Mit grossem Tamtam gegen Clariant-Fusion

Clariant-Hauptsitz in Muttenz BL: Angriff der US-Aktionärsgruppe White Tale. Foto: PD

Holprig läuft es derzeit für den Chemiekonzern Clariant und für die geplante Fusion mit dem Branchennachbarn Huntsman. Es regt sich Widerstand. Das überrascht als solches nicht. Ich bin lediglich erstaunt darüber, dass er erst jetzt so richtig aufkeimt. Dafür kommt die Opposition nun mit grossem Tamtam, mit einer Beteiligung von 7,2 Prozent der Clariant-Aktien im Gepäck. Angreifer ist die US-Aktionärsgruppe White Tale, hinter der das Unternehmen Standard ­Industries und der Hedgefonds Corvex stehen. Sie sehen viel verborgenen Wert in Clariant und ­fordern, der Konzern müsse Alternativen zur Fusion prüfen. Damit der Zusammenschluss gelingt, braucht es an einer noch zu bestimmenden ausserordentlichen Generalversammlung von Clariant zwei Drittel der anwesenden Stimmen. Investoren haben nun eine Win-win-Situation. Kommt die Fusion durch, profitieren sie von den (glaubhaften) Synergien, die im Kurs noch in keiner Weise enthalten sind. Wird die Fusion abgelehnt, müssen die Gegner eine bessere Lösung vorlegen. Kaufen

Expansion in Deutschland

Die Schweizer Versandapotheke Zur Rose hat am Donnerstag ein beeindruckendes Börsendebüt hingelegt. Die Nachfrage nach den Aktien war gross. Den Angebotspreis von 140 Franken hatten die Titel schon in den ersten Handelsstunden hinter sich gelassen, das Tageshoch wurde mit der Schlussauktion bei 159.90 Franken erreicht. Für alle, die beim Börsengang zum Zuge kamen, bedeutet die Performance vom ersten Handelstag einen Buchgewinn von 14 Prozent gegenüber dem Angebotspreis. Dass die Papiere am Freitag etwas korrigierten, wundert mich nicht. Der Angebotspreis lag bereits am oberen Ende der Bandbreite. Dieses Niveau reflektiert die Wachstumsaussichten des Unternehmens bereits ganz gut. Die Erlöse aus dem Börsengang, die am Ende noch auf 233 Mil­lionen Franken steigen können, will Zur Rose für die Expansion in Deutschland unter der Marke DocMorris und in anderen europäischen Märkten verwenden. Zumindest in Deutschland könnte sich der Umsatz im Onlinehandel binnen fünf Jahren verdoppeln. Auch im Inland kommt Zur Rose voran – sie hat ihre erste Shop-in-Shop-Apotheke in einer Migros-Filiale in Bern eröffnet. Erst ab Kursen um 140 Franken schaue ich mir die Titel wieder an, die Devise lautet: Abwarten

Höhere Hürden als angenommen

Etwas länger als die Versandapotheke Zur Rose, nämlich seit rund drei Monaten, muss sich Vifor Pharma als eigenständige Gesellschaft an der Schweizer Börse beweisen. Bislang gelang das mehr schlecht als recht. Seit der Abspaltung der Apothekensparte Galenica Santé ist der Kurs stehen geblieben. Die Investoren trauen den ambitionierten Wachstumsplänen bislang nicht. Bis 2020 will Vifor Pharma den Umsatz beinahe auf 2 Milliarden Franken verdoppeln. Der operative Gewinn vor Abschreibungen soll im höheren dreistelligen Millionenbereich liegen. 2016 betrug er 331 Millionen Franken. Einer der Treiber für das Wachstum ist das zugekaufte und bereits zugelassene Medikament Veltassa gegen Hyperkaliämie. Wie Analystenstudien jedoch zeigen, stellen sich womöglich höhere Hürden in der Vermarktung des Präparates als bislang angenommen. Hinzu kommen Bedenken über einen verschärften Wettbewerb bei der Vermarktung von Wirkstoffen gegen Eisenmangel. In den Aktien schlummern di­verse Unsicherheiten. Angesichts des ­Risikos sind die Titel derzeit ausgereizt. Meiden

Halbleiter und Displays

Endlich wieder aufwärts geht es für Samsung Electronics. Das südkoreanische Unternehmen wird für das laufende Quartal das höchste Ergebnis in seiner Geschichte ausweisen. Das ist ein schöner ­Erfolg für den 1969 gegründeten Elektronikkonzern. Denn zum einen sind Mitglieder der Chef­etage in den Bestechungsskandal um Ex-Präsidentin Park Geun-hye verwickelt. Zum anderen stellten die Produktmanager vor fast genau einem Jahr das Smartphone Note 7 vor, das wenig später weltweit zurückgerufen werden musste, weil es in Flammen aufging. Der Grossteil des ­ Ergebnisses kommt nun nicht aus der Smartphone-Sparte, sondern aus dem Geschäft mit Halbleitern und Displays. Hier zahlen sich die Investitionen der Vergangenheit aus. Zudem beliefert Samsung den ärgsten Rivalen: Das neue iPhone 8 von Apple kommt im Herbst wohl mit Displaytechnik der Südkoreaner. Das eigene Galaxy S8 von Samsung dürfte sich auch nicht schlecht verkaufen. Das alles spricht für einen Konzern, der selbst in der Krise rundläuft. In Schwächen kaufen

15 Prozent mehr Gewinn

Einen cleveren Schritt hat Rieter vor wenigen Tagen angekündigt. Der Winterthurer Spinntechnikhersteller hat den Spulenmaschinenhersteller SSM, das einstige Stammgeschäft von Schweiter, erworben. Das ist ein guter und logischer Kauf: Er bringt Rieter rund 10 Prozent zusätzlichen Umsatz und rund 15 Prozent zusätzlichen Gewinn. Und das ohne Kosten: Den Kaufpreis von netto 100 Millionen Franken kann Rieter leicht aus den umfangreichen flüssigen Mitteln begleichen, das heisst, es fallen keine Zinskosten an. Operativ passt SSM gut zu Rieter. Es werden teils dieselben Kunden beliefert, die Hauptabsatzländer sind mit China und Indien ebenfalls fast deckungsgleich. Beide Unternehmen stellen nicht nur hochwertige Maschinen her, sie ticken auch unternehmerisch gleich. Der Kauf stützt die Winterthurer Gruppe etwas breiter ab und macht sie rentabler. Das kommt den Aktionären zugute. Dasselbe gilt für das schon laufende Restrukturierungsprogramm an den Standorten Winterthur und Ingolstadt. Kaufen

Kommentarfunktion deaktiviert.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.