Hohe Bewertung von Emmi spricht für Verkauf

Kaltbachkäse von Emmi: Der Milchverarbeiter rechnet mit Gewinn wie im Vorjahr. Foto: Sigi Tischler/Keystone

Beim Milchverarbeiter Emmi stellt sich eine spannende Frage: Wer hat recht? Das vorsichtig prognostizierende Unternehmen oder die optimistischen Aktienanalysten? Für Emmi spricht das Umfeld. Der niedrige Milchpreis in der Schweiz und der hohe Wettbewerb fordern Emmi heraus. Deswegen rechnet der Hersteller von Caffè Latte und Kaltbach-Käse für 2017 mit einem Gewinn in der Höhe des Vorjahrs. Für die Analysten spricht hingegen die Geschichte. Emmi macht seit Jahren konservative Prognosen und hat diese mit einer steten Konstanz übertroffen. Einmal reisst aber jede Serie. Die Milchpreise sind weiter niedrig, und das schwächelnde Pfund schmälert den Gewinnbeitrag aus Grossbritannien. Im Aktienkurs zeigt sich dieser Widerspruch aber nicht. Die Titel haben sich im laufenden Jahr 20 Prozent verteuert. In fünf Jahren haben sie sich gar vervierfacht. Unterdessen sind sie so hoch bewertet wie noch nie und gar teurer als der deutlich breiter aufgestellte Branchengigant Nestlé. Verkaufen

Digitale Erlebnisse

Bei Helvetia geht es um einen Innovationsschub. Der Versicherer will den Kunden vermehrt digitale Erlebnisse bieten. Konzernchef Philipp Gmür versprach an der jährlichen Investorentagung praktische, nützliche und auch überraschende Apps und Onlineformen. Ich bin kein Digital Native und orientiere mich deshalb lieber an den greifbareren Zielen: Bis 2020 soll die Lebensversicherung noch stärker umgebaut werden, damit die Zinslage weniger Einfluss auf die Rentabilität hat. Zusätzliches Sachversicherungsvolumen wird im KMU-Geschäft gesucht. Auf den hypothekarisch gedeckten Ausleihungen ist ein Ausbau geplant. Die Finanzziele bleiben gleich: Der Helvetia-Chef will das Geschäftsvolumen bis 2020 gegenüber 2016 um ein Fünftel ausbauen und zugleich die Rentabilität steigern. Ganz so leicht dürfte das nicht sein, wegen der angestrebten Akquisitionen im Ausland. Die Helvetia-Valoren werden deshalb wohl nicht auf Höhenflug gehen. Doch das stabile Kern­geschäft des Unternehmens gibt genügend Zuversicht, dass die hohe Dividende in den nächsten Jahren zumindest weitergeführt wird. Kaufen

66-Milliarden-Deal

Geduld könnte sich auch bei ­Bayer auszahlen. Ich mache mich im Ausland immer wieder gern auf die Suche nach Aktien, die unter ihrem Wert gehandelt werden. Ein solcher Fall ist aus meiner Sicht der deutsche Chemie- und Pharmahersteller. Er wird von der Börse gegenüber der Konkurrenz deutlich günstiger bewertet. Der Grund dafür ist einfach: Bayer steht mitten in der Übernahme des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto. Dieser 66 Milliarden Dollar umfassende Deal ist zudem der teuerste in der Geschichte der deutschen Industrie. Der Kauf ergibt sehr wohl Sinn. Die Einverleibung von Monsanto würde Bayer helfen, zum künftigen Weltmarktführer im Bereich der Gentechnologie aufzusteigen. Wer bei Bayer auf eine Kurserholung setzt, muss allerdings etwas Geduld mitbringen. Wie bei Megadeals üblich, lassen sich die Behörden mit der Genehmigung oft mehr Zeit als gedacht. Bei Bayer/Monsanto könnte sich der Abschluss bis 2018 hinziehen. Doch der lange Atem dürfte sich auszahlen – wie bei jenen, die in den vergangenen Monaten bei Syngenta darauf gesetzt haben, dass die Übernahme durch Chemchina zustande kommt. Kaufen

Hohes Exportvolumen

Seit einem Jahr nur nach oben zeigt die Aktienkursentwicklung des ­Industriekonzerns SFS. Das trifft zwar auf viele Valoren aus der Branche zu. Doch SFS zählt zu den an der Börse kotierten Unternehmen mit dem grössten Kostenanteil in Franken und hohem Exportvolumen. Entsprechend hart wurde es vom Frankenschock Anfang 2015 getroffen. Das Management des Spezialisten für Präzisionsformteile hat indessen rasch und richtig reagiert, unter anderem mit einem Einstellungsstopp, aber ohne grossen Abbau der Arbeitsplätze in der Schweiz. Im vergangenen Jahr stieg die Produktivität – der Gewinn je Mitarbeiter – hierzulande um 15 Prozent. Die Ertragsscharte ist ausgewetzt. Das neue Jahr ist gut angelaufen. Der Umsatz 2017 dürfte um 8 bis 10 Prozent klettern, dies mit höherer Betriebsgewinnmarge. Fantasie haucht den Aktien auch die Lancierung des iPhone 8 im Herbst ein. SFS liefert die Befestigungselemente. Die Aktien haben sich allerdings seit vergangenem Juni 75 Prozent verteuert. Da ist schon vieles im Kurs drin. Dosiert kaufen

Rückschlag 

Normalerweise halten sich die Kursbewegungen bei den Aktien grosser, defensiv aufgestellter Unternehmen in Grenzen. Nicht so bei Roche. Der Pharmakonzern hat vergangene Woche bei einem seiner grössten Hoffnungsträger einen Rückschlag erlitten. Das Problem war folgendes: Roche konnte zwar beweisen, dass das Medikament Perjeta gegen eine besonders aggressive Brustkrebsart bei zuvor operierten Patienten besser wirkt als der bisherige Behandlungsstandard Herceptin (ebenfalls aus den Labors der Basler). Allerdings gelang das nur bei einer Patienten-Subgruppe. Der Finanzmarkt hatte aber damit gerechnet, dass alle Patienten von Perjeta profitieren können. Die Genussscheine haben seit Veröffentlichung dieser Meldung rund 6 Prozent verloren. Für mich ist das eine klare Einstiegsgelegenheit. Die Schlagzeilen sind zwar negativ, aber inzwischen verdaut. Roche gehört zu den wenigen Pharmakonzernen, die wohl dank zahlreicher neuer Präparate Umsatzverluste durch Patentabläufe bei Medikamenten mehr als wettmachen können. Dennoch sind die Titel nicht teurer bewertet als bei manchem Konkurrenten mit weit grösserem Risikoprofil. Kaufen

 

1 Kommentar zu «Hohe Bewertung von Emmi spricht für Verkauf»

  • Carlos Hugas sagt:

    Mit solchen Artikeln werden Privatanleger dazu angestachelt, über Börsenkurse und kurzfristige Finanzergebnisse nachzudenken. Das ist sinnlos und fatal. Aktienanleger haben einen langen Horizont. Wer jahrzehntelang in eine Firma investiert, kann die Umsatzentwicklung eines einzelnen Jahres komplett ignorieren. Das permanente Kaufen und Verkaufen aufgrund von irrelevanten Informationen schmälert die Rendite und verhindert, dass man vom Compounding von reinvestierten Gewinnen profitiert. Man muss nicht die Zukunft prognostizieren, sondern die Wettbewerbsvorteile einer Firma verstehen. Wer etwas lernen will, soll langfristig erfolgreiche Investoren wie Warren Buffett studieren. Die Journis wissen das, aber fabulieren trotzdem über Gentechnologie oder irgendwelche Mergers. Verantwortungslos!

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