Wie Anleger aus Katastrophen Profit schlagen

Katastrophenbonds: Versicherungen lassen die Anleger das Risiko tragen. Foto: Mark Wallheiser/EPA

Katastrophenbonds: Versicherungen lassen die Anleger das Risiko tragen. Foto: Mark Wallheiser/EPA

Wir haben gesehen, dass die Swiss Re neue Naturkatastrophen-Bonds herausgegeben hat. Die Rendite ist höher als bei üblichen Obligationen. So könnten wir etwas mehr verdienen. Sollen wir da einsteigen? R. G.

Auf den ersten Blick wirkt die Vorstellung, dass Anleger aus Katastrophen Profit schlagen könnten, zynisch. Beim zweiten Blick stellt man aber fest, dass die Investoren nur dann Profit machen, wenn es eben gerade nicht zu den Katastrophen kommt. Sie tragen aber das Katastrophenrisiko. Solche Katastrophenobligationen oder Cat Bonds, wie sie in der Finanzgemeinde auch genannt werden, sind bei vielen Anlegern beliebt. Erst recht, seit die Zinsen herkömmlicher Anleihen extrem tief gesunken sind.

Die Katastrophenanleihen sind hingegen nicht direkt von den Zinsen abhängig, sondern davon, ob ein Schadenfall – in Ihrem konkreten Fall eine Naturkatastrophe – eintrifft oder nicht. Beim von Ihnen erwähnten Produkt verbrieft die Swiss Re indirekt im Auftrag der California Earthquake Authority (CEA) für fast eine Milliarde Dollar das Risiko eines Erdbebens im US-Bundesstaat Kalifornien. Konkret heisst das, die Swiss Re und ihre Auftraggeber übertragen mit diesen Cat Bonds das Schadenrisiko eines möglichen Erdbebens auf die Anleger, welche diese Anleihen zeichnen. Die Versicherer senken so ihre Risiken.

Indem man als Investor Cat Bonds kauft, übernimmt man das Risiko von der Versicherung und wird dafür mit einer ansprechenden Prämie entschädigt. Im negativen Fall aber, wenn es während der Laufzeit zu einem grösseren Erdbeben in Kalifornien käme, müssten Sie auf den Katastrophenanleihen mit massiven Ausfällen rechnen. Sie müssen davon ausgehen, dass Sie in diesem Fall nicht mehr das ganze Kapital zurückbezahlt bekämen. Ein gewichtiger Pluspunkt neben der Prämie auf den Cat Bonds ist die Tatsache, dass sie anders als die meisten Anleihen nicht dem Zinsänderungsrisiko unterliegen. Falls die Zinsen irgendwann auch bei uns anziehen, läuft man Gefahr, mit herkömmlichen Anleihen erhebliche Kursverluste einzufahren. Bei den Cat Bonds besteht dieses Risiko indes nicht. Dafür aber sind Sie dem Katastrophenrisiko ausgesetzt.

Letztlich müssen Sie sich überlegen, wie hoch Sie die Chance einstufen, dass es während der Laufzeit tatsächlich zu einem grossen Erdbeben in Kalifornien mit dramatischen Schäden kommt. Irgendwann werden wir wohl ein schlimmes Erdbeben in Kalifornien sehen. Die Frage ist nur, wann. Das Gleiche gilt auch bei anderen Naturereignissen wie Wirbelstürmen, deren Risiken ebenfalls regelmässig im Rahmen von Cat Bonds verbrieft werden. Darum ist es für Sie als Anleger extrem schwierig, das Risiko von solchen Katastrophenanleihen realistisch abzuschätzen.

Obwohl diese Anleihen eine geringe Korrelation zu den Finanzmärkten und damit zu den üblichen Finanzrisiken aufweisen, was positiv ist, rate ich Ihnen bei solchen Papieren zur Vorsicht. Als Privatanleger würde ich nicht in eine einzelne Katastrophenanleihe wie jene der Swiss Re investieren, sondern höchstens als Depotbeimischung in Cat-Bond-Fonds anlegen, welche nicht nur eine einzelne, sondern viele verschiedene Katastrophenbonds mit sehr unterschiedlichen Risiken enthalten. Auch bei solchen Fonds sind die Risiken nicht gering. Dank der breiten Diversifikation können diese jedoch etwas gesenkt werden.

2 Kommentare zu «Wie Anleger aus Katastrophen Profit schlagen»

  • Karl von Bruck sagt:

    Bei Lloyds haften die Unterschreiber auch mit ihrem privaten Vermoegen bis zum letzten Silberloeffel und die Restschaeden werden aus einem Lloyds-Fonds ausgeworfen, den die Unterschreiber mit einem Teil ihrer Gewinne laufend euffnen muessen. In der Schweiz lassen sich die (Rueck)versicherungsaktionaere auch die Grossschadenreserven dividendieren. Tritt dann mal auf dem Heimmarkt eine Grossschaden auf, laesst man die Konsumenten mit einer korrupten Versicherungspolitik und -Juxtiz leer laufen statt sie zu entschaedigen. Und die Aktionaere kassieren munter weiter statt nachschiessen zu muessen. Entweder auf dem Puckel des Kunden oder dem des Risikoobligationaers….

  • Werner Müller sagt:

    Zur diesem Thema hat Naomi Klein ein Interessantes Buch geschrieben : The Shock Doctrine , The Rise Of Desaester Kapital.

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