Testament ändern, aber richtig

Ein bestehendes Testament muss handschriftlich geändert werden – andernfalls ist der Gang zum Notar empfohlen. Foto: Getty Images

Ein bestehendes Testament muss handschriftlich geändert werden – andernfalls ist der Gang zum Notar empfohlen. Foto: Getty Images

Meine Frau und ich haben schon seit elf Jahren ein Testament. Doch jetzt möchte ich ein paar Sachen darin ändern. Kann ich da einfach durchstreichen und meine Änderungen anbringen? F. N.

Wenn Sie schon über ein gültiges Testament verfügen, dürfen Sie dieses ändern. Es kommt immer vor, dass es im Leben bei den Beziehungen unter den Menschen zu wichtigen Veränderungen kommt und man bei der Verteilung seines Nachlasses deshalb andere Prioritäten setzen möchte.

Allerdings gilt es auch bei den von Ihnen geplanten Anpassungen einige Regeln zu beachten: Die Änderungen in Ihrem bestehenden Testament müssen handschriftlich erfolgen. Und Sie müssen zu den Änderungen ein Datum setzen. Es muss klar ersichtlich sein, dass die Passage nachträglich verändert wurde. Sie muss auch klar verständlich sein. Ansonsten kann Ihr Wille allenfalls nicht umgesetzt werden.

Wenn es nur kleine Änderungen sind, die Sie nun vornehmen möchten, sehe ich kein Problem. Sollten es aber zahlreiche Anpassungen sein, welche noch genauer erläutert werden müssen, würde ich von der Änderung im bestehenden Testament absehen und stattdessen ein neues Testament verfassen. Denn auch das dürfen Sie. Wichtig ist dann, dass Sie das alte Testament, welches für Sie nicht mehr Gültigkeit hat, auch vernichten.

Wenn Sie ein neues Testament mit den vorgesehenen Änderungen planen, müssen Sie dieses auch handschriftlich verfassen und Ihre Unterschrift sowie das aktuelle Datum daruntersetzen. Testamente dürfen also nicht am Computer geschrieben und dann einfach noch rasch unterschrieben werden. Die Handschriftlichkeit, Unterschrift und Datum sind bei selbst verfassten Testamenten eine Grundvoraussetzung.

Wenn Sie das Testament nicht selbst handschriftlich verfassen möchten, können Sie es auch von einem Notar oder Anwalt gemäss Ihren Vorgaben erstellen lassen und dann vor der Urkundsperson unterzeichnen und allenfalls auch beim Notar hinterlegen. Falls Ihr Testament komplex ist, empfehle ich Ihnen, die von Ihnen geplanten Änderungen vorgängig mit einem Notar zu besprechen. Denn auch mit den Änderungen dürfen Sie keine Pflichtteile verletzen. Ansonsten kann Ihr Letzter Wille nach Ihrem Tod von den Erben angefochten werden.

Wenn Sie das Testament nicht bei einem Notar hinterlegen oder einen Willensvollstrecker einsetzen möchten, sondern den Letzten Willen bei sich zu Hause aufbewahren möchten, sollten Sie es bei Ihren wichtigen Dokumenten wie Familienbüchlein, Pass usw. aufbewahren, damit es bei Ihrem Todesfall auch leicht von Ihren Angehörigen gefunden wird. Schreiben Sie das verschlossene Couvert deutlich mit «Testament» an, damit Ihre Angehörigen rasch erkennen, dass sich darin Ihr Letzter Wille befindet. Auch können Sie Ihre Angehörigen darüber informieren, wo genau Sie Ihr Testament aufbewahren. So haben Sie Gewähr, dass Ihr Testament im Falle Ihres Todes wirklich gefunden und Ihr letzter Wille umgesetzt wird.

8 Kommentare zu «Testament ändern, aber richtig»

  • R. Wenger sagt:

    Es fehlt die Angabe, ein Testament beim Erbschaftsamt zu deponieren. Das ist eine sichere und kostengünstige Lösung

    • Stefan Meier sagt:

      Meinten Sie das „Amtsnotariat“?

      • Züri sagt:

        Die meisten Kantone ausser Zürich kennen das Amtsnotariat nicht (mehr) hat mir der Notar erklärt. Für mich ein grosser Vorteil mein Testament an einem „neutralen“ Ort hinterlegen zu können. Habe einmalig Fr. 170 bezahlt, fair wenn ich mit heute 42 die statistische Lebenserwartung erreiche…

  • Carl Blumer sagt:

    Wenn das Testament (rechtlich übrigens: Letztwillige Verfügung) bei einem freiberuflichen Notar – z. B. also v. a. in den Westschweizer Kantonen, in Bern oder Basel-Stadt – deponiert wird, sich nach der Möglichkeit der Eintragung des Hinterlegungsorts im Zentralen Testamenten-Register (ZTR) des Schweizerischen Notarenverbandes (SNV) erkundigen. Wenn immer möglich eintragen lassen!

  • Stefan Meier sagt:

    Und wie ist es mit der Klausel „Dieses Testament ersetzt alle vorhergehenden.“ Ist dies nicht notwendig?

    • Daniel Lehmann sagt:

      Nein, nicht nötig, es gilt jeweils das neueste Testament.

      • Carl Blumer sagt:

        Formalrechtlich ist die von Meier erwähnte Klausel tatsächlich nicht nötig. Aus materiell rechtlicher Sicht ist sie aber sehr zu empfehlen. Es braucht nämlich relativ wenig, dass man argumentieren kann, das neue Testament sei lückenhaft und diese Lücken seien anhand eines älteren zu schliessen. Das gibt ‚Anwalts-Futter‘.

  • Susanne Gerber sagt:

    Wie ist es wenn ein Ehepaar ein Testament erstellt hat und der Eine stirbt. Kann der Zurückgebliebene das Testament ändern, wenn er alles geerbt hat?

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