gekündigt und der Emittent macht einen Buchgewinn weil nicht der volle Nennwert zurückgezahlt wird, der Kunde realisiert dann einen Verlust von 30% auf seinem Investment.

    • Supermario sagt:

      Ihre Ausführen weisen darauf hin, dass Sie dieses (grundsätzlich ziemlich verbreitete) nicht verstehen. Erstens werden bei Indexprodukten (und genau um ein solches handelt es sich hier) NIE Aktien „hingegeben“, sondern immer via cash (entweder 100% + Coupon oder – falls eine Barriere verletzt würde den tatsächlichen Wert 100%/aktueller Wert + Coupon) ausgeglichen. Zweitens macht es für den Emittenten nur dann Sinn, vorzeitig zurückzuzahlen (kündigen und immer zu 100%), wenn der Wert aller drei Indices HÖHER als der Ausgabepreise (Strike) wäre. Bei tieferen Werten vergäbe er sich die Chance auf tiefere Rückzahlungspreise!
      Wenn man die Wirkungsweise eines Produkts nicht versteht, sollte man wirklich die Finger davon lassen!

      • Josef Marti sagt:

        Stimmt, danke für die Info, ich würde aber trotzdem generell die Finger davon lassen. Wenn ich dieses Termsheet richtig verstehe besteht der Coupon zu 99% aus Prämienanteil (und damit für den Anleger steuerfreier Kapitalgewinn) und zu nur 1% aus steuerbarem Zinsanteil. Fettgedruckt wird darauf hingewiesen dass der Anleger das Emittenten Ausfallrisiko trägt.

    • CB sagt:

      Sie haben viel Fantasie. Aus dem Termsheet:
      An jedem Beobachtungstag hat die Emittentin das Recht, aber nicht die Verpflichtung, das Produkt zu
      kündigen und am folgenden Couponzahlungstag zurückzuzahlen. Die Rückzahlung erfolgt zum Nennwert
      plus einem letzten Coupon für die entsprechende Periode (Details siehe „Couponzahlungen“). Es erfolgen
      keine weiteren Zahlungen.

    • Josef Marti sagt:

      Hier die Lexikon Definition zum reverse convertible:
      Reverse Convertible Bonds sind relativ neue Produkte am Kapitalmarkt, bei denen sich der Emittent das Recht vorbehält, statt der Rückzahlung der Anleihe zum Nominalbetrag eine von vorneherein festgelegte Stückzahl einer Aktie zu liefern. Die Lieferung der Aktien wird der Emittent nur dann vornehmen, wenn deren Wert geringer ist als der Nominalwert der zu tilgenden Anleihe. Die Übernahme dieser Stillhalterposition wird dem Anleger durch einen über dem marktüblichen Zinsniveau liegenden Zinssatz honoriert. In Zeiten von niedrigen Zinsen, kann der Anleger mit einem solchen Finanzprodukt eine über dem allgemeinen Marktniveau liegende Verzinsung seines Kapitals erwirtschaften.

      • Supermario sagt:

        Bei Indexprodukten gibt es NIE Aktien als Lieferung, wie denn auch? Und so neu (gibts schon etwa 20 Jahre) sind solche Produkte bei weitem nicht mehr. Beim im Lexikon beschriebenen Produkt handelt es sich um einen Reverse Convertible, beim kommentierten dagegen um einen BARRIER Reverse Convertible.

  • henry sagt:

    Das ist eine Falschinformation. Bei vorzeitiger Kündigung werden 100 % des Kapitals sowie der laufende Zins zurückgezahlt.

  • Martin Leu sagt:

    @ Josef Marti
    Woher haben Sie denn diesen Unsinn? Im Falle einer vorzeitigen Kündigung eines Barrier-Reverse-Convertible erfolgt diese zum vorgesehenen Rückzahlungsbetrag, d.h. i.d.R. zu 100% des Emissionspreises. In Ihrem Beispiel mit einem deutlichen Kurseinbruch würde dies der Emittent wohl kaum machen, da die wahrscheinlichkeit einer Barrierenverletzung stark zugenommen hat und der Emittent davon profitieren würde.
    Abgesehen davon empfiehlt sich ein Studium des jeweiligen Termsheets, es gibt durchaus auch Produkte ohne ein vorzeitiges Kündigungsrecht.

    • Josef Marti sagt:

      Nein, die Rückzahlung erfolgt durch Hingabe einer im voraus bestimmten Anzahl Aktien, der Strike entspricht dem Nominalbetrag des Zinspapiers, also Wette auf fallende Aktienkurse.
      Muss natürlich im vorliegenden Termsheet im Kleingedruckten genau geprüft werden wie das abgemacht ist.

  • Nick sagt:

    Mir wollte mein „Berater“ ein ähnliches Produkt aufdrängen. Meine Frage, warum dieses genau so gestaltet sein (bzgl. Auswahl der Wertpapiere und Definition der Limite) konnte oder wollte (?) er nicht beantworten und fing immer wieder an, den Basismechanismus zu erklären. Ich halte mich immer an den Grundsatz „Finger weg, wenn du es nicht wirklich verstehst“. So auch hier. War im Rückblick besser so. Für mich, nicht für die Bank.

  • Daniel Keller sagt:

    Strukturierte Produkte gibt es nur aus einem einzigen Grund: nämlich weil der Emittent ordentlich was damit verdienen kann und dabei das Risiko auf den Anleger abwälzt (sprich, er verdient immer damit). Man kann getrost darauf verzichten.

    • Josef Marti sagt:

      Richtig, verdient wird aus der Kundenberatung, Provisionen und Transaktionskosten.
      Bei solchen Papieren wie hier hat die Bank resp. Emittent allerdings einen hohen Zinsaufwand wegen der Putprämie die darin enthalten ist, also ist sie gezwungen auf der Aktivseite der Bilanz entsprechend höhere Risiken einzugehen; deshalb ist eine jederzeitige Rückzahlungsoption von grossem Vorteil für den Emittent. Steht im Termsheet dass die Rückzahlung wahlweise in Geld oder in einer zum voraus bestimmten Anzahl Aktien erfolgen kann, so hat die Bank Figge und Mühle.

    • Josef Marti sagt:

      Sowohl beim klassischen reverse convertible wie beim hier diskutierten Barrier Produkt setzt der Emittent auf fallende Kurse des Basiswertes, weil er damit am Schluss den Emissionspreis unter pari tilgen kann und so einen Buchgewinn erzielt. Ist der Kursverlauf und Kurstendenz des Basiswertes jedoch wider Erwarten zugunsten des Anlegers, so kann der Emittent beim Barrier Produkt alle 3 Monate rechtzeitig aussteigen da sonst der teure Coupon zum schlechten Geschäft wird.

  • Kurt Kohler sagt:

    Das sind Anlagen wo die Bank immer Gewinnt

  • Walter Angst sagt:

    Was bringen mir 4,35% Zins für Hochrisikopapiere, zumal die Spesen oft den Zins überschreiten. Profitieren tut nur die Bank!

    • Josef Marti sagt:

      Wie weiter oben erwähnt sind diese 4.35% zu 99% steuerfreier Kapitalgewinn. Damit ist klar dass auch die Behörden das Produkt als hochspekulativ einstufen. Für den Anleger als Stillhalter ist die erhaltene Optionsprämie steuerfrei egal ob die Option ausgeübt wird oder nicht.

  • Franz Gödl sagt:

    Solche Instrumente sind eine Goldgrube für Emittenten, denn sie können auf der einen Seite teuer Vola verkaufen durch die Strukturierten Produkte und günstig an der Eurex wieder einkaufen – ein No-Brainer. Dabei wird geschaut, welche Kombination von Underlyings die höchsten Prämien bringt, unabhängig von deren Kurseinschätzung. Je mehr Underlyings kombiniert werden, umso wahrscheinlicher wird der Fall, dass man einen Verlust einfährt. Früher waren es nur ein, dann zwei Underlyings, nun drei. Wie lange wird es dauern, bis man vier kombiniert? Es ist aus meiner Sicht fahrlässig nach 8 Jahren Hausse und der Volatiltität auf historischem Tief hier noch Short-Put-Strategien als gutes Investment anzupreisen. Das Risiko, dass die Aktienmärkte 40% bis 2020 korrigieren ist imens und nicht klein.

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