Aktien von Ems-Chemie ­nerven

Ems-Chemie: Der Wachstumsmotor läuft rund, doch die Aktien sind zu teuer. Foto: Nicola Pitaro

Die Aktien der Ems-Chemie ärgern mich. Und zwar in dem Sinn, dass sie einfach zu teuer sind und von einem Einstieg abzuraten ist. Selbst wenn ich alle Argumente berücksichtige, die diese Titel zu wahren Perlen machen – sie sind überbezahlt. Die Eckdaten zum Quartal machen es erneut deutlich: Der Wachstumsmotor läuft rund. Die Verlangsamung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die Halbierung im Wachstum der weltweiten Automobilproduktion, die steigenden Rohstoffkosten usw. – Die Ems-Chemie stemmt sich dagegen und meldet in allen Regionen Neugeschäfte. General ­Motors kürte die Gruppe mit Magdalena Martullo-Blocher als Chefin jüngst zum Zulieferer des Jahres, das siebte Mal in Folge, dank «äusserst innovativer Lösungen mit Hochleistungskunststoffen». Diese Qualität zieht sich durch das ganze Unternehmen. Doch leider sind die Aktien weiterhin zu teuer, auch im historischen Vergleich. Das Rückschlagrisiko ist mir zu gross. Abwarten

Marge mit Potenzial

In einem modernen Automobil steckt immer mehr Elektronik. Der Laie staunt: Das Bordnetz einer höheren PKW-Klasse besteht aus etwa 2000 Leitungen mit einer Gesamtlänge von bis zu vier Kilometern. Viele dieser Kabel werden noch von Hand verarbeitet. Doch der Bedarf an automatisierten Fertigungslösungen nimmt zu. Die Zulieferer der Autohersteller müssen immer höhere Qualitäts- und Effizienz­ansprüche erfüllen. Davon profitiert Komax. Mit einem Umsatz von etwa 370 Millionen Franken ist das Luzerner Unternehmen klare Nummer eins im Geschäft mit Maschinen, die Kabel verarbeiten. In den vergangenen Jahren hat sich Komax im Umsatz verdoppelt und dabei die betriebliche Marge gehalten. Dazu trug nicht nur die wachsende Elektrifizierung der Autos bei, sondern auch ein stetig steigender Absatz auf globaler Ebene. Ich denke, beide Wachstumstreiber werden auf absehbare Zeit anhalten. Die Marge hat Potenzial nach oben, nach acht Übernahmen seit 2012 sind noch einige Hausaufgaben zu ­erledigen. Kursrückschläge unter 250 Franken sind Einstiegsgelegenheiten. Dosiert kaufen

Eindrücklicher Leistungsausweis

Kabellose Bluetooth-Lautsprecher und -Kopfhörer machen nicht nur im Sport und Alltag Freude. Für Logitech sind sie ein gewinnträchtiges Geschäft. Das hat sich auch unter den Börsianern herum­gesprochen. Aus dem Westschweizer Hightech-Zubehörhersteller ist innert kurzer Zeit ein Börsenliebling geworden. Allein in den vergangenen zwölf Monaten ­haben sich die Aktien rund 100 Prozent verteuert und kosten derzeit 31.50 Franken, nahe dem Allzeithoch von 32.20 Franken. Vor vier Jahren, als das Unternehmen noch in einem schmerz­haften Turnaround steckte, waren die Papiere für 6.50 Franken zu ­haben – ein eindrücklicher Leistungsausweis für das Management um den amerika­nischen CEO Bracken Darrell. Doch mit einem Kurs-­Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr von 29 sind die Aktien mittlerweile teuer. Sie bilden eine unverminderte Fortsetzung des derzeit hohen Wachstumstempos ab. Doch das Geschäft bleibt ­zyklisch, und die Vorlieben der Konsumenten sind unberechenbar. Zu diesem Aktienpreis ist Vorsicht geboten, die Anfälligkeit für Kursrückschläge wächst. Abwarten

Umsichtiges Management

Wer unter den Anlegern weiss schon, was Huber+Suhner genau produziert? Dennoch haben die Aktien des Elektrotechnikherstellers eine treue Fangemeinde an der Börse. Das bezieht sich weniger auf die oft schwierig zu verstehenden Produkte als vielmehr auf die umsichtige und vorausschauende Führung des Unternehmens. Immer wieder erkennt das Management neue Chancen im Markt und wagt es dann auch, gezielt zu investieren, selbst dann, wenn der Payback nicht gleich folgt. So ­gelang es beispielsweise, innert ­weniger Jahre eine starke Stellung in der Verbindungstechnik für Handyantennen aufzubauen und damit erstmals richtig in den US-Markt einzudringen. Derzeit ist Huber+Suhner daran, neue Märkte in der E-Mobilität und im Datenzentrenmanagement zu ­erschliessen. In solche Unter­nehmen, die Innovation vorantreiben und damit auch deren Richtung beeinflussen können, kann man sein Geld getrost anlegen, denn da sind gute Geschäfte programmiert. Kaufen

Tiefrote Erfolgsrechnung

In der grossen Social-Media-Welt von Facebook, Instagram und Snap ist Myriad ein unbekannter Name. Er wird es bleiben. Das an der SIX kotierte Handysoftware-Unternehmen gibt sein soziales Netzwerk Versy definitiv auf. Viel zu wenig Nutzer in Lateiname­rika und den USA – Myriads Zielmärkten – fanden die App attraktiv, Werbekunden schon gar nicht. Wie weiter? Der Umsatz des Unternehmens hat sich im vergangenen Jahr praktisch halbiert, die Erfolgsrechnung ist tiefrot. Jetzt will sich Myriad mit Kommunikationslösungen für das Internet der Dinge ein neues Geschäftsfeld aufbauen. Das Unternehmen glaubt, mit seinem «Connect»-Angebot die Technologie zu besitzen, um im Internet der Dinge, das eine Vielzahl Geräte miteinander vernetzen will, einen Unterschied machen zu können. Wann damit Geld verdient werden soll, weiss My­riad noch nicht. Und auch ob überhaupt genügend Mittel vorhanden sind, um das neue Angebot zu entwickeln, ist unklar. Der seit Februar amtierende CEO und Präsident Erik Hansen will eine weitere Kapitalerhöhung nicht ausschliessen. Die Risiken bei My­riad sind sehr hoch, die Erfolgsaussichten nebulös. Meiden